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Lebenstraum Bundesligaprofi: "Papa, ich bin im Kader"

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Schalker Jugendspieler Zander: Einer der Herausragenden seines Jahrgangs Zur Großansicht
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Schalker Jugendspieler Zander: Einer der Herausragenden seines Jahrgangs

Um Profi zu werden, investieren junge Fußballer alles - ohne Garantie auf Erfolg. Nils Zander war Jugendnationalspieler und scheiterte doch kurz vorm Ziel, während sein Kumpel Weltmeister wurde. Besuch bei einem, der trotzdem sein Glück gefunden hat.

"Meinst du, wir sind im Kader?"

"Weiß nicht, keine Ahnung."

"Lass uns mal aufschreiben."

Zwei A-Jugendliche des FC Schalke 04 sitzen in einem Hotelzimmer im türkischen Belek. Unter Trainer Felix Magath sind die beiden Jungs im Januar 2011 mit ins Wintertrainingslager der Profis gefahren, zurück in Deutschland soll es für 18 Spieler direkt zum ersten Rückrundenspiel gehen.

"Einer ist doch im Training umgeknickt. Meinst du, der ist dabei?"

Auf einen Hotel-Notizblock schreiben die beiden 17-Jährigen täglich neue Namen. Ihr Fazit: In den Kader zu rutschen, ist "sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich". Sie sind überzeugt: Beide sind garantiert nicht dabei, vielleicht schafft es einer.

Der große Traum vom Leben als Fußballprofi: Schon früh stehen junge Talente unter enormem Druck, müssen Bestleistungen zeigen, mental stark bleiben, funktionieren. Wer will, dass der Traum wahr wird, muss viel geben, viel opfern, und hat doch keine Garantie. Die Wahrheit ist: Auch der begabteste Jugendliche kann scheitern, denn oft entscheiden nur Kleinigkeiten, ob der Fußball als Beruf Realität wird. Oder ein Traum bleibt.

Einer der beiden A-Jugendlichen aus dem Hotelzimmer in Belek hat es geschafft. Er heißt Julian Draxler, 21 Jahre alt, bis Montag noch Profi beim FC Schalke, dann für 35 Millionen Euro nach Wolfsburg verkauft, Fußballweltmeister 2014. Aber was wurde aus seinem Zimmerkollegen?

Fußballer Zander (2014, im Trikot der SSVg Velbert): Besessen vom Traum Zur Großansicht
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Fußballer Zander (2014, im Trikot der SSVg Velbert): Besessen vom Traum

Nils Zander sitzt an einem Sommertag 2015 in einem Essener Lokal. Er ist athletisch, hat eine Glatze und einen Fünftagebart. Vor ihm steht ein Stauder, ein Essener Bier. Als er noch Fußballprofi werden wollte, wäre das kaum vorstellbar gewesen. "Ich war besessen von diesem Traum. Ich habe nur dafür gelebt", sagt Zander heute. Seine Stimme überschlägt sich, Zander ist aufgekratzt, enthusiastisch, als würde er die Zeit ein zweites Mal durchleben.

Auch Zander könnte heute Bundesligaprofi sein, Nationalspieler vielleicht. Doch statt in die Champions League oder ins WM-Finale führte ihn seine Karriere bis in die fünfte Liga. Zanders Geschichte ist ein Lehrstück, was schiefgehen kann auf dem Weg zum Profi. Und dass die Tür zur Bundesliga auch dann noch zufallen kann, wenn man den Fuß schon drin hat.

Zander stammt aus einer fußballverrückten Familie. Er begann seine Laufbahn beim ESC Rellinghausen, einst Essener Sportverein. 2006 wechselte der 13-jährige Defensivspieler mit einem damals schon sehr guten Spielverständnis in die U14 des FC Schalke. Dort traf er erstmals auf Draxler. Zander wurde im ersten Jahr Kapitän, im zweiten U15-Nationalspieler und auch dort Spielführer. Dafür verzichtete er auf viel. Als seine Freunde das erste Mal in die Disco gingen, blieb er zu Hause. Gesunde Ernährung, kein Alkohol, viel Training.

Manchester City lockt den 16-Jährigen

Zanders Talent und Disziplin machten ihn zu einem besonderen Spieler seines Jahrgangs und zum Kapitän der Schalker U17 und der U16 des DFB-Teams. Er war flexibel einsetzbar, spielte als Links- oder Innenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld. Zander hatte schon damals einen starken linken Fuß, ein sehr gutes Passspiel und hohe Spielintelligenz. Aber vom S04 kam trotzdem kein Angebot für einen Profivertrag. "Ich habe mich nicht wertgeschätzt gefühlt", sagt Zander heute.

Manchester City wollte ihn verpflichten, flog seine gesamte Familie ein. Erst dann kam ein Angebot von Schalke: Zwei weitere Jahre in der Jugend, anschließend zwei Jahre als Lizenzspieler. Aber da hatte Manchester Zander schon beeindruckt. Er unterschrieb im Sommer 2009 einen Jugend-Vertrag bei den "Citizens". An seinem 17. Geburtstag im Februar sollte ein Profivertrag folgen. Den gab es aber nie.

Manchester City ist ein reicher Klub, auf Jugendspieler ist man dort nicht angewiesen. "Die Durchlässigkeit zu den Profis ist gleich Null", weiß Zander heute. Nur ein einziges Mal nahm er am Profitraining teil. Aus der vermeintlichen Chance Premier League wurde Ernüchterung, auch weil es nicht nur sportlich Probleme gab: Zander fehlten die Familie und seine Freunde. Dazu ein neues Land, eine neue Sprache und der Druck, es unbedingt schaffen zu müssen. Mit 16 Jahren. Heute sagt Zander: "In dem Jahr bin ich erwachsen geworden."

Diese ehemaligen U19-Spieler des FC Schalke haben es geschafft
Kaan Ayhan, 20

Der Defensivspieler hat alle Schalker Jugendmannschaften durchlaufen, 2013 schaffte er den Sprung zu den Profis. Seitdem machte er 29 Bundesliga- und fünf Champions-League-Spiele für "Königsblau".

Alexander Baumjohann, 28

2006 gab Alexander Baumjohann sein Bundesligadebüt für Schalke. Seitdem lief er für Gladbach, Bayern und Hertha in der höchsten Spielklasse auf. Mittlerweile kommt Baumjohann auf 75 Bundesligaeinsätze.

Sebastian Boenisch, 28

Der ehemalige polnische Nationalspieler war ab der U17 für den FC Schalke aktiv und wurde auch dort zum Profi. Seit seinem Debüt 2006 machte er 116 Bundesligaspiele für Schalke (9 Einsätze), Bremen (55) und Leverkusen (53).

Niko Bungert, 28

Aus der Jugend der SG Wattenscheid kam Niko Bungert 2004 in die A-Jugend des FC Schalke. Sein Bundesligadebüt gab er allerdings beim FSV Mainz. Seit dem Jahr 2008 spielte er für den Klub 131-mal in der Bundesliga.

Julian Draxler, 21

Zusammen mit Nils Zander spielte Julian Draxler bereits in der U14 des FC Schalke. Bei den Profis wurde er in 119 Bundesligaspielen zur Vereinsikone. Seinen Vertrag bis 2018 erfüllte Draxler aber nicht. Gerade ist er für 35 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg gewechselt.

Ralf Fährmann, 26

Der Torwart kam 2003 aus der Chemnitzer Jugend nach Schalke und startete dort in der U17. Fährmann machte sein erstes Bundesligaspiel für Schalke im Revierderby gegen den BVB im Jahr 2008 (3:3). Zwischenzeitlich spielte er zwei Jahre für Frankfurt (18 Bundesligaspiele), jetzt steht er wieder bei Schalke im Tor (insgesamt 61 Bundesligapartien).

Benedikt Höwedes, 27

Seit 14 Jahren ist Schalkes Abwehrchef mittlerweile im Verein. Als Linksverteidiger lief er erstmals 2007 in der höchsten Spielklasse auf, nach 194 Bundesligapartien ist er ein elementarer Bestandteil der Schalker Innenverteidigung. Im Moment fehlt Höwedes verletzungsbedingt.

Sead Kolasinac, 22

Nur ein Jahr nach seinem Wechsel in die U19 des FC Schalke machte Sead Kolasinac sein erstes Bundesligaspiel für die Gelsenkirchener. Der Linksverteidiger lief seitdem 46-mal im Oberhaus auf.

Joel Matip, 24

Der Defensivspieler ist ein weiteres Schalker Eigengewächs, das der Klub in seinen eigenen Reihen gehalten hat. Schon 2000 wechselte Matip von Bochum nach Gelsenkirchen und lief neun Jahre später erstmals in der Bundesliga auf. Dort machte er bisher insgesamt 163 Partien.

Max Meyer, 19

Bereits als 17-Jähriger stand Meyer das erste Mal in einem Bundesligaspiel für den S04 auf dem Rasen – dreieinhalb Jahre nachdem er aus Duisburg in die Schalker Jugend gewechselt war. Bis heute kommt er auf 65 Bundesligapartien für Königsblau.

Manuel Neuer, 29

In der Schalker Jugend wurde er von Anfang an ausgebildet, heute ist Manuel Neuer Weltmeister und wurde 2013 sowie 2014 zum besten Torühter der Welt gewählt. 2011 wechselte er für 30 Millionen Euro zum FC Bayern und ist damit der teuerste Keeper der Bundesligageschichte. In Deutschlands Liga eins kam er bisher auf insgesamt 285 Einsätze - 157 für Bayern und 129 für Schalke.

Mesut Özil, 26

Über Gelsenkirchen und Bremen fand der Offensivspieler den Weg zu Real Madrid und zum FC Arsenal. 2005 spielte er noch in der Schalker Jugend. Danach machte er 30 Bundesligaspiele für Schalke und 71 für Werder. Mittlerweile kommen 105 Primera-División- und 51 Premier-League-Spiele sowie 53 Champions-League-Partien hinzu.

Leroy Sané, 19

Er ist aktuell das Top-Talent beim FC Schalke. In seinen bisher 17 Bundesligaspielen traf Leroy Sané dreimal und bereitete zwei Tore vor. Dazu traf er auch in seiner bisher einzigen Champions-League-Partie. Sein Profidebüt in der Liga gab der Offensivspieler vor gut einem Jahr als 18-Jähriger für den S04.

Lars Unnerstall, 25

Der Torwart spielte bis 2008 in der Jugend von Preußen Münster, bevor er in die U19 des FC Schalke wechselte. In der Bundesliga machte er bisher 34 Spiele. Seit 2014 steht er bei Fortuna Düsseldorf in der zweiten Liga unter Vertrag.

Carlos Zambrano, 26

Der Innenverteidiger ist vor allem durch seine 80 Bundesligaauftritte für Eintracht Frankfurt bekannt. Davor lief er jedoch schon für den FC St. Pauli (20 Spiele) und den FC Schalke im Oberhaus auf (16). Beim S04 war Zambrano ab 2006 für die A-Jugend aufgelaufen. 2009 gab er sein Debüt bei den Profis.

Während seiner Saison in England machte Zander auch sein letztes Spiel für den DFB. Julian Draxler gab ein Jahr später sein Debüt als Jugendnationalspieler, in der U18.

Beide trafen sich in der U19 des FC Schalke wieder. Zander war nach Deutschland zurückgekehrt, nervös, dass sein Bundesligatraum platzen könnte. Was sich für Zander zunächst wie ein Rückschritt anfühlte, tat der Karriere gut. Nach einer starken Hinrunde in der U19 fuhren Draxler und Zander 2011 mit nach Belek, wo sie sich die Sitzreihe im Bus sowie ihr Zimmer teilten - und dabei immer wieder die Notizblöcke des Hotels mit möglichen Kadern füllten. Ihre Vermutung, nicht dabei zu sein, war falsch. Felix Magath teilte den beiden am Gepäckband des Düsseldorfer Flughafens mit, dass sie gegen den HSV im Kader seien. Mit Tränen in den Augen schrieb Zander eine SMS: "Papa, ich bin im Kader. Bundesliga."

Magath schätzte Zander für dessen extremen Einsatz. Nach einem Tag mit sechs Stunden Training und anschließenden Kräftigungsübungen hatte Zander mit Krämpfen am ganzen Körper weggetragen werden müssen. Am nächsten Tag sei er im Aufzug auf Magath getroffen: "Das zeigt mir nur, dass du am Limit arbeitest, und das ist genau das, was ich sehen will", sagte der Trainer. Zander, damals 17, bekam einen Profivertrag über dreieinhalb Jahre.

In der 83. Minute des Spiels gegen Hamburg wurde Julian Draxler eingewechselt. Nils Zander blieb auf der Bank. Ab hier verliefen die Karrieren in verschiedene Richtungen. Beide blieben zunächst im Training der Profis, aber während Draxler zum Star wurde, musste Zander im Sommer 2011 zurück zur U23. Magath war im März entlassen worden, Ralf Rangnick wollte den riesigen Kader verkleinern. Im Sommer kam mit Horst Heldt ein neuer Manager, der Zander nicht persönlich kannte. "Und von jetzt auf gleich hatte ich keinen Fürsprecher mehr im Verein", sagt Zander.

Nur ein Bruchteil schafft den letzten Schritt

In der U23 fiel er zunächst durch eine Verletzung aus, dann verschlechterte sich das Verhältnis zum Trainer. Weil Zander nur einmal in der Startelf stand, ging er zum Winter zurück zur A-Jugend. Zander spezialisierte sich unter Trainer Norbert Elgert aufs defensive Mittelfeld und wurde zum Leistungsträger. Als Linksverteidiger fehlte ihm die Schnelligkeit für die Spitze, als Innenverteidiger war er mit 1,83 Metern etwas zu klein. Elgert schätzte Zander als "charakterstarken Spieler" mit einer hervorragenden Einstellung. Er habe immer sehr viel Verantwortung übernommen und seine Mannschaft oft mitgerissen. "Er ist ein Spieler, der eine gute Übersicht und seine Stärken vor allem im Lesen des Spiels hat, im Antizipieren", sagt sein ehemaliger Trainer heute. Zander und Elgert wurden am Ende der Saison 2012 Deutscher A-Jugend-Meister.

Die Perspektive für Zander war danach sehr gut. Eigentlich. "Wenn man es schafft, in die U19 vom FC Schalke 04 zu kommen und dort regelmäßig zu spielen, dann hat man eine deutlich erhöhte Chance, in eine Profiliga zu kommen", sagt Oliver Ruhnert, Jugendleiter bei Schalke. Um sich langfristig bei den Profis durchzusetzen, müsse ein Spieler "charakterlich sehr gefestigt sein". Norbert Elgert sieht dabei vor allem eine Gefahr durch äußere Einflüsse: "Der Hype um die Jungs ist heute viel zu groß. Du wirst unglaublich schnell in die Umlaufbahn geschossen. Du bist aber auch doppelt so schnell wieder raus."

Nach Angaben von transfermarkt.de gab es in den vergangenen zehn Jahren 179 Spieler, die für Schalkes A-Jugend aufgelaufen sind. Nur 31 davon haben jemals ein Bundesligaspiel gemacht. Mehr als 80 Prozent haben den letzten Schritt bis heute nicht geschafft (Grafik). Talent allein genügt nicht, wie auch Oliver Ruhnert sagt: "Verletzungsfreiheit gehört dazu, genauso wie man manchmal eine Situation braucht, dass ein Trainer auf einen setzt und dass auf der eigenen Position gerade eine Stelle frei ist."

Zander hatte kein Glück. Seine Positionen waren durch gestandene Spieler wie Papadopoulus, Höwedes, Fuchs, Metzelder, Jones, Kluge oder Holtby abgedeckt. Ohne Magath fehlte der Rückhalt vom Trainer. Außerdem ist es ein größeres Risiko, einen jungen Defensivspieler einzusetzen als einen Offensiven - ein weiterer Nachteil Zanders gegenüber Draxler.

Nach der A-Jugend-Meisterschafft versuchte Zander es erneut bei der U23, stand aber kein einziges Mal in der Startelf. Im Winter ging er zu Alemannia Aachen. Weil der Verein insolvent war, verhängte der DFB kurzfristig eine Transfersperre. Zander erfuhr vier Stunden vor der Schließung des Transferfensters, dass sein Wechsel irregulär war. Hektisch wechselte er zum FSV Frankfurt und spielte 2013 mit der U23 in der Regionalliga. Für eine Spielberechtigung in der zweiten Liga war der Wechsel zu spät abgeschlossen. Nach dem Leihgeschäft hätte er in Frankfurt bleiben können, allerdings ohne Garantie für die erste Mannschaft. Zander lehnte ab. Er war an einem Punkt, an dem er vom Fußball leben musste.

Die Karriere von Nils Zander im Überblick
Für weitere Infos klicken Sie bitte auf die Bilder
2006/2007
Jugend
REUTERS 
Als 13-Jähriger wechselte Nils Zander vom Essener Sportverein zum FC Schalke. Dort spielte er von der U14 bis zur U16.
2007/2008
U15
dpa 
In der U15 spielte er zum ersten Mal für die deutsche Nationalmannschaft und wurde direkt zum Kapitän. Bis zur U17 war er Teil des DFB-Teams.
2009/2010
U18
REUTERS 
Im Sommer 2009 wechselte Zander, damals 16 Jahre alt, zu Manchester City und spielte dort ein Jahr in der U18.
2010/2011
U19+Profis
REUTERS 
Nach einer Saison in England ging er zurück nach Schalke und lief ein halbes Jahr für die U19 auf. Dann berief ihn Felix Magath zusammen mit Julian Draxler zu den Profis. Gegen den HSV war Zander einmalig Teil des 18er-Bundesligakaders.
2011/2012
U23+U19
REUTERS 
Nach Magaths Entlassung folgte Ralf Rangnick. Zander musste zurück zur U23, kam dort aber nicht zum Zug. Also ging er wieder zur U19 und wurde dort A-Jugend-Meister.
2012/2013
U23
REUTERS 
Nach einem weiteren halben Jahr mit nur wenigen Einsätzen für Schalkes U23 ging Zander auf Leihbasis zum FSV Frankfurt. Weil der Wechsel aber zu spät abgeschlossen war, musste der Defensivspieler durch die Statuten des DFB auch dort in der Regionalliga spielen.
2013/2014
U23
REUTERS 
In seinem dritten Anlauf in der U23 des FC Schalke machte Zander kein einziges Spiel. Im Anschluss an die Saison war sein Profivertrag abgelaufen.
2014/2015
 
Zander wechselte in die Oberliga zur SSVg Velbert und stieg im ersten Jahr in die Regionalliga auf. Gleichzeitig macht er eine Ausbildung bei einem Sponsor des Vereins.
Fotos: Getty Images, imago, www.mcfc.co.uk, SPIEGEL ONLINE

Zweiter Bildungsweg über den SSVg Velbert

Zander wagte einen dritten Versuch in Schalkes U23, stand aber nie im Kader. Das Verhältnis zum Trainer entspannte sich nicht, gute Angebote anderer Vereine gab es nicht. "Das war die schwerste Zeit in meinem Leben. Es war der Punkt, an dem ich gemerkt habe, jetzt musst du irgendwas anderes machen", erinnert sich Zander. Er wechselte im Sommer 2014 in die Oberliga zur SSVg Velbert und stieg in diesem Jahr in die Regionalliga auf. Bei einem Vereinssponsor macht er seit einem Jahr eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. "Ich bin wieder im Leben angekommen", sagt Zander. Er ist 22 Jahre alt.

Ganz abgehakt hat er seinen Traum noch nicht. Auch Norbert Elgert kann sich Zander jetzt noch als Profi vorstellen: "Das ist noch längst nicht gelaufen. Wenn er in diesem Jahr in der vierten Liga eine herausragende Rolle spielt, kann er sich durchaus nochmal zunächst für die dritte oder zweite Liga interessant machen."

Der Plan B durch seine Ausbildung sei aber genauso wichtig. Und das ist auch für Zander selbst der große Unterschied zu seiner Jugendzeit: Er hat seine Besessenheit abgelegt und ist auch ohne Profikarriere glücklich. Der Traum lebt noch, hat aber nicht mehr oberste Priorität.

Auch wenn er zeitweise nur mit schlechtem Beigeschmack Bundesliga schauen konnte, bleibt heute keine Bitterkeit zurück: "Wenn Jule ein Tor schießt, dann freue ich mich", sagt Zander über seinen ehemaligen Zimmerkollegen Draxler. In Belek hatten sie Unrecht, sie waren beide dabei - aber eben nur kurz. Kleinigkeiten haben entschieden, dass Draxler heute Welt- und Zander Oberligameister ist.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Das werden nur die lesen, die es nichts angeht.
LapOfGods 02.09.2015
Der Rest liest lieber Heldensagen von Real. Der Artikel wäre mal Pflichtlektüre für die, die all die schlauen "kann nix" und "raus" Kommentare hier täglich abgeben. Das hier ist Fußball und weit realistischer als Euer Stammtisch- & Boulevard-Blahblah.
2. Pofi zu werden ist
tegele 02.09.2015
wie ein sechser im lotto plus zusatzzahl , Bundesliga zu spielen braucht sich niemand was drauf einbilden gibt nur eine handvoll die ewig im Gedächtnis bleiben ,alle anderen sind Mitläufer die selbst in der Regionaliga keine stammplatzgarantie hätten . Andersrum gesagt , in der deutschen Regionaliga spielen Nationalspieler aus anderen Nationen die auf ein sprung in die Bundesliga hoffen
3. 3. Liga?
tomkey 02.09.2015
Das ist wohl der normale Weg, den ein Nachwuchstalent eines Profivereins der 1. Liga geht. Selten kommt einer durch. Aber viellecht wird ja jetzt ein Verein der 3. oder 2. Liga auf ihn aufmerksam und schaut ihn sich bei Speilen seines Vereins an. Kann sein, dass man den Namen Zander dann in einem solchen Verein in den Aufstellungen findet. Übrigens wer in de Regionalliga oben mitspielen will, der braucht Vollprofis!
4.
kastenmeier 02.09.2015
Zitat von tegelewie ein sechser im lotto plus zusatzzahl , Bundesliga zu spielen braucht sich niemand was drauf einbilden gibt nur eine handvoll die ewig im Gedächtnis bleiben ,alle anderen sind Mitläufer die selbst in der Regionaliga keine stammplatzgarantie hätten . Andersrum gesagt , in der deutschen Regionaliga spielen Nationalspieler aus anderen Nationen die auf ein sprung in die Bundesliga hoffen
Nicht "anderherum gesagt" wäre spannend - sondern was Sie überhaupt sagen wollen.
5.
grätscher 02.09.2015
Talent ist halt leider nicht alles, ich denke es kommt auch zu 50% auf die Begleitumstände an. Verletzungsfrei zu bleiben ist auch sehr wichtig, die Wahl des richtigen Vereins mit seinen U-23, U-21 oder anderen Jugendmannschaften ebenso. Der möchtegern weltgrößte Verein aus Bayern macht es ja vor, da kam seit Jahren nix mehr aus der eigenen Jugend, da wird halt lieber in fertig ausgebildete Spanier und Brasilianer investiert anstatt in die Jugend- oder Regionalliga, für die 3. Liga schafft man da ja nicht mal die Qualifikation...Wenigstens hat der Junge aus dem Artikel einen Verein gefunden, der ihm auch eine berufliche Ausbildung ermöglicht, in den unteren Ligen kicken genug Ex-Talente rum, die sich außer dem Fußball kein zweites Standbein aufgebaut haben
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