Randale im DFB-Pokal Fußball-Bosse suchen Prügelknaben

Böller krachen, Steine fliegen: Erst randalierten Fans beim Pokalspiel in Dortmund, dann in Frankfurt. Jetzt suchen die Chefs des DFB, der Liga und der Clubs nach Schuldigen. Eintracht-Boss Bruchhagen hat sie schon gefunden: Er will die Ultras aus den Stadien verbannen.

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Hamburg - Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen vor dem DFB-Pokalspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern sind am Mittwochabend acht Polizisten verletzt und neun Personen festgenommen worden. Ein Beamter erlitt nach einem Steinwurf schwere Verletzungen, die anderen sieben Polizisten kamen mit leichten Blessuren davon.

Mit Erschrecken hat DFB-Präsident Theo Zwanziger auf die Krawalle in Frankfurt und am Abend zuvor bei dem Spiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden reagiert. "Die Entwicklung ist erschreckend. Mit verbaler Gewalt wie Hassgesängen fängt es an, geht weiter über den gefährlichen Pyro-Einsatz bis zu direkter Gewalt. Man kann das Problem nicht allein der Polizei überlassen", sagte Zwanziger der "Bild"-Zeitung.

Der Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Reinhard Rauball, betonte: "Wir streuen uns Sand in die Augen, wenn wir lediglich von 'ein paar Idioten' sprechen. Die gewaltbereite Szene ist deutlich größer als bislang angenommen. Bei der Bestrafung der notorischen Krawallmacher werden wir zusammen mit dem DFB das Gespräch mit allen Generalstaatsanwälten suchen. Wir lassen uns den Fußball nicht kaputtmachen."

Zudem erteilte Rauball dem Einsatz von Pyrotechnik in den Stadien eine Absage: "Es gibt da eine Geisterdebatte, dass der DFB und die Liga die Pyros doch 'legalisieren' könnten. Schon die Gesetzeslage verhindert das", sagte Rauball der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). "Laut Versammlungs- und Ordnungsrecht darf Feuerwerk nur ein ausgebildeter Feuerwerker machen - und das ganz sicher nicht im Bereich einer dicht besetzten Tribüne im Stadion. Das ist verboten. Die Vereine können daran nichts ändern", so Rauball.

Bruchhagen verlangt "konzertierte Aktion"

Fans aus den Lagern von Frankfurt und Kaiserslautern hatten am Mittwochabend auf dem Weg zum Stadion mit Flaschen, Böllern und Steinen geworfen. Vor der Frankfurter Arena kam es zu gezielten Attacken gewaltbereiter Eintracht-Fans gegen die Polizei, die nach eigenen Angaben vom Donnerstag Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzte, um die Randalierer zurückzudrängen.

"Es muss einen Dialog geben, um diese gewaltbereiten Fans auszugrenzen. Das Thema wird uns noch lange Zeit beschäftigen. Es ist ermüdend, aber wir geben nicht auf", sagte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Er forderte "eine konzertierte Aktion, keine Jahreskarten mehr an bekennende Ultras abzugeben. Ziel kann nur sein, dass diese gewaltbereiten Fans ausgegrenzt werden".

Sein Lauterer Kollege Stefan Kuntz ergänzte: "Es ist unverständlich, dass diese Leute einerseits von uns den Fortbestand des Namens Fritz-Walter-Stadion fordern, andererseits aber die Werte und die Tradition, die Fritz Walter verkörpert hat, mit Füßen treten." Kuntz erwartet nun "eine empfindliche Geldstrafe" für seinen Club.

20.000 Euro Geldstrafe für Frankfurt und Dresden

Aber auch die Eintracht dürfte nicht ungestraft davonkommen. Frankfurt wurde vom DFB wegen diverser Vergehen seiner Fans bereits mehrfach zur Kasse gebeten. Derzeit läuft ein Einspruch des Bundesliga-Absteigers gegen eine vom DFB-Sportgericht verhängte Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro für Fan-Vergehen bei den Zweitliga-Spielen gegen Hansa Rostock sowie in Bochum und Dresden. In Dresden hatten Anhänger der Eintracht ein Banner mit der Aufschrift "Bomben auf Dynamo" zu Spielbeginn hochgehalten. Dresden wiederum wurde zu einer Strafe in Höhe von 20.000 Euro wegen Vorfälle seiner Fans in Duisburg (Abbrennen von Feuerwerkskörpern), in Ingolstadt (Zünden von Bengalischen Feuern) und zu Hause gegen Frankfurt (rassistische Gesänge) verurteilt.

Nachdem es beim letzten Aufeinandertreffen beider Clubs im März dieses Jahres ebenfalls zu schweren Krawallen gekommen war, hatte der DFB die Partie am Mittwoch zum Risikospiel erklärt. Die Polizei war mit mehreren hundert Beamten im Einsatz, die im Stadion von weiteren 750 Ordnern unterstützt wurden.

"Die Situation hat sich aufgeschaukelt"

"Die Situation hat sich zwischen den Fans und der Polizei aufgeschaukelt", sagte der Leiter des Frankfurter Fan-Projekts, Stephan von Ploetz, dem Hessischen Rundfunk. "Vor allem das Werfen von Böllern verurteile ich scharf, weil dadurch schwere Verletzungen passieren können", so Ploetz. Nach der Partie blieb die Lage ruhig.

Allerdings geriet ein Fan im Gedränge am Bahnhof zwischen den Bahnsteig und einen einfahrenden Zug. Er wurde mit Verletzungen an Arm und Hand sowie dem Verdacht auf innere Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Dresdens Geschäftsführer Volker Oppitz hat die Mithilfe vom DFB und auch der Polizei gefordert. "Der DFB muss jetzt eine verbindliche Lösung oder Stellungnahme in Sachen Pyrotechnik finden", sagte Oppitz am Donnerstag. Seiner Meinung nach sei der Verein bei der immer wieder auftretenden Fan-Problematik an seine Grenzen gestoßen.

"Wir dachten, dass wir auf einem guten Weg sind und haben vor der Saison den Dialog mit den unterschiedlichen Fan-Gruppierungen gesucht und gepflegt. Die Kampagne 'Pyrotechnik legalisieren' werden wir auf keinen Fall mehr unterstützen", ergänzte Oppitz, der nun mit einer spürbar hohen Strafe rechnet. "Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir Spiele ohne Fans bestreiten müssen", sagte er.

In einer offiziellen Erklärung hatte der Verein mitgeteilt: "Die Verantwortlichen der SG Dynamo Dresden entschuldigen sich im Namen des Vereins und der Mehrheit der friedlichen Dynamo-Fans in aller Form bei Borussia Dortmund und allen Beteiligten für das absolut inakzeptable Auftreten einer Gruppe von unverbesserlichen und durch den Verein nicht zu tolerierenden Personen beim Auswärtsspiel in Dortmund."

aha/dpa/sid



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insgesamt 113 Beiträge
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Seite 1
Progress, 27.10.2011
1. Man darf nicht vergessen
Zitat von sysopBöller*krachen, Steine fliegen:*Erst*randalierten Fans beim Pokalspiel in Dortmund, dann in*Frankfurt. Jetzt*suchen die Chefs*des DFB, der Liga und der*Clubs nach Schuldigen. Eintracht-Boss Bruchhagen*hat sie schon gefunden: Er*will die Ultras aus den Stadien verbannen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,794401,00.html
dass man die Ostclubs als Schuldigen ausmachen sollte. Dynamo Dresden zum Beispiel. Schade, dass die DD Fan´s am Dienstagabend den Reporter Poschmann nicht haben hören müssen. Die hätten ihm wohl das Mikro aus der Hand gerissen. Von neutraler Berichterstattung keine Spur. Er gebärdede sich wie der Stadionsprecher von Borussia Dortmund - obwohl er für das ZDF kommentieren sollte. So kann man auch "Atmosphäre" schaffen.
braintainment 27.10.2011
2. Dr.
Schon tausend mal vorgeschlagen... Dritte Halbzeit einführen, alle Hools im Stadion einschließen, ordentlich Knüppel ausgeben, abwarten... das Problem löst sich nach und nach von selbst!
das_schwampel 27.10.2011
3. Oh ja bitte
Ultras raus aus den Stadien. Dann wird - ich spreche da vom Millerntor - die Stimmung auch wieder besser. Nicht dieses doofe Durchgesinge. Und es gibt wieder Dauerkarten für Fans, die Fussball sehen wollen. Im Stehen! Super. Ultrras finden sich nur selbst cool. Der Rest, und das ist die überwältigende Mehrheit, mögen sie nicht.
Thomas Kossatz 27.10.2011
4. .
Zitat von Progressdass man die Ostclubs als Schuldigen ausmachen sollte. Dynamo Dresden zum Beispiel. Schade, dass die DD Fan´s am Dienstagabend den Reporter Poschmann nicht haben hören müssen. Die hätten ihm wohl das Mikro aus der Hand gerissen. Von neutraler Berichterstattung keine Spur. Er gebärdede sich wie der Stadionsprecher von Borussia Dortmund - obwohl er für das ZDF kommentieren sollte. So kann man auch "Atmosphäre" schaffen.
Was für ein peinlicher Kommentar ihrerseits! Was da live übertragen wurde war nichts anderes als Landfriedensbruch. Ich mage dieses Ossi-Gejammere nicht mehr hören: Wenn etwas quakt wie eine Enmte, watschelt wie eine Ente und aussieht wie eine Ente - dann ist es eine Ente. Stadionkriminalität ist in dieser Intensität in den letzten Jahren ein ostdeutsches Phänomen gewesen. Das mag früher mal anders gewesen sein udn sich irgendwann auch mal wieder ändern, im Moment ist es aber so. Wer die randalierenden Massen gesehen hat kann auch beim besten Willen nicht von "ein paar Idioten" reden.
Boy_Kott, 27.10.2011
5. --- Das ist auch wieder nur hohles Gelaber!
Zitat von sysopBöller*krachen, Steine fliegen:*Erst*randalierten Fans beim Pokalspiel in Dortmund, dann in*Frankfurt. Jetzt*suchen die Chefs*des DFB, der Liga und der*Clubs nach Schuldigen. Eintracht-Boss Bruchhagen*hat sie schon gefunden: Er*will die Ultras aus den Stadien verbannen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,794401,00.html
Das ist auch wieder nur hohles Gelaber! Wenn ein Fußballklub das wirklich wollte, dann wären am nächsten Samstag keine Randalierer und Flaschenwerfer mehr im Stadion.
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