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Rassismus und Antisemitismus im englischen Fußball: Ein Zweitligist ruiniert sein Image

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Wigan-Besitzer Whelan: "Juden sind mehr hinter Geld her"

Der englische Zweitligist Wigan Athletic hat einen Trainer engagiert, gegen den wegen rassistischer Tiraden ermittelt wird. Jetzt macht Klubchef Dave Whelan alles nur noch schlimmer.

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Die Erfolge von Wigan Athletic aus der Grafschaft Greater Manchester sind schnell zusammengefasst: Zweimal gewann der Klub den unterklassigen Wettbewerb um die Football League Trophy, einmal den ehrwürdigen FA-Pokal, 2013 war das.

Der Alltag ist trist: zweite Liga, Abstiegskampf. Wigan ist ein unscheinbarer Klub. Dennoch macht der Verein in diesen Tagen Schlagzeilen. Genauer: Negativschlagzeilen. Die Vorwürfe lauten Rassismus und Antisemitismus. Im Zentrum der Anklage stehen Trainer Malky Mackay und Klubchef Dave Whelan.

In der vergangenen Woche trennte sich Wigan von Trainer Uwe Rösler. Als Nachfolger stellte der Verein Mackay vor, einen 42 Jahre alten Schotten. Seine Trainerkarriere war bis dahin unspektakulär. FC Watford, Cardfiff City, das waren seine Stationen. Mehr Aufsehen als durch seine Seitenlinien-Tätigkeit erregte Mackey mit Textnachrichten, die er mit seinem Sportchef in Cardiff ausgetauscht haben soll, und die zum Beispiel in der "Daily Mail" nachzulesen sind.

Den malaysischen Besitzer des walisischen Klubs bezeichnete Mackay als "chink", ein Begriff, für den das Wörterbuch unter anderem die Übersetzung "Schlitzauge" vorschlägt. Über eine Liste mit möglichen Neuverpflichtungen schrieb Mackay: "Nicht viele weiße Gesichter darunter." Außerdem hatten seine Botschaften homophobe und antisemitische Inhalte.

Selbst die Parlamentsabgeordnete warnte vor Trainer Mackay

Vor drei Monaten nahm der englische Verband Ermittlungen gegen Mackay auf, die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Das hielt Wigan aber nicht davon ab, ihn als Trainer zu verpflichten - obwohl selbst die lokale Parlamentsabgeordnete in einem Brief an Vereinschef Whelan darum gebeten hatte, die Vorwürfe gegen Mackay bei der Entscheidung zu berücksichtigen. Whelan sagte bei der Vorstellung des neuen Trainers, dass er natürlich mit ihm über die Vorwürfe gesprochen habe. Mackay habe seinen Fehler eingesehen und sich dafür entschuldigt.

Damit war die Angelegenheit aber aus Sicht der Anti-Rassismus-Initiative Kick it out nicht erledigt: Die beklagte sich darüber, dass Wigan die Untersuchungen des Verbandes gegen Mackay unterwandere, indem der Verein ihn trotz laufender Ermittlungen zum Trainer mache. Wigan solle die Vorwürfe ernst nehmen. Schließlich gehe es um ernste Themen.

In einem Interview mit dem "Guardian" nahm Klubchef Whelan erneut Stellung zu den Vorwürfen. Er wollte das Feuer löschen, das in seinem Verein loderte. Stattdessen steht nun das ganze Haus in Flammen, um im Bild zu bleiben. Whelan machte alles noch schlimmer. Mit dem Begriff "chink" hat er nach eigener Aussage kein Problem. "Jeder Engländer lügt, der behauptet, er hätte das noch nie gesagt", sagte Whelan. Außerdem fiel ihm zu Mackays Textnachrichten folgende Relativierung ein: "Ich glaube, dass Juden mehr hinter Geld her sind als andere Leute. Das ist überhaupt nicht beleidigend. Die Juden mögen es nicht, Geld zu verlieren. Niemand mag das."

So sah sich Kick it out zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen zu einem Statement in Richtung Wigan Athletic gezwungen. Whelans Aussagen würden arge Zweifel aufkommen lassen, ob er der Richtige sei für einen Posten an der Spitze eines Fußballvereins. Als der Vereinschef die Wirkung seiner Aussagen erkannte, wollte er alles nicht mehr so gemeint haben und bat eilig um Entschuldigung. Doch die Debatte war nicht mehr einzudämmen. Der Verband untersucht den Fall.

Wigan Athletic erleidet in diesen Tagen einen veritablen Imageschaden, doch das ist nicht alles. Auch aus wirtschaftlicher Sicht hat sich der Verein keinen Gefallen getan mit der Verpflichtung des umstrittenen Mackay und mit Whelans Aussagen. Zwei Sponsoren kündigten dem Zweitligisten die Zusammenarbeit. Nach einem Küchenausstatter, dessen Logo bislang auf dem Rücken von Wigans Trikot zu sehen war, zog sich auch ein Getränkehersteller zurück.

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