Rassismus im Stadion Affenlaute aus der Gästekurve

In Leipzig haben Fans des Oberligisten Hallescher FC den dunkelhäutigen Spieler Adebowale Ogungbure erneut mit Affenrufen beleidigt. Der Spieler war Anfang des Jahres schon einmal Opfer rassistischer Übergriffe. Sogar DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich mittlerweile über den Fall informieren lassen.

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Zu den Vorfällen ist es laut mehrerer Zeugen am vergangenen Sonntag während der Oberliga-Begegnung zwischen dem FC Sachsen Leipzig und dem Halleschen FC gekommen (Endstand 0:1). In der zweiten Hälfte sollen über 50 Anhänger der Gäste den Leipziger Abwehrspieler Ogungbure beleidigt haben: "Nach einem Foul an Ogungbure hat es aus der Gästekurve Affenlaute gegeben", bestätigt Uwe Walter, Sicherheitsbeauftragter des FC Sachsen, auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Fußballer Ogungbure: "Ein paar Leute haben 'UhUhUh' gerufen"
SPIEGEL ONLINE

Fußballer Ogungbure: "Ein paar Leute haben 'UhUhUh' gerufen"

Diese Aussage bestätigte auch Christopher Zenker, Mitinitiator der Kampagne "Wir sind Ade", die nach den ersten rassistischen Anfeindungen gegen den Nigerianer im März dieses Jahres gegründet wurde. Damals hatte der 25-Jährige Fußballer auf die Beleidigungen der Halle-Fans mit dem Hitlergruß reagiert. Die Staatsanwaltschaft hatte damals ein Ermittlungsverfahren wegen der "verfassungswidrigen Geste" gegen Ogungbure eingeleitet, den Fall aber bereits kurze Zeit später nach einer bundesweiten Protestwelle wieder eingestellt.

"Ogungbure und auch Rolf-Christel Guie-Mien wurden mehrfach rassistisch beschimpft und mit Affenrufen provoziert", so Zenker zu SPIEGEL ONLINE. Auch ein Mitarbeiter das Fanprojektes in Halle bestätigte SPIEGEL ONLINE, "dass etwa 50 der 2000 mitgereisten Fans Affengeräusche imitiert und 'Lügner' gerufen haben." Ein paar Idioten gebe es immer, sagt HFC-Fanbeauftragter Peter Patern. Dem Vorfall misst Patern allerdings wenig Bedeutung bei: "Ein paar Leute haben einmal während des Spiels 'UhUhUh' gerufen, wir haben das aber sofort unterbunden", so Patern.

Für Zenker reichen diese Entgleisungen, um Sanktionen seitens des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) gegen den FC zu fordern: "Eine harte Strafe ist zwingend geboten, zumal es sich beim Halleschen FC um einen Wiederholungsfall handelt."

DFB-Präsident Theo Zwanziger informiert

Mittlerweile hat sich sogar DFB-Präsident Theo Zwanziger eingeschaltet. "Er hat aus seinem Urlaub angerufen und sich über die Ereignisse beim Spiel erkundigt", so Zenker. "Beim DFB waren die Verantwortlichen verwundert, dass der Schiedsrichter kein Wort zu den Vorfällen in seinem Spielbericht vermerkt hat", sagt Zenker. DFB-Pressesprecher Harald Stenger bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass "sich der DFB über den Fall informiert hat". Alles Weitere liege jetzt in den Händen des NOFV: "Sanktionen in der Oberliga sind Sache des zuständigen Regionalverbandes", so Stenger.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen dem Halleschen FC drastische Strafen. Eine Fifa-Richtlinie schreibt vor, dass bei "diskriminierendem oder menschenverachtendem Verhalten eines Spielers, Offiziellen oder Zuschauers, das einer Mannschaft zugeordnet werden kann, der betreffenden Mannschaft bei einem ersten Vergehen automatisch drei Punkte abgezogen werden. Im Wiederholungsfall verliert der Club sechs Punkte, beim dritten Mal ist ein Zwangsabstieg festgeschrieben."

"Die neuen Fifa-Richtlinien müssen endlich umgesetzt werden", fordert Zenker mit Verweis auf das DFB-Pokalspiel zwischen der zweiten Mannschaft von Hansa Rostock und dem FC Schalke 04 (Endstand 1:9). In der Erstrunden-Begegnung am 9. September provozierten Dutzende Hansa-Anhänger den dunkelhäutigen Schalker Nationalspieler Gerald Asamoah mit Affenrufen , Hansa wurde daraufhin lediglich zu einem Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt.

Auch bei der Bundesliga-Begegnung zwischen Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach kam es zu rassistischen Vorfällen. Beim Punktspiel zwischen den beiden Teams am 16. September 2006 auf dem Tivoli (4:2) wurde über eine längere Zeit zunächst der Mönchengladbacher Brasilianer Kahe aus dem Aachener Block mit rassistischen Rufen ("Asylant") bedacht. Danach war es aus dem Gäste-Fanblock ebenfalls zu rassistischen Äußerungen gegen den Aachener Spieler Moses Sichone aus Sambia gekommen. Aachen wurde vom DFB zu einer Strafzahlung von 50.000 Euro verurteilt, Ligakonkurrent Mönchengladbach musste 19.000 Euro bezahlen.



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