Randale in Rostock FC St. Pauli will Krawallmacher bestrafen

Für einige Fans des FC St. Pauli dürften die Ausschreitungen beim Punktspiel in Rostock ein Nachspiel haben. Der Zweitligist kündigte an, diejenigen Anhänger bestrafen zu wollen, die an den Krawallen beteiligt waren.

Von Clemens Gerlach und

St.-Pauli-Anhänger in Rostock: Feuerwerkskörper im Block gezündet
dpa

St.-Pauli-Anhänger in Rostock: Feuerwerkskörper im Block gezündet


Hamburg - "Wenn wir wissen, wer es gewesen ist, werden wir gegen diese Fans vorgehen", sagte St. Paulis Teammanager Christian Bönig SPIEGEL ONLINE. Dies könne bis zu einem Stadionverbot reichen. "Wir müssen aber jeden Einzelfall abwägen und können uns für die Vorfälle bei Hansa nur entschuldigen."

Beim Auswärtsspiel in Rostock, das St. Pauli 2:0 gewann, waren aus dem Block der mitgereisten Hamburger Fans Bengalische Feuer und Knallkörper auf den Rostocker Anhang geworfen worden. "Es sind nur wenige am Werk gewesen", betonte Bönig, "aber die kleine Gruppierung hat kaputtgemacht, was viele vorher aufgebaut haben."

Für das Verhalten der eigenen Fans gebe keine Entschuldigung. "Pyrotechnik hat im Stadion nichts zu suchen", sagte Bönig, "jeder weiß, dass dies verfolgt wird und dass er mit Konsequenzen rechnen muss."

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Straßenschlacht: Randale in Rostock
Unklar ist derzeit, ob es sich bei allen Tätern - "Vollidioten", so Bönig - um Fans des FC St. Pauli handelt. Video- und Fernsehaufnahmen legen die Vermutung nahe, dass sich auch Krawalltouristen unter die Fußballanhänger gemischt hatten.

Dies dürfte auch auf Seiten der Rostocker, die nach dem Spiel die Polizei attackiert hatten, der Fall gewesen sein. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) fordert eine konsequente Bestrafung aller Täter und nennt diese einen "brutalen, gewalttätigen und damit kriminellen Mob". Bei dem Spiel waren nach Angaben der Polizei rund 2000 Beamte und 500 Ordner im Einsatz. 23 Hansa-Fans wurden in Gewahrsam genommen, gegen diese wird inzwischen wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch ermittelt.

Angriff auf Mitarbeiter von SPIEGEL TV

Insgesamt wurden 27 Polizisten und ein Journalist verletzt. Der NDR-Reporter wurde von einer Flasche getroffen, vermutlich von Hamburger Anhängern. Eindeutig dem Fanlager des FC St. Pauli zuzuordnen ist hingegen der Angreifer auf einen Mitarbeiter von SPIEGEL TV. Bei dem jungen Mann handelt es sich um einen der Einpeitscher, die regelmäßig bei Spielen des FC die Anhänger anheizen.

Auf dem Video ist zu sehen, wie der sogenannte "Vorsänger" auf dem Weg zum Stadion den SPIEGEL-TV-Reporter zuerst als "sensationsgeilen Bastard" beschimpft und dann mit seinem Megafon auf die Kamera schlägt.

Schon vor dem Spiel bei Hansa Rostock war in der FC-Fanszene mobilgemacht worden. So waren Aufkleber in Hamburg aufgetaucht, die in Anspielung auf das Rostocker Vereinslogo forderten: "Kogge versenken".

Zudem war beim Heimspiel des FC St. Pauli gegen Cottbus am vorvergangenen Sonntag im Millerntorstadion ein Transparent mit der Aufschrift "Alle nach Rostock - RIOT" zu sehen gewesen. Zum Aufruhr (englisch "Riot") kam es dann ja auch am Montagabend.

Heiße Diskussionen in der St.-Pauli-Fanszene

In der Fanszene des FC St. Pauli sorgen die Vorfälle inzwischen für hitzige Diskussionen. "Das hätte ein historischer Sieg werden können, so bleibt ein übler Nachgeschmack", sagte einer der Anhänger zu SPIEGEL ONLINE.

Im inoffiziellen Fanforum wird teilweise heftig gestritten. Viele User verurteilten den Teil der Anhänger, der am Montag in Rostock Krawall machte. Tenor: Wenn am Millerntor 50 Cottbus-Fans ein Bengalisches Feuer im eigenen Block zünden - wie jüngst in Hamburg geschehen, rufe das halbe Stadion "Nazis raus". In Rostock aber benehmen sich eben diese Fans dann sogar noch schlimmer. Für viele User ist dies eine "unerträgliche Doppelmoral".

Doch es gibt auch zahlreiche Postings, in denen die Aktionen ausdrücklich begrüßt wurden. Schließlich sei Rostock ein Ausnahmespiel, schreiben viele User und berufen sich auf negative persönliche Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Makaberes Spruchband der Rostock-Fans

Ein weiterer Rechtfertigungsversuch liegt in einem Spruchband begründet, das Rostock-Fans während des Spiels zelebrierten. "Hals- und Beinbruch" war da auf einem Transparent in Blau auf Weiß zu lesen. Kurz nach dem Enthüllen des Banners wurde eine Gummipuppe aus der ersten Reihe des Oberranges fallen gelassen.

Dies war eine ebenso makabere wie geschmacklose Anspielung auf einen St.-Pauli-Fan, der am zweiten Spieltag in Aachen von einem Stadiongeländer mehrere Meter in die Tiefe gestürzt war und sich schwer verletzt hatte.

Der Hass zwischen der Hamburger und der Rostocker Fangruppe besteht seit dem ersten Aufeinandertreffen 1993, bei dem es zu massiven Übergriffen von Rostocker Neonazis auf Fans des FC St. Pauli gekommen war. Seither waren Begegnungen der beiden Nordrivalen stets von Ausschreitungen begleitet.

Angriff von mutmaßlichen Hansa-Fans in Hamburg

Im Vorfeld des diesjährigen Derbys sorgte zudem ein mysteriöser Überfall für zusätzliche Aggressionen. Am vorvergangenen Mittwoch stürmten rund 20 Personen das Treffen der St.-Pauli-Ultra-Gruppierung USP im Hamburger Karolinenviertel. Dabei attackierten die mit blau-weiß-roten Sturmhauben maskierten Männer die St.-Paulianer mit Flaschen und Steinen.

Die Polizei, die mit einem großen Aufgebot sehr schnell am Ort des Geschehens war, konnte die Hintergründe des Übergriffs bislang nicht aufklären. Für Teilnehmer der Sitzung stand hingegen schnell fest, dass es sich um eine gezielte Provokation aus Rostock handelt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hat einer der Angreifer vor dem Laden seinen Personalausweis verloren. Der Ausstellungsort soll Rostock sein.

Provokation auf der Fahrt nach Rostock

Bei der Anreise der Hamburger setzten sich die Provokationen aus dem Hansa-Lager dann fort. Auf einer Autobahnbrücke auf der A20 kurz vor Rostock hatten Unbekannte in der Nacht auf Montag ein metergroßes Graffiti mit der Aufschrift "ScheiSS St. Pauli" gesprüht. Die beiden "S" erinnerten dabei stark an die "SS"-Runen.

Sowohl am Bahnhof Parkstraße, an dem Hamburger Zuschauer angekommen waren, als auch im gesamten Bereich des Ostseestadions waren zudem Hunderte Aufkleber angebracht worden. "Lauf Wessi, lauf" oder "St. Pauli vernichten", hieß es.

Auch wenn einige Rostocker im Stadion mittels Transparent ("Rivalität ja, Gewalt nein") einen Schritt in die richtige Richtung unternahmen: Für das Rückspiel ist der Ärger bereits jetzt programmiert. Ruhig bleiben dürfte es hingegen vermutlich am Freitag: Dann treffen die beiden zweiten Mannschaften der Clubs in der Regionalliga aufeinander. An diesem Tag hat das Profiteam des FC St. Pauli ein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf.

Mitarbeit: Johannes Korge

Forum - Was tun gegen Gewalt im Fußball?
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Hercules Rockefeller, 25.10.2009
1. Vereine müssen zahlen
Meiner Meinung nach sollte die Polizei sich ihre Einsätze mit Mann und Maus bezahlen lassen-von den Vereinen! Ich verstehe gar nicht, weshalb der Steuerzahler für die Bespaßung von Hooligans und Unterschichtlern den Sicherheitsdienst sponsorn muss? Wenn ein Verein Millionen für Spieler ausgeben kann, dann müssen die paar tausend Euro für Polizeibeamte auch drin sein-zumal sich die Vereine die Kosten teilen können. Alternativ können die Spiele auch ohne Zuschauer durchgeführt werden, wenn es denn nicht anders geht. Vielleicht sollte man das als Regel einführen. Nach jedem Zwischenfall mit Körperverletzung muss das nächste Spiel der betreffenden Vereine ohne Zuschauer abgehalten werden. Bin mal gespannt, wie schnell die Vereine dann die Ticketpreise erhöhen werden, um das gewalttätige Prekariat draussen zu halten...
MaXimumOwn 25.10.2009
2.
Erstmal aufhören über die Polizei zu schimpfen und den Polizisten vor Ort irgendwelche Schuld zu geben. An jeden Wochenende finden tausende Fußballspiele statt - Bundesligen, Landes-, Kreis und Bezirksligen. Die Ressourcen der Polizei sind irgendwann auch mal erschöpft - immerhin verlangt man von der Polizei das sie auch ihre anderen Aufgaben wahrnehmen soll. "Offenbar hatte man auch beim ausrichtenden Verein schon vor Anpfiff geahnt, dass das Spiel gestört werden würde. Nach Angaben der RSL-Fans sei man per Stadionlautsprecher aufgefordert worden, eine Seite des Sportplatzes zu räumen, weil "die Dummen noch kommen"." Wieso hat man das Spiel dann nicht abgesagt und die Zuschauer und Verantwortlichen nach Hause geschickt ? Wieso legt man es auch noch darauf an ? Und wie oft wurde die Polizei eigentlich schon von Personen der linken Szene angegriffen ? ..... Anscheinend merkt hier niemand, dass unsere Polizei mehr oder wenigernur noch dazu dienen, dass frustrierte Jugendliche sich mal richtig austoben können und wenn unsere Polizisten mal nicht rechtzeitig da sind (obwohl man sie meistens nie dahaben wil - siehe 1. Mai Demos u.a.l) dann wird gleich mal nen Faß aufgemacht. Und was wäre passiert wenn die Polizei hart durchgegriffen hätte und die rechten Schläger reihenweise verprügelt / eingesperrt hätte ? Dann würden die rechten Schläger jeden einzelnen Polizisten verklagen. Also im Grunde können die Polizisten machen was sie wollen - sie sind immer die dummen und immer schuld. Ich würde sagen, dass beide Seiten diese Auseinandersetzung gewollt haben und man hier sicher nicht der Polizei irgendwelche Schuld zuschieben kann. Was kann man dagegen tun ? Als erstes sollten sich alle - bevor man mit dem Finger auf andere zeigt - an die eigene Nase fassen. Die Täter müssen selbstverständlich gefaßt und bestraft werden und die Vereine sich selber mal fragen, wieso man nicht vorher Spiele absagt wenn man weiß, dass es Ärger geben wird. Gruß
fröp 25.10.2009
3.
vereine wie der fsv brandis und roter stern leipzig sind notorisch pleite. die verdienen keine millionen, das sind amateurvereine. ich denke es ist im interesse des staates jede möglichkeit rechte gewalttäter zu stoppen bzw. festzunehmen wahrzunehmen, was nur möglich ist wenn man sich wenigstens um angemessenen schutz solcher bekanntermaßen riskanten spiele kümmert. denn wenn man denen raum zum terrorisieren von gruppen oder einzelpersonen lässt werden die ihn auch nutzen. Denn tatsächlich bedrohen diese rechten hools und neonazis die allgemeinheit (zumindest in leipzig) mehr als die zwar konstant heraufbeschworenen Islamisten.
Pacolito, 25.10.2009
4.
Bei einem durchschnittlichen Spiel der 1. Bundesliga mit 40.000 oder 50.000 Zuschauern kommt es doch zu wesentlich weniger Gewalttätigkeiten als beim jeweiligen Oktoberfest der örtlichen Dorffeuerwehr. Wieder einmal total sinnlos der Thread. Dass es in manchen unterklassigen Ligen in den neuen Bundesländern teilweise zu massiven Ausschreitungen kommt, hat weniger was mit dem Fußball an sich zu tun. Das ist ne Mischung aus dumpfer Aggression, Rechtsradikalismus, Perspektivlosigkeit etc., ertränkt in Alkohol. Sie können da alle Fußballclubs verbieten, gehen die eben zum Handball usw.
mooringman, 25.10.2009
5. Roter Stern
Das es Vereine mit dem Namen "Roter Stern" in Deutschland gibt,wurde mir erst neulich bewußt durch eine Pressemitteilung.In Lübeck gingen Neonazis aus dem Umfeld des VfB Lübeck bei einem unterklassigen Spiel auf Fans eines "Roter Stern" Vereines los und erzwangen einen Polizeieinsatz.Es wird Zeit ,das diese braunen Hools,es sind keine Fans, aus dem Umfeld der Fußballvereine verschwinden.In Lübeck zumindest sind die meisten Polizei und Vereins bekannt.
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