Hasenhüttl-Abschied in Leipzig Das Ende von Ralph & Ralf

Ralph Hasenhüttl hat RB Leipzig auch im zweiten Bundesligajahr in die internationalen Plätze geführt - dennoch hatte die Vereinsführung kein Grundvertrauen mehr in den Trainer. Der Abschied ist daher logisch.

Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl
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Ralf Rangnick und Ralph Hasenhüttl

Von Fabian Held, Leipzig


All die Liebe von den Fans half Ralph Hasenhüttl am Ende wenig. Sowohl beim letzten Saisonspiel in Berlin als auch beim Abschiedsspiel für den früheren Kapitän Dominik Kaiser hatten die Zuschauer den Trainer von RB Leipzig mit "Hasi"-Rufen gefeiert. "Wir sind mit Ralph und seiner Arbeit mehr als zufrieden", hatte der mächtige Sportdirektor Ralf Rangnick am Sonntag noch im MDR-Fernsehen gesagt.

Drei Tage später. Ein grauer, verregneter Mittwoch und in Leipzig ist die Welt plötzlich eine andere. Ralph Hasenhüttl hat den Vertrag mit RB Leipzig auf eigenen Wunsch hin aufgelöst, nachdem die Vereinsführung dem zugestimmt hat. So zumindest die offizielle Lesart des Clubs, hervorgegangen aus einer knappen Pressemitteilung. Eine Pressekonferenz mit Nachfragen wird es zunächst nicht geben.

Was verwundert, der österreichische Trainer hat schließlich Erfolge vorzuweisen. In der Premieren-Saison des ehrgeizigen Klubs in der Bundesliga wurde das Hasenhüttl-Team fulminanter Vizemeister. Die vergangene Spielzeit endete mit einem Viertelfinal-Einzug in der Europa League und Platz sechs in der Liga. Das alles mit einem zwar ambitionierten, aber eben auch jungen Kader. Wie konnte es also zu der Trennung kommen?

Vertragspoker zog sich über Monate

Knackpunkt scheint die Vertragssituation von Hasenhüttl gewesen zu sein. Der Vertrag mit dem Österreicher lief noch für ein weiteres Jahr. Im Winter hatten Hasenhüttl und Rangnick noch unisono betont, den Kontrakt möglichst bald auszuweiten, um langfristig Sicherheit zu haben. "Im Gegensatz zum Winter bin ich allerdings mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass ein weiteres gemeinsames Jahr zunächst einmal ausgereicht hätte", wird Rangnick nun in der Presse-Mitteilung zitiert.

In den Wintermonaten hatte zunächst Hasenhüttl den Vertrag nicht verlängern wollen. Er wollte zunächst abwarten, wie er und die Mannschaft die Belastung nach der ersten Champions League-Teilnahme meistern würde. Im Frühjahr dann, als Hasenhüttl zu Gesprächen bereit war, steckte RB sportlich in der Krise. Offenbar ist Rangnick seit dieser Zeit nicht mehr restlos von der sportlichen Entwicklung überzeugt.

Am Ende gab es vom Verein kein neues Angebot für den Trainer. Der musste das als Affront und Vertrauensentzug verstehen. Wie sollte er die junge Mannschaft entwickeln, wenn er nur einen Vertrag mit so kurzer Laufzeit bekommt? Wie sollten ihn die Spieler ernst nehmen, wenn klar ist, dass am Ende der Saison Schluss ist? Insofern handelte Hasenhüttl für sich konsequent.

Trainer experimentierte mit neuem Spielsystem

Dabei wurden während der Saison Fehler auf beiden Seiten gemacht. In der Winterpause schaffte es Rangnick nicht, die dringend notwendige Nachbesserung am Kader zu vollziehen - und baute daraufhin das komplette Scouting um. Hasenhüttl wiederum wollte der Mannschaft neben dem Pressing-Stil auch Ballbesitzfußball beibringen. Das klappte nur teilweise.

Ralph Hasenhüttl mit RB-Spielern
DPA

Ralph Hasenhüttl mit RB-Spielern

Bereits Vorgänger Alexander Zorniger hatte zu spüren bekommen, wie Rangnick den Verein als Unternehmen führt, das er auf maximalen Erfolg trimmt. Sowohl Hasenhüttl als auch Zorniger waren sehr schnell sehr erfolgreich und kämpften danach mit den gestiegenen Erwartungen. Beide waren bei den Fans äußerst beliebt. Doch das zählt offenbar im Kalkül der Leipziger Führung wenig.

Mögliche Nachfolger für Hasenhüttl finden sich in den eigenen Reihen. Zum einen fällt immer wieder der Name Marco Rose, der aktuell bei RB Salzburg unter Vertrag steht und in der Europa League auf sich aufmerksam gemacht hat. Auch der Name Robert Klauß ist immer wieder zu hören. Klauß ist RB-Eigengewächs, 33 Jahre, Jahrgangsbester des diesjährigen Fußball-Lehrer-Lehrgangs.

Hasenhüttl wird sich über eine Weiterbeschäftigung keine Sorgen machen müssen. Zumindest bei Borussia Dortmund ist aktuell ja noch ein Trainerjob zu vergeben.



insgesamt 21 Beiträge
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langenscheidt 16.05.2018
1. Hoffentlich geht das nicht...
...nach hinten los. Dass man nicht gleich wieder Vizemeister wird sollte auch vermeintlichen Experten des Vereins bekannt gewesen sein. Zudem ist die Euroleague als internationales Pflaster weitaus besser als gleich oder wieder die Champions League. Ein neuer Trainer kann viel kaputt machen.
janowitsch 16.05.2018
2. Entfremdung vom beliebten Trainer
In den letzten Wochen und Monaten deutete vieles auf eine Trennung zumindest als Möglichkeit hin. Die Einigkeit von Hasenhüttl und Rangnick war in der Außendarstellung nicht mehr gegeben. Das ist eine Parallele zur Vertragsauflösung von Zorniger vor zwei Jahren. Zudem äußerte sich plötzlich Vorstand Mintzlaff zu Belangen des sportlichen Bereiches öffentlich, die man nicht immer als konstruktiv empfinden konnte. Hasenhüttls Koketterie mit höheren Aufgaben z.B. bei Bayern wurde ihm übel genommen. Rein sportlich ist die Trennung von den Ergebnissen her nicht nachvollziehbar. Wenn RB im ersten Bundesligajahr Sechster geworden wäre und im zweiten Jahr Vizemeister, wäre der Jubel über Hasenhüttl groß gewesen. So kam der große Erfolg gleich im ersten Jahr, so dass Hasenhüttl Opfer der hohen Erwartungen im zweiten Jahr wurde. Am Ende war es wohl die persönliche Entfremdung zwischen den drei beteiligten Personen, wobei Mintzlaff wohl eine entscheidende Rolle gespielt haben mag. Um nicht als Verlierer dazustehen, muss Rangnick einen Trainer holen, der in der nächsten Saison besser ist als Hasenhüttl, der bei den Fans sehr beliebt war.
die Stechmücke 16.05.2018
3. Na ja
RH ist ein sehr kompetenter Trainer, das hat er bewiesen- RR ist mehr oder oder weniger ein Büttel des Geldsackes, der hinter dem Club steht. Wo sind denn die Nachweise der Kompetenz von RR.
braindead0815 16.05.2018
4. gehört zum geschäft
beide wissen was sie wollen - haben die situation während der saison unterschiedlich bewertet und sind zu unterschiedlichen ergebnissen gekommen. so geben sich beide seiten die ehrliche chance für die neue saison planen zu können und nicht während der vorrunde die reisleine ziehen zu müssen, wenn es im vorfeld spannungen gab, die bei einem schlechten start dann voll zum tragen gekommen wären.
joes.world 16.05.2018
5. Richtig von Red Bull
Als Trainer in der Bundesliga verdienst du gut. Bei Red Bull sogar sehr gut. Und großzügig bei Abgang sind die auch. Also muss man Hasenhüttl nicht bedauern. Fakt ist nun einmal, dass die Spieler, die letztes Jahr noch Vizemeister wurden, sich nicht weiter entwickeln konnten. Am Ende sogar weniger leisten zu stande waren, als noch vor einem Jahr. Und so ist es nur richtig und konsequent, einen neuen Ansatz zu suchen. Mit einem neuen Trainer, der den Spielern Neues bieten kann. Denn mit dem Spielermaterial ist ein 6. Platz einfach mau. Außerdem schafftes Haenhüttl einfach nicht, eine stabile Abwehr zu bilden. Dementsprechend mies die Tordifferenz, dementsprechend depremiert musste man sich als Stürmer bei RB fühlen. Man konnte vorne gar nicht so schnell die Tore schießen, wie sie hinten ermöglicht wurden. Hoffentlich werden in Zukunft nicht Fehjentscheidungen gemacht wie der viel zu teure Einkauf von Kevin Kampl. Keiner verstand wieso und das Ergebnis war erwartbar. So viele Millionen mehr hatte damals Neuer beim Transfer zu den Bayern auch nicht gekostet. Wieso sparen, wo es fehlt und allen anderen Sicherheit kostet? In jedem Fall hat Hasenhüttel in der vorletzten Saison viel geleistet, es diese aber nicht mehr gebracht. Es zeigt von gutem Management, nun gleich mit einem neuen Trainer weiter zu gehen, als erst die nächsten Niederlagen im Herbst abzuwarten. Und dann der eue Trainer keine Vorbereitung bei der Übernahme der Mannschaft hat. Alles richtig gemacht, Red Bull. Und nun lehrt die Talente, findet den, der die Talente weiter entwickeln kann und das in Erfolge ummünzt.
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