Rassismus im Stadion Italien führt Bewährungsstrafe ein

Bei rassistisch motivierten Beschimpfungen des Gegners durch die eigenen Fans kommen Italiens Fußballvereine künftig erst einmal glimpflich davon. Die Strafen werden vom Verband zunächst zur Bewährung ausgesetzt - Wiederholungstätern droht ein Geisterspiel.

Meazza-Stadion in Mailand: Wiederholungstätern droht ein Geisterspiel
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Meazza-Stadion in Mailand: Wiederholungstätern droht ein Geisterspiel


Hamburg - Eine neue Regel in Italien soll verhindern, dass kleine Gruppierungen in der Anhängerschaft den Fußballvereinen schweren Schaden zufügen: Der Verband FIGC setzt bei diskriminierendem Verhalten der Fans verhängte Strafen künftig ein Jahr lang zur Bewährung aus. Wenn die Tifosi erneut durch rassistische oder "territoriale" Vorfälle auffällig werden, drohen je nach Strafmaß die Schließung von einzelnen Fankurven oder ganze Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wenn hingegen nur eine Minderheit der Anhängerschaft für rassistisches Verhalten verantwortlich ist, sollen keine Strafen verhängt werden.

Zuletzt hatte eine gegen den AC Mailand zunächst verhängte und später wieder aufgehobene Strafe wegen "territorialer Diskriminierung" in Italien für Aufregung gesorgt. Der Tabellenzwölfte der Serie A hatte mit seinem Einspruch Erfolg gehabt und kommt wohl um ein Geisterspiel gegen Udinese Calcio am kommenden Samstag herum.

Das italienische Sportgericht hatte die Lombarden wegen angeblich diskriminierender Gesänge der Milan-Tifosi bestraft. Die Mailänder Fans hatten die Anhänger des Tabellenzweiten SSC Neapel verunglimpft. Der Vorwurf des Sportgerichts lautete "territoriale Diskriminierung".

Milan legte Einspruch gegen die Strafe ein und begründete den Widerspruch damit, dass verbale Provokationen zwischen Fans der Clubs in Nord- und Süditalien seit vielen Jahren zum festen Brauch unter den Anhängern im Land des viermaligen Weltmeisters gehören würden.

roe/sid



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insgesamt 3 Beiträge
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4qfghei3pers 16.10.2013
1. Das sieht eher aus wie
Gutmenschentum mit max. politisch korrekten Anfeuerungsrufen. Natürlich gehts in Fussballstadien rau zu, da werden auch schon mal Schimpfwörter gebraucht, um den gegnerischen Verein niederzumachen. Will man also sinngemäß alle verbalen Angriffe als Vorwand für Rassismus nehmen? Und territoriale Vorfälle, was soll das denn? Natürlich werden die Bayern in Dortmund oder Schalke mit dem Wort niedergemacht, in München ist es nicht anders. Und in Italien sowieso nicht. Hier soll wieder ein Stück Normalität der politischen Korrektheit untergeordnet werden, so siehts wirklich aus. Leute, laßt euch nicht noch mehr verbiegen!
ernie0701 16.10.2013
2. Provokation ist kein Rassismus
Wenn man ein Thema schon anspricht, dann bitte aich richtig! Die letzten Urteile des italienischen Verbandes richteten sich hauptsächlich gegen die "territoriale Diskriminierung" und hatten weniger mit rassistischen Ausfällen (von denen es in Italien leider viele gibt) zu tun. Das Vergehen der Milan-Fans bestand demnach darin, "wir sind keine Neapolitaner" zu skandieren. Womit sie ja eigentlich recht haben ;-) Das der italienische Verband im Kampf gegen das vermeintliche Übel der Fankurven damit jedes normale Maß verloren hat, ist ziemlich dabei eindeutig. Sonst müsste ein "zieht den Bayern die Lederhosen aus" demnächst ja auch vom DFB mit einem Geisterspiel bestraft werden. Würde der italienische Verband diese Härte mal im Kampf gegen echten Rassismus führen, wäre dem italienischen Fußball sehr geholfen. Stattdessen werden für Affenlaute lächerliche Geldstrafen verhängt. Irgendwie komisch, was da so läuft!
karsten rohde 16.10.2013
3.
Nun also "territoriale Diskriminierung", Europa wird von Tag zu Tag lustiger. Was ist gruen und stinkt nach Fisch?
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