Rassismus-Skandal in Frankreich: Sportministerin entlastet Blanc

In der Affäre um Quoten für Fußball-Nachwuchsspieler mit Migrationshintergrund muss Nationaltrainer Laurent Blanc keine rechtlichen Folgen fürchten. Es liege kein Gesetzesverstoß vor, sagte Sportministerin Chantal Jouanno. Einen Tadel gab es dennoch für die Beteiligten.

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Nationaltrainer Blanc: Von Vorwürfen entlastet

Hamburg - Der französische Nationaltrainer Laurent Blanc ist in der Affäre um eine diskriminierende Quote für junge Nachwuchsspieler von höchster Stelle entlastet worden. "Es gibt keine Anhaltspunkte, dass Laurent Blanc diskriminierende Praktiken unterstützt hat", sagte Sportministerin Chantal Jouanno am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Paris.

Bei der Präsentation der Ergebnisse einer Untersuchung des Sportministeriums schloss die Ministerin außerdem eine gerichtliche Verfolgung der in den Skandal verwickelten Personen aus. "Es liegt kein Gesetzesverstoß vor", sagte Jouanno. Die Politikerin rügte jedoch das Verhalten der Beteiligten. "Plump und eindeutig unangebracht" und "nahe an der Grenze zum Rassismus" seien die Überlegungen gewesen.

Am Montag hatte es eine Anhörung von Blanc durch den nationalen Fußball-Verband FFF gegeben. Der Abschlussbericht des Verbandes wurde an Jouanno weitergeleitet. Blanc, Kapitän der französischen Weltmeister-Elf von 1998, war vorgeworfen worden, zusammen mit Mitarbeitern des Verbandes die Einführung einer Quote von höchstens 30 Prozent für Spieler mit afrikanischem Migrationshintergrund für Sportschulen und Trainingszentren im ganzen Land geplant zu haben.

Das Projekt sei bei einem Treffen im November erarbeitet worden, enthüllte das Internetportal Mediapart vor knapp zwei Wochen. Dabei ging es darum, wie die Zahl von in Frankreich ausgebildeten Nachwuchsspielern, die später für andere Länder spielen, begrenzt werden könne.

Blanc sei laut Jouanno allerdings das erste Mal bei einem derartigen Treffen des Verbandes dabei gewesen. Im Zuge der Affäre war in Frankreich auch über einen Rücktritt des Trainers spekuliert worden. Blanc und der inzwischen suspendierte technische Direktor des Verbandes, François Blaquart, hatten Gespräche über eine Quote zunächst abgestritten, später aber zugegeben, darüber gesprochen zu haben.

ged/ap/dpa/sid

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1. Skandal?
hausmeister hempel 10.05.2011
Zitat von sysopIn der Affäre um Quoten für*Fußball-Nachwuchsspieler mit Migrationshintergrund ....
Skandal? Inwiefern? Über Einwandererquoten wird doch in Deutschland auch lautstark diskutiert. Die SPD hat sich sogar schon eine 15% Quote verpaßt. Da redet doch auch niemand von "Skandal". Obwohl es einer ist! - Nicht die Qualifikation sondern eine Gruppenzugehörigkeit ist entscheidend, ob man Chancen bekommt..... wo - mit Verlaub - ist da der Unterschied zu einer längst vergangen geglaubten Ideologie?
2. Skandal?
pnin05 10.05.2011
Vielleicht wäre es ja hilfreich, wenn auch ein Spiegel-Redakteur sich der Mühe unterziehen würde, französische Zeitungsquellen zu bemühen. Demnach hat sich Laurent Blanc für eine begrenzte Quote in Nachwuchseinrichtungen ausgesprochen, weil das zu einem großen Teil die Ausbildung für andere als die französische Nationalmannschaft bedeuten würde, wenn man ohne solche Quote weitermacht. Ob das der richtige Weg wäre, darf diskutiert werden. Ein "Rassismus-Skandal" ist das sicherlich nicht. Die Frage, ob mit öffentlichen Geldern in Frankreich Nationalspieler für Senegal oder Tunesien ausgebildet werden sollen, ist doch wohl legitim. Ob sie richtig ist, ist ein anderes Thema.
3. Rassismusskandal????
KRabba 10.05.2011
Zitat von sysopIn der Affäre um Quoten für*Fußball-Nachwuchsspieler mit Migrationshintergrund muss*Nationaltrainer*Laurent Blanc*keine rechtlichen Folgen*fürchten. Es liege kein Gesetzesverstoß vor, sagte Sportministerin Chantal Jouanno. Einen Tadel gab es dennoch für die Beteiligten. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,761687,00.html
Da 'Der Spiegel' anglophon und francophob ist, musste diese Geschichte ja auch schlecht recherchiert sein. Vielleicht ist in der Redaktion auch keiner mehr des französischen mächtig, um ein Quellenstudium durchzuführen. Es geht einzig und allein um Spieler mit zwei Nationalitäten und die Frage, ob man in diese Spieler investieren soll, wenn die Gefahr besteht, dass sie nicht für Frankreich spielen werden. Frankreich braucht dringend neue junge Kader für die nächste WM. Die Zusammenstellung der französischen Weltmeistermannschft ist allein Beweis genug, dass es keinen Rassismus bei der Auswahl gab.
4. es bricht auf...
winterfichte 10.05.2011
überall in europa ist es zu spüren. viele länder haben parteien im rechten spektrum mit zweistelligen wahlergebnissen und der wind dreht sich merklich... selbst die liberalsten von damals (holland, dänemark und andere) haben eine 180° kehrtwende gemacht. nur bei uns ist davon noch nichts zu spüren. kommt aber noch, wenn die sozialkassen leer sind.
5. Nein,
KRabba 14.07.2011
Zitat von winterfichteüberall in europa ist es zu spüren. viele länder haben parteien im rechten spektrum mit zweistelligen wahlergebnissen und der wind dreht sich merklich... selbst die liberalsten von damals (holland, dänemark und andere) haben eine 180° kehrtwende gemacht. nur bei uns ist davon noch nichts zu spüren. kommt aber noch, wenn die sozialkassen leer sind.
so war es in Frankreich nicht. Der französische Sport ist viel mehr mit Farbigen Menschen durchsetzt, als es sich ein Deutscher vorstellen kann. Von den Westindies kommen Schwarze, von La Réunion, aus Guyana und aus Tunesien, Algerien und Marokko jede Menge Sportler mit doppelter Staatsangehöhigkeit, genauso wie aus Benin, Togo, Kamerun, Guinea. Dann leben in Frankreich eine sehr grosse Anzahl farbiger Spitzensportler, die dort auch geboren sind. Es ging einzig um die Sportler aus Afrika, die eine doppelte Nationalität haben und sich nach der Ausbildung in Frankreich entschlossen, gegen Frankreich in der anderen Nationamannschaft anzutreten.
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