Wirbel um Tattoo von Fußballstar Sterling Gewehr bei Fuß

Eine Tätowierung beherrscht die englischen Boulevardmedien: Weil ein Gewehr den Unterschenkel von Nationalspieler Raheem Sterling ziert, gerät die "Sun" in Wallung, und nicht nur die. Was steckt dahinter?

Raheem Sterling
AFP

Raheem Sterling


Die Wade von Raheem Sterling bewegt England. Nicht, weil sich die Nation um die Gesundheit ihres Fußballstars sorgte. Es geht um ein Tattoo, das ein Sturmgewehr zeigt. Und um fragwürdige Berichterstattung des englischen Boulevards. Aber der Reihe nach.

Sterling, Angreifer von Meister Manchester City, postete am Montag auf Instagram ein Foto von sich während des Trainings der englischen Nationalmannschaft. Groß zu sehen: Ein Tattoo auf dem rechten Unterschenkel, das ein Sturmgewehr zeigt.

Für diese Tätowierung erntete Sterling anschließend scharfe Kritik. "Das Tattoo ist ekelhaft. Raheem sollte sich schämen. Völlig inakzeptabel", sagte Lucy Cope der Zeitung "The Sun". Cope ist Gründerin der Gruppe "Mothers Against Guns" (Mütter gegen Waffen), ihr Sohn starb 2002 durch den Gebrauch einer Schusswaffe.

Sterling solle sich sein Tattoo "weglasern lassen oder es mit einem anderen Tattoo überdecken", forderte Cope in der "Sun", andernfalls müsse er aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen werden. "Raheem schießt sich selbst in den Fuß", titelte das Blatt am Dienstag.

Was man wissen muss: Englische Boulevardmedien sind bekannt für ihre besonders kritische Berichterstattung über Raheem Sterling. Ganz vorne mit dabei ist die "Sun", in der nun Lucy Cope zu Wort kam. Auch am Mittwoch beherrschte das Thema die Titelseite. Mal ließ sich die "Sun" darüber aus, dass der Stürmer in Billigmodeketten einkauft, mal darüber, dass er einen Privatjet mietet. Wie man's macht, man macht es falsch.

"Das Tattoo hat einen tieferen Sinn für mich"

Was in dieser Art der Berichterstattung keine Rolle spielt, ist der Fußballer Sterling. Der 23-Jährige gilt als einer der talentiertesten Offensivspieler Englands. 2015 wechselte er für rund 64 Millionen Euro von Liverpool nach Manchester, wo er seither Meister und zweimal Ligapokalsieger wurde. In der abgelaufenen Saison gelangen ihm 40 Torbeteiligungen in 46 Pflichtspielen, ein überragender Wert. Für die "Three Lions" dürfte er bei der am 14. Juni beginnenden WM zu den Schlüsselspielern im Angriff gehören.

Ebenfalls bei Instagram bezog Sterling Stellung zur Kritik. In einem mittlerweile gelöschten Posting schrieb er: "Als ich zwei Jahre alt war, wurde mein Vater erschossen. Ich versprach mir selbst, dass ich in meinem Leben nie eine Waffe anfassen würde", so Sterling: "Ich schieße mit meinem rechten Fuß, das Tattoo hat einen tieferen Sinn für mich", heißt es weiter. Es sei zudem noch nicht fertig.

Rückendeckung erhielt er vom englischen Verband FA. "Wir alle unterstützen Raheem Sterling", sagte ein Sprecher. "Wir erkennen seine ehrliche und von Herzen kommende Darstellung an", teilte die FA weiter mit und stellte klar: "Er und der Rest des Teams konzentrieren sich nur auf die Vorbereitung für die kommende Weltmeisterschaft." Von einem Ausschluss war keine Rede.

mon/dpa/sid/AP/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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Navygo 30.05.2018
1. Typisch für die heutige Zeit
Eine einzelne Person regt sich über irgend etwas auf (man findet immer was, wenn man nur ein wenig im "Netz" sucht) und maßt sich an, Konsequenzen zu fordern und die Presse hat nichts besseres zu tun, als darauf anzuspringen. Keine Schlagzeile wert, aber es wird eine Menge Bohei drum gemacht. Das widerum ruft dann sogar die Presse anderer Länder auf den Plan, die ebenfalls (wie hier der SPIEGEL) darüber berichten (und sich somit mit dem Boulevard auf eine Stufe stellen). Schade.
macb 30.05.2018
2. Wer’s glaubt wird selig und wer nicht,
kommt auch in den Himmel-eine abenteuerliche Begründung allemal.....man sollte nicht vergessen, dass gerade Fußballer für junge Menschen als Vorbild gelten und da finde ich diese Tätowierung schon mehr als unpassend!
ambulans 30.05.2018
3. wenn
sich mrs cope auf das konzentrieren würde, was ihre sache ist (das angedenken an ihren leider zu tode gekommenen sohn) und mr sterling dann das tun ließe, was der (nachgewiesenermaßen) ziemlich gut kann - well, dann wäre doch diese welt insgesamt ein ganz ganz kleines stückchen weiter und auf einem guten weg ...
trucgassin 30.05.2018
4. Moralapostel
Der Junge kann sich soviele Tätowierungen stechen lassen, wie er mag. Auch die Motive sind -solange sie nicht gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen- seine Entscheidung. Toleranz ist was der Welt fehlt.
schwaebischehausfrau 30.05.2018
5. @macb: Jeder Jeck ist anders...
Zitat von macbkommt auch in den Himmel-eine abenteuerliche Begründung allemal.....man sollte nicht vergessen, dass gerade Fußballer für junge Menschen als Vorbild gelten und da finde ich diese Tätowierung schon mehr als unpassend!
Über Geschmack lässt sich streiten. Und man kann Fußballern mit ihren Hobbies und Tattoo-Motiven bestenfalls schlechten Geschmack vorwerfen - damit hat es sich dann aber auch schon. Fußballer fahren auch 200.000 Euro teure Sportwagen - ganz schlechtes Vorbild, schon der Umwelt wegen. Fußballer haben bevorzugt ultra-dünne Models als Freundinnen - ganz schlechtes Vorbild angesichts der ganzen Magersucht-Debatte. Fußballer rauchen (sogar der Bundestrainer - trotz immer wieder betonter Vorbildfunktion der Nationalmannschaft), Fußballer machen für Geld in Werbespots für total ungesunde Süßigkeiten und Hamburger und, und..und. Dazu kommt: Wasserpistolen und sogar Wasser-Maschinenpistolen werden an Kinder verkauft, unsere Polizei und Armee trägt Gewehre und selbst die Palastwache vor dem Buckinghame Palace trägt Gewehr statt einer Love & Peace-Fahne.
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