Kampf gegen Rassismus: Italienische Fußballer laufen mit schwarzen Gesichtern auf

Ein schwarzer Amateurfußballer wird in Italien rassistisch beleidigt, wehrt sich mit einem Schubser und sieht dafür die Rote Karte. Seine Teamkollegen solidarisieren sich mit ihm - und malen sich für ein Spiel allesamt die Gesichter schwarz an.

SPIEGEL ONLINE Fußball
Hamburg - Im Kampf gegen Rassismus haben italienische Amateurfußballer ein außergewöhnliches Zeichen gesetzt. Aus Solidarität mit einem dunkelhäutigen Teamkollegen haben alle Spieler des Vereins Rioveggio ein Punktspiel mit schwarz bemalten Gesichtern bestritten.

Die Mannschaft aus der unterklassigen Terza Categoria reagierte mit der Aktion im Spiel gegen Casalecchio (1:0) auf einen Vorfall, der sich in der Vorwoche bei der Partie gegen Lizzano ereignet hatte. Der 20-jährige Rioveggio-Spieler Teibou Koura hatte einen Gegenspieler weggestoßen, nachdem der ihn mit den Worten "Halt's Maul, Nigger!" rassistisch beleidigt hatte. Der Schiedsrichter zeigte dem Togoer daraufhin die Rote Karte. "Ich habe versucht, dem Schiedsrichter die Situation zu erklären, doch er hat nicht auf mich gehört", sagte Koura.

"Wir wollten ein klares Signal gegen Rassismus setzen, ein Krebsgeschwür in Italien", sagte Rioveggios Clubpräsidentin Vanessa Venturi. Im Stadion der Kleinstadt unweit von Bologna wurde zudem ein Spruchband mit antirassistischen Slogans ausgerollt. Koura dankte seinen Kollegen für ihre Unterstützung. Die hat offenbar bereits Wirkung gezeigt: "Der Gegner, der mich beleidigt hatte, hat sich entschuldigt. Aber in den Köpfen muss sich etwas verändern", sagte Koura.

Es sei zudem nicht das erste Mal gewesen, dass Koura auf dem Platz in einen rassistischen Vorfall verwickelt war. Vor einem Jahr wurde ein Mitspieler des Togoer verbal angegangen, doch der Schiedsrichter habe nicht reagiert, sagte Koura der italienischen Zeitung "La Repubblica".

"Wir müssen die Dinge im italienischen Fußball von Grund auf ändern", sagte Rioveggios Trainer Claudio Alvisi, "aber das schaffen wir nicht alleine. Der Schiedsrichter hätte eingreifen können, aber er tat es nicht."

Ein Vorbild hat die Aktion in der italienischen Serie B: Im Jahr 2001 war Omolade, nigerianischer Stürmer von Treviso, von eigenen Fans rassistisch beleidigt worden, in der folgenden Woche liefen seine Mitspieler mit schwarzen Gesichtern auf.

asi/sid

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