Doping im Radsport Armstrong wirft Verbruggen Hilfe bei Vertuschung vor

Schwere Vorwürfe von Lance Amstrong gegen Hein Verbruggen: Der geständige Dopingsünder beschuldigt den ehemaligen Präsidenten des Rad-Weltverbandes, ihm bei der Vertuschung positiver Dopingproben geholfen zu haben - und beschreibt einen konkreten Fall.

Funktionär Verbruggen (l.), Armstrong (Archivbild): "Das ist ein echtes Problem"
AFP

Funktionär Verbruggen (l.), Armstrong (Archivbild): "Das ist ein echtes Problem"


Hamburg - Die gefallene Radsport-Ikone Lance Armstrong hat den früheren UCI-Präsidenten Hein Verbruggen öffentlich beschuldigt, ihm bei der Vertuschung einer positiven Dopingprobe behilflich gewesen zu sein. Armstrong hatte, wie er der englischen Tageszeitung "Daily Mail" sagte, auf Anraten des einstigen Bosses des Rad-Weltverbandes bei der Tour de France 1999 ein Rezept rückdatieren lassen, um einen zu hohen Kortisonwert zu begründen: "Hein sagte, 'das ist ein echtes Problem für mich, das ist der K.-o.-Schlag für unseren Sport ein Jahr nach Festina, also müssen wir uns etwas einfallen lassen.'"

Armstrong hatte 1999 den ersten seiner sieben Tour-Siege errungen, die ihm allesamt nach seiner Überführung als Doper aberkannt worden waren. Der Radprofi hatte im Januar in einem Interview mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey die Einnahme von Dopingmitteln während seiner aktiven Karriere eingeräumt. Die Dopingaffäre um das Festina-Team hatte den Radsport bei der Tour 1998 in seinen Grundfesten erschüttert.

Der Niederländer Verbruggen betont seit Jahren beharrlich, dass er Armstrong nie unterstützt habe. Für eine Stellungnahme war der ehemalige Präsident des Rad-Weltverbandes nicht zu erreichen.

Armstrong hatte zuletzt bekräftigt, sich an der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit im Radsport zu beteiligen. Mit seiner Kooperation strebt der 42-Jährige auch eine Reduzierung seiner lebenslangen Sperre an.

buc/sid



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vhn 18.11.2013
1. Einfach unter der Gürtellinie...
... und peinlich, wie Armstrong jetzt nachtritt.
sobejufe 18.11.2013
2.
Mit der Kooperation strebt Armstrong nicht _auch_ eine Reduzierung seiner Sperre an, sondern ausschließlich. Den reuigen Sünder nimmt diesem Egomanen, der in seiner aktiven Zeit jeden restlos fertigzumachen versuchte, der ihn öffentlich mit Doping in Verbindung zu bringen wagte, ohnehin keiner ab. Armstrong ging es immer schon ausschließlich um Armstrong. Gerne kann er jedem Beteiligten an diesem schmutzigen Spiel ausgiebig ans Bein pinkeln - aber er sollte mal nicht so tun, als wolle er dem Radsport was Gutes tun.
zoon.politicon 18.11.2013
3. Herr Armstrong sollte alle nennen oder aufhören, im Radsport Schaden anzurichten
Zitat von sysopAFPSchwere Vorwürfe von Lance Amstrong gegen Hein Verbruggen: Der geständige Dopingsünder beschuldigt den ehemaligen Präsidenten des Rad-Weltverbandes, ihm bei der Vertuschung positiver Dopingproben geholfen zu haben - und beschreibt einen konkreten Fall. http://www.spiegel.de/sport/fussball/radsport-armstrong-wirft-verbruggen-hilfe-bei-doping-vertuschung-vor-a-934203.html
Herr Armstrong hat bereits im Radsport eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Leute, die mit ihm in Berührung gekommen sind, wie Herr Verbrüggen -und sicher auch viele andere - hat er im Vorbeigehen geschädigt, indem er sie in seine Vertuschungen hineingezogen hat. Wenn schon, sollte er alle, die er kompromittiert hat, öffentlich nennen - das würde eine lange Liste - oder es doch besser ganz lassen. Er hat ja schon genug Schaden angerichtet.
lessisanoption 18.11.2013
4.
Es liegt mir fern Armstrong zu verteidigen... Aber Verbruggen ist mit Sicherheit nicht mit "hineingezogen" worden. Ihm und seinem Nachfolger muss hier durchaus eine aktive Rolle, die kein bisschen besser als die von Armstrong ist, zugetraut werden.
l.augenstein 18.11.2013
5.
Zitat von zoon.politiconHerr Armstrong hat bereits im Radsport eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Leute, die mit ihm in Berührung gekommen sind, wie Herr Verbrüggen -und sicher auch viele andere - hat er im Vorbeigehen geschädigt, indem er sie in seine Vertuschungen hineingezogen hat. Wenn schon, sollte er alle, die er kompromittiert hat, öffentlich nennen - das würde eine lange Liste - oder es doch besser ganz lassen. Er hat ja schon genug Schaden angerichtet.
Und die hunderte anderen gedopten Radprofis von Eddy Merckx bis zuletzt Contador? Was haben die hinterlassen? Armstrong mag ja der Rücksichtsloseste und Konsequenteste von allen gewesen sein, aber an der Demontage des Radsports sind schon die anderen genauso mit schuld. Und natürlich auch die Funktionäre des Verbands.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.