Randale in Berlin Dynamo-Ordner im Zwielicht

Die Krawalle nach dem Pokalspiel zwischen dem BFC Dynamo Berlin und dem 1. FC Kaiserslautern dürften massive Konsequenzen haben. Im Visier haben die Ermittler die Ordner eines privaten Sicherheitsdienstes. Der nächste BFC-Gegner erwägt die Absage des Spiels - auch aus Angst.

BFC-Randale nach dem Abpfiff: Welche Rolle spielten die Ordner?
dapd

BFC-Randale nach dem Abpfiff: Welche Rolle spielten die Ordner?

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Die Sicherheitsfirma "JWD Security" mit Sitz in Hoppegarten östlich von Berlin hat eine lange Liste an Referenzen vorzuweisen. So macht "JWD" ("Jederzeit wachsam und dienstbereit") auf ihrer Website darauf aufmerksam, dass man für die Sicherheitsbelange der Ungarischen Botschaft in der Hauptstadt ebenso zuständig ist wie für einige Edelgeschäfte an der Berliner Friedrichstraße. Die Firma hat darauf aufgepasst, dass während der WM 2006 am Potsdamer Platz alles ruhig blieb, und beim Winzerfrühling in der Köpenicker Altstadt war man auch im Einsatz. Auf der Referenzliste steht allerdings auch der Hinweis, dass "JWD" für die Stadionabsicherung des BFC Dynamo Berlin zuständig sei - und genau dieser Job bringt die Firma jetzt ins Gerede.

Das Unternehmen stellte die Ordner beim Skandalspiel des Fünftligisten am Wochenende im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern. Jene Ordner, denen von der Polizei und dem Berliner Fußballverband vorgeworfen wird, nach Abpfiff die BFC-Hooligans vor der Polizei abgeschirmt zu haben. Als gut 250 BFC-Anhänger den Lauterer Gästeblock zu stürmen begannen, sollen Ordner die Tür zu dem Block geöffnet haben. Die Hooligans stürmten hinein, die Ordner machten das Tor wieder zu, und die Polizei stand zunächst vor verschlossener Tür.

"Es gibt den Verdacht, dass Leute des Sicherheitsdienstes bewusst ein Tor offen gelassen haben, um Krawallmacher in den Block zu lassen", hatte ein Polizeisprecher in einer ersten Aufarbeitung der Vorfälle erklärt. Maßnahmen des Ordnungsdienstes hätten "zu den Problemen geführt beziehungsweise den Verlauf begünstigt", hieß es weiter. Am Ende beklagte die Polizei 18 Verletzte.

Verein hat selbst Strafanzeige gestellt

"JWD" hält sich zu den Vorwürfen relativ bedeckt. Geschäftsführer Enrico Scholz sagte zu SPIEGEL ONLINE lediglich, "wir haben genauso höchstes Interesse daran, dass die Vorkommnisse vom Wochenende exakt aufgeklärt werden." Man stehe bereits in Kontakt zur Polizei. Für alle weiteren Auskünfte verwies er an den Pressesprecher des BFC. Die Kontakte zwischen Ordnungsdienst und Verein sind seit Jahren eng. Einer der Firmengründer und Co-Geschäftsführer ist Jens Wolsdorf, im Nebenamt Sicherheitsbeauftragter des BFC Dynamo.

Der Verein selbst ist am Dienstag noch einmal in die Offensive gegangen und hat bei der Staatsanwaltschaft Berlin Strafanzeige gegen Unbekannt wegen der schweren Ausschreitungen gestellt. "Dem BFC Dynamo ist eine Aufklärung der Vorfälle wichtig, und er wird ermittelte Täter mit aller Härte bestrafen", heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Man werde "den DFB bitten, die Stadionverbote zu übernehmen und ein bundesweites Stadionverbot zu verhängen".

Schon am Montag hatte der Verein auf seiner Homepage den 1. FC Kaiserslautern um Entschuldigung gebeten. "Leider endete ein schönes Spiel mit einer zu 99 Prozent friedlichen Kulisse in einem Alptraum", schrieb dort der starke Mann des Vereins, der Vorsitzende des Wirtschaftsrates, Peter Meyer. Man werde alles unternehmen, "diejenigen auszugrenzen, die nur auf große Spiele warten, um gewalttätig zu werden".

Image des Vereins seit langem belastet

So deutliche Worte hatte es in der Vergangenheit nicht immer aus den Reihen des Vereins gegeben, der jahrelang eine ambivalente Haltung zu seinen Hooligans gepflegt hatte. Der Ruf des ehemaligen DDR-Rekordmeisters ist seit vielen Jahren beschädigt, weil es in der Vergangenheit immer wieder zu Ausschreitungen kam, in die BFC-Hooligans verwickelt waren. Dazu kommt die Nähe zu rechtsextremen Kreisen, die einzelnen BFC-Fans nachgesagt wird.

Inzwischen ermittelt auch der Deutsche Fußball-Bund, um die Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. Wie ein DFB-Sprecher am Dienstag sagte, liegt dem Kontrollausschuss der Bericht der Sicherheitsaufsicht vor. Zudem würden Fernsehbilder ausgewertet. Wie lange die Untersuchung noch dauern wird und welche Strafe dem Berliner Verein droht, wollte der Sprecher nicht sagen.

Ob der BFC am Wochenende sein erstes Ligaspiel in der Oberliga absolviert, ist derzeit ebenfalls noch offen. Der Gastgeber, der Lichterfelder FC, entscheidet am Abend auf einer Vorstandssitzung, ob er die für Sonntag vorgesehene Partie gegen den Gast aus dem Osten der Stadt aus Sicherheitsgründen absagt. Bernd Schultz, der Chef des Berliner Fußballverbandes, nennt es "eine Kapitulation vor der Gewalt", wenn die Partie tatsächlich ausfallen würde. Der Vorsitzende des LFC, Olaf Fechner, hält dagegen: "Es geht nicht nur darum, dass wir Angst haben, das Spiel auszutragen. Sondern auch darum, ein Zeichen zu setzen."

Wird das Spiel abgesagt, würde die Partie nach den Statuten wohl mit einem Auswärtserfolg für den BFC Dynamo gewertet. Dies wäre dann der erste Punktsieg für die BFC-Hooligans in dieser Saison.

Mit Material von dpa und dapd



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hinderschannes 02.08.2011
1. Gnothi Seauton
Private Sicherheitsdienste gehören verboten. Das sind doch alles Halbkriminelle.
meisterschlau 02.08.2011
2. ...
Die Sicherheitsfirma "JWD Security" ist nach deisem Spiel am Ende.
raoul_flemming 02.08.2011
3. Althools bei Sicherheitsfirmen
Nun ja, zumindest in Dresden war eigentlich jedem bewußt, dass bei der Sicherheitsfirma im Rudolf-Harbig-Stadion jede Menge ehemalige Hooligans am Start waren, die teilweise auch in der örtlichen Nazi-Szene ihr Unwesen trieben. Gleiches wird sich wohl auch bei der JWD herausstellen.
DerExperte 02.08.2011
4. BFC Dynamo
Dass randaliert wird, damit war beim BFC Dynamo eigentlich auch zu rechnen. Leider hat der BFC zu viele Hooligans. Hätte Dynamo Union zugelost bekommen, wäre es vielleicht noch schlimmer gewesen... :(
Perelly, 02.08.2011
5. Jwd?
Im Rheinland hätte die Firma keine Chance. Dort steht "JWD" für "janz wick drusse", also ganz weit weg. Und genau das waren die Security-leute wohl auch...
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