Rassismus im Fußballstadion Nationalspieler Rüdiger fordert härtere Strafen

Affenlaute im Stadion hat DFB-Verteidiger Antonio Rüdiger selbst erleben müssen. Nun spricht er sich für konsequentere Strafen gegen Rassisten aus. Tatenlose Verbände und Vereine machten sich mitschuldig.

Antonio Rüdiger
AFP

Antonio Rüdiger


Nationalspieler Antonio Rüdiger hat härtere Konsequenzen bei Rassismus-Vorfällen in Fußballstadien gefordert. Verbände und Vereine müssten mehr tun. "Wenn sie das nicht tun, sind sie genau wie die Leute, die es machen", sagte der 25-Jährige bei einem Termin der Stiftung seines Klubs FC Chelsea.

Der Verteidiger war vor einem Jahr in einer Champions-League-Partie gegen seinen Ex-Klub AS Rom (3:3) mit rassistischen Gesängen beleidigt worden. "Vielleicht ist es schwierig, seine eigenen Fans zu bestrafen, aber für mich ist das dann ein Zeichen, dass es akzeptiert wird", sagte Rüdiger.

"Ich habe mich immer ruhig verhalten und die italienische Kultur respektiert", sagte Rüdiger, der auch schon in seiner Zeit als Spieler des AS Rom Ziel rassistischer Anfeindungen geworden war. "Nur weil es einige Idioten gibt, muss ich da nicht ganz Italien mit reinziehen. Ich hatte dort eine schöne Zeit, aber einige Menschen müssen härter bestraft werden", sagte Rüdiger.

Im Juni hatte sich Rüdiger in einem SPIEGEL-Interview zu den Vorfällen in der Serie A geäußert und von einer "bitteren Erfahrung" gesprochen. Eine emotionale Reaktion habe er sich damals allerdings verkniffen, aus Furcht, "dass der Vorfall auf mich zurückgefallen wäre".

chh/sid



insgesamt 15 Beiträge
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tsitsinotis 30.10.2018
1. Bravo, Antonio Rüdiger!
TV-Spots u.Ä. gegen Rassismus und für Respekt sind wohlfeile Kosmetik, solange die betreffenden Clubs nicht mit saftigen Strafen belegt werden. - Aber die alte Frage: Wer kontrolliert die Kontrolleure? bleibt unbeantwortet.
claratext 30.10.2018
2. Recht hat er!
Man hat wirklich den Eindruck, in einem Fußballstadion gibt es eine andere Gesetzgebung. Dabei wäre eine Lösung so einfach. Mit einer personifizierten Eintrittskarte würden solche Vergehen bald der Vergangenheit angehören, dazu zählt auch der verbotene Gebrauch von Bengalos. DFB und Vereine haben genug Geld, um eine Umstellung zu finanzieren.
HevoHo 30.10.2018
3. Ein großes Problem!
Tatsächlich ist Rassismus in diesem Land ein großes Problem. Als weißer ohne Migrationshintergrund und Bewohner einer Stadt kann ich gar nicht mehr aufzählen wie oft ich schon rassistisch angegriffen wurde (wobei ich mittlerweile die Zeiten der nostalgisch-harmlosen "Kartoffel"-Beleidigungen vermisse, mittlerweile sind eher arabische Beleidigungen und anspucken modern).
meresi 30.10.2018
4. Rüdiger
hat vollkommen recht. Feuer muß mit Feuer bekämpft werden. In diesen Fällen eben mit drakonischen Maßnahmen. 2 Jahre Stadionverbot, bundesweit, das sollte helfen. Zusätzlich 3 Monate in einem Sozialdienst Abbitte leisten. off topic: das heutige Spitzenspiel ist sicher nicht Bayern vs Irgendwen
Robert_Rostock 30.10.2018
5.
Zitat von claratextMan hat wirklich den Eindruck, in einem Fußballstadion gibt es eine andere Gesetzgebung. Dabei wäre eine Lösung so einfach. Mit einer personifizierten Eintrittskarte würden solche Vergehen bald der Vergangenheit angehören, dazu zählt auch der verbotene Gebrauch von Bengalos. DFB und Vereine haben genug Geld, um eine Umstellung zu finanzieren.
Ich weiß nicht, ob personalisierte Eintrittskarten wirklich die Patentlösung sind. Gut, man könnte damit wahrscheinlich Personen mit Stadionverbot einigermaßen heraushalten. (Wobei ich selbst da bezweifeln würde, dass beim Einlass der Abgleich von Name auf Ausweis und Eintrittskarte und von Passbild mit Gesicht wirklich ausreichend genau gemacht werden kann) Aber die Hoffnung, dass man mit der personalisierten Eintrittskarte bei Stehplatztribünen exakt jeden Besucher anhand seines Platzes identifizieren kann, erscheint mir doch etwas weltfremd.
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