Punktabzug für TuS Koblenz "Die Jugos haben mich beschissen"

Verwirrspiel um den Punktabzug gegen die TuS Koblenz: Ist der ehemalige Geschäftsführer wirklich allein dafür verantwortlich, dass dem Club acht Punkte abgezogen wurden? Er selbst will im Auftrag Uwe Rapolders gehandelt haben. Der Trainer dementiert das.

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In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Sache klar: Ein bedauernswerter Zweitligist wird dafür bestraft, dass ein inkompetenter Funktionär ein eher bedeutungsloses Versäumnis zu verantworten hat. Doch Zweifel sind erlaubt. Hat Hermann Gläsner, der geschasste Geschäftsführer der TuS Koblenz, es tatsächlich unterlassen, der Deutschen Fußball Liga (DFL) die Verträge der beiden Spieler Marko Lomic und Branimir Bajic zu schicken? Was hat es mit der Zahlung der Ablösesumme von über zwei Millionen Euro für die Spieler auf sich, die nach Ansicht der DFL nicht korrekt erfolgt ist? Eines scheint in diesem unübersichtlichen Fall jedoch klar zu sein: Gläsner hat keinesfalls eigenmächtig gehandelt, wie behauptet wird.

TuS-Trainer Rapolder (l.), Ex-Geschäftsführer Gläsner: "Keine Alleingänge"
DPA

TuS-Trainer Rapolder (l.), Ex-Geschäftsführer Gläsner: "Keine Alleingänge"

Die TuS Koblenz ist ein in vielerlei Hinsicht besonderer Verein. Sie lebt zu einem beträchtlichen Teil von den Millionen ihres Förderers Walterpeter Twer, dem Verleger des örtlichen Monopolisten "Rhein Zeitung". Twer ist gleichzeitig Vorsitzender des Aufsichtsrates und dementsprechend sauer, dass er im Winter – als Gönner - für eine Deckungslücke von drei Millionen gerade stehen musste, von der er – als Aufsichtsratsvorsitzender – nichts gewusst haben will.

Die Schuldfrage ist für Twer klar beantwortet. Gläsner, den er im Nachhinein für schlichtweg überfordert hält, sei eines Tages kleinlaut zu ihm gekommen und habe ihm "unter Tränen" von dem Fehlbetrag berichtet, der unter anderem durch die beiden von der DFL beanstandeten Transfers zustande gekommen sei. Wie Gläsner den denn wieder hereinholen wolle, habe er ihn daraufhin gefragt, erinnert sich Twer. Die Antwort kann nicht besonders befriedigend ausgefallen sein. Die Frage, ob der Aufsichtsrat, also er selbst, die Geldströme nicht hätte kontrollieren können, sei legitim, so Twer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Aber wenn Sie Ihrer Frau die Kreditkarte geben, merken Sie auch erst, was sie ausgegeben hat, wenn Sie den Kontoauszug in der Hand haben." Es verstehe sich abgesehen davon von selbst, dass er den Transfers nicht zugestimmt hätte: "Ich hätte so einen teuren Transfer doch nie genehmigt, das ist ja schließlich mein Geld."

"Der Aufsichtsratsvorsitzende war informiert"

Dieser Darstellung widerspricht Margit Bastgen, die Rechtsanwältin des am 21. Dezember erstmals fristlos gekündigten Gläsner (am 23. April nach dem Punktabzug erhielt er vom Verein die zweite fristlose Kündigung). "Der Aufsichtsratsvorsitzende, Herr Twer, war jederzeit vollinhaltlich informiert, auch über die Höhe der Ablösesummen." Ihr Mandant, so Bastgen zu SPIEGEL ONLINE, habe sich hingegen gegen die Transfers ausgesprochen, sei jedoch angewiesen worden, diese umzusetzen.

Twer war jedenfalls reichlich sauer auf seinen Geschäftsführer. Erst recht, als Gläsner mit zwei Beratern – Volker Graul und Abdilgafar Ramadani - auf der Matte stand, die für den Transfer der beiden Kroaten nicht weniger als 345.000 Euro Provision forderten: "Absprache ist Absprache, auch wenn sie mündlich getätigt wurde", sagte Twer, "ich habe also dafür gesorgt, dass sie das Geld bekommen." Gläsner hingegen bekam ab diesem Tag weniger Geld: "Der Herr Gläsner musste sich daraufhin das Gehalt kürzen, das hat er auch gemacht."

Gläsner widerspricht hingegen dem Eindruck, er habe eigenmächtig gehandelt. Im DSF kündigte er an, er werde Papiere vorlegen, die beweisen, dass er die Transfers im Auftrag von Rapolder abgewickelt habe. "Der Aufsichtsrat und auch Trainer Uwe Rapolder waren stets involviert, es gab keine Alleingänge von mir." Der Trainer habe die Konditionen mit den Beratern ausgehandelt, er selbst sei nur für die formale Abwicklung zuständig gewesen.

Provisionszahlungen auf Liechtensteiner Konto

Rapolder hingegen dementiert, dass Gläsner auf Anweisung von ihm gehandelt habe. "Wenn ich involviert gewesen wäre, wäre das alles nicht so gekommen", sagte Rapolder. Er könne ja auch Messi oder Ronaldinho als Neuverpflichtung ins Spiel bringen, es sei jedoch der Job des Geschäftsführers zu sagen, welcher Transfer finanziell zu realisieren sei. Zudem ist ein Trainer dem Geschäftsführer gegenüber nicht weisungsbefugt.

Doch es stellt sich in der Tat die Frage, warum ein Geschäftsführer, der sich offenbar in vielerlei Hinsicht wie ein Fan gerierte, eigenmächtig millionenschwere Transfers über die Bühne bringen sollte? Zumal auffällt, dass Rapolder oft Spieler von Ramadani holte, der bei anderen Vereinen als persona non grata gilt und laut "Tagesspiegel" im vergangenen Jahr von der Hamburger Staatsanwaltschaft als Strohmann bei einem Kreditbetrug eingestuft worden sein soll.

Nur sechs Spieler, die Ramadani berät, spielen derzeit bei deutschen Clubs, vier davon allein bei der TuS, die im Winter einen weiteren Ramadani-Spieler nach Tirana auslieh. Alle fünf hat Rapolder zur TuS geholt. Darunter auch die beiden Spieler Branimir Bajic und Marko Lomic, die plötzlich statt weniger als eine Million (wie bei der DFL angegeben) 2,3 Millionen kosteten. Die Beraterprovision von insgesamt 404.000 Euro – das ergaben interne Nachforschungen bei der TuS – soll nach Liechtenstein überwiesen worden sein.

Dass Gläsner selbst finanzieller Nutznießer des Transfers ist, hält selbst Twer nicht für wahrscheinlich. Der habe schließlich kleinlaut vor ihm gestanden und habe zugegeben, dass der Deal mit den Bajic-Lomic-Beratern außer Kontrolle geraten sei: "Die Jugos haben mich beschissen."

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