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Rassismus-Vorwürfe gegen Lok Leipzig: Aussage gegen Aussage

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Haben Fans des Regionalligisten Lok Leipzig beim Spiel gegen den Berliner AK Funktionäre des Gegners rassistisch beleidigt? Das behaupten die Gäste. Leipzig wehrt sich gegen den Vorwurf und klagt. Es ist die jüngste Episode im Kampf um ein besseres Image.

Lok Leipzigs Rolleder (links), Torwart Yigitoglu: "Keine Stellungnahme" Zur Großansicht
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Lok Leipzigs Rolleder (links), Torwart Yigitoglu: "Keine Stellungnahme"

Ingo Müller, Sprecher des Berliner AK, gibt sich bedeckt. "Keine Stellungnahme" werde man abgeben. Das ist normal, wenn eine Verleumdungsklage im Raum steht. Der Regionalligist Lokomotive Leipzig hat eine solche gegen den BAK angestrengt, der - so viel sagt Müller dann doch - dem Ganzen "insgesamt sehr entspannt" entgegensieht.

Die Behauptung von BAK-Offiziellen, beim 2:0-Sieg in Leipzig sei es zu Übergriffen und rassistischen Beleidigungen gekommen, dementiert das Lok-Präsidium vehement - zumindest, was den Part Rassismus anbetrifft. Nun ist auch noch ein Video aufgetaucht, das die Sichtweise der Sachsen in diesem Punkt zu stützen scheint, ansonsten allerdings kein Imagefilm für den ersten Deutschen Meister von 1903 ist.

Die Einstellung zeigt die BAK-Funktionäre in der vordersten Tribünenreihe. Sie jubeln nach dem zweiten Treffer - kurz darauf versuchen vier, fünf Lok-Fans nach oben zu den Funktionären zu kommen, werden aber von Ordnern abgedrängt, während die Berliner Funktionäre fluchtartig die Tribüne verlassen. So viel zum Bildmaterial, das eine aufgeheizte, feindselige Atmosphäre dokumentiert - aber eben keine rassistischen Rufe. Stattdessen sieht und hört man, wie andere Leipziger Zuschauer die Aggressoren in die Schranken weisen ("Gut jetzt", "Verzieh dich").

"Bei dem Spiel ist nichts dergleichen passiert"

In einer ersten Stellungnahme hatte sich BAK-Geschäftsführer Mehmet Ayik ("Die Fans haben Wörter gesagt, die ich nicht wiederholen möchte") auch über die Ordner beschwert. Einer habe zu ihm gesagt: "Hier ist der Leipziger Block, hier dürfen Sie nicht jubeln." Der BAK sammelt derzeit eidesstattliche Versicherungen, die rassistische Beleidigungen vor allem nach dem ersten Treffer dokumentieren - hier existiert kein Bildmaterial.

Im Internetforum des BAK meldet sich zudem ein Berliner Fan: "Dass volle Bierbecher auch gegen Präsident Ali Han nebst Sohn und Geschäftsführer und weiteren Fans des BAK geworfen wurden, haben ja wohl alle gesehen, die in der Nähe waren. (...) Ich hatte Angst und werde dieses Stadion nicht mehr betreten. Wer Angst und Schrecken verbreitet, kann doch nicht behaupten, dass bei ihm alles in Ordnung ist."

Das tun sie bei Lok allerdings auch nicht. Der Verein stehe dazu, dass es beispielsweise beim Spiel gegen Babelsberg zu verurteilenswerten Aktionen der Fans gekommen sei, betonte Lok-Sprecher René Gruschka ein paar Tage nach der Partie. Tatsächlich hatten sich Offizielle wie Präsident Heiko Spauke empört über diejenigen Fans gezeigt ("Sauerei"), die dort "NSU" skandiert hatten und auf der Rückfahrt randaliert hatten. "Damals haben wir klar zugegeben, dass wir ein Problem hatten. Aber bei dem Spiel am Sonntag ist nichts dergleichen passiert", so Gruschka.

Immer wieder Rückschläge

Die Stimmung in Leipzig ist gespalten. Während die einen Lok die Streichung aus dem Vereinsregister wünschen, weisen die anderen darauf hin, dass der klamme Verein auch positive Schlagzeilen verdient hätte. Tatsächlich steckt Lok viel Geld in die Jugendarbeit, wo Kinder aus 26 Nationen kicken. Respekt nötigt vielen auch die Beharrlichkeit derer ab, die einem Traditionsverein treu bleiben, obwohl nur wenige Kilometer entfernt mit RB Leipzig ein Verein spielt, der Millionen von einem Brausehersteller und die Unterstützung von Stadt und Land erhält, um die Leipziger Traditionsvereine jahrelang umsonst baten.

"Wenn nur ein Bruchteil der Leute, die heute zu RB rennen, vor ein paar Jahren zu uns gekommen wären, hätte die Idioten keine Chance gehabt", behauptet stellvertretend ein Lok-Fan, der anonym bleiben will. Mit den "Idioten" meint er die offen-rechte Ultragruppe Szenario Lok, aber auch vermeintliche Normalos, die "Türkenschweine" oder "Ziegenficker" brüllen. Tatsächlich muss das jetzige Präsidium die Fehler der Vergangenheit ausbaden und versucht, mit Stadionverboten gegenzusteuern.

Allerdings steht Spauke, der 2009 einige Monate lang Mitglied der Partei Die Republikaner war und heute mit der FDP sympathisiert, selbst in der Kritik. Er selbst geht offensiv ("hatte unterschätzt, wie stark den Republikanern rechtsextreme Ansichten noch anhängen") mit der Vergangenheit um.

Auch Sarah Köhler vom 2011 gegründeten Leipziger Fanprojekt bittet um Geduld: "Der Verein bemüht sich, das Image zu verbessern. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass es nicht einfach ist und auch immer wieder Rückschläge zu verzeichnen sind." Es sei aber "eben nicht in wenigen Wochen möglich, allen Herausforderungen zu begegnen", zumal "nebenbei" ein Spielbetrieb organisiert und Sponsoren gefunden werden müssen. "Zukünftig muss es darum gehen, gemeinsam mit den Fans zu arbeiten und diese einzubinden."

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1. .
hfftl 12.09.2013
Zitat: "Nun ist auch noch ein Video aufgetaucht, das die Sichtweise der Sachsen in diesem Punkt zu stützen scheint, ansonsten allerdings kein Imagefilm für den ersten Deutschen Meister von 1903 ist." Erster Deutscher Meister 1903: VfB Leipzig. Aufgelöst: 1946. Gründung Lok Leipzig: 1966. Neugründung: 2003. Real existierender Zusammenhang zwischen VfB und Lok: Null.
2. Verleumdung
JohnDoh 12.09.2013
Schön das neuerdings bei uns gegen Verleumder vorgegangen wird. Da bekommen sie eventuell auch noch Post vom Amt.
3. nicht alle üer einen Kamm scheren
Leipziger82 12.09.2013
@Frank_LE: Mir scheint, dass Sie tatsächlich das baufällige Bruno-Pache-Stadion seit längerem nicht besucht haben. Sonst würden Sie nicht von 2.000 Prolls und Nazis schreiben. Diese Gruppierungen stellen auch aktuell noch eine Minderheit dar. Der große Rest des Publikums kann problemlos als "Normal" bezeichnet werden (Ich selbst kenne sogar Ärzte und Anwälte, die sich eine Dauerkarte für die Loksche gekauft haben). Grundlegend wird die negative Situation der Lok medial ausgeschlachtet, was teilweise durchaus korrekt ist, aber teilweise auch nicht. Die positiven Dinge gehen dabei unter: Welches Medium hat davon berichtet, dass der Verein seit kurzem mit einem Trikotaufdruck gegen Gewalt auf dem Platz läuft? Warum die Nähe von Feist zum Verein kritisch betrachtet wird, erklärt sich mir nicht. Ist es für einen Politiker verboten, die Lokomotive zu besuchen? Müssen nun alle zu dem Dosenverein gehen? Auf RB sehe ich im Übrigen langfristig ähnliche Probleme zukommen. Macht die Idiotie vor dem Einlass der RedBull-Arena halt? Ich denke nicht. Die Tatsache, dass ich im Fanblock der Bullen schon diverse "grenzwertige" Gestalten (samt passender Kleidung) gesehen habe, gibt mir leider recht.
4. Heruntergekommene
rdiess 12.09.2013
Die Fans in Leipzig (Lok und Chemie), Mannheim (SVW) und anderswo sollten sich mal selbstkritisch hinterfragen, warum Mateschitz und Hopp ihr Geld in lieber unterklassige Dorfvereine steckten, anstatt mit einem "Traditionsverein" ein paar Klassen höher einzusteigen.
5. !
D.K. 12.09.2013
Zitat von rdiessDie Fans in Leipzig (Lok und Chemie), Mannheim (SVW) und anderswo sollten sich mal selbstkritisch hinterfragen, warum Mateschitz und Hopp ihr Geld in lieber unterklassige Dorfvereine steckten, anstatt mit einem "Traditionsverein" ein paar Klassen höher einzusteigen.
Weil es in diesen Vereinen eine Mitgliedermehrheit gegen eine Übernahme (ich schreibe nicht Sponsoring, weil es das nicht ist) des Vereins durch solche Leute gibt.
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Zum Autor
Unser Autor Christoph Ruf lebt in Karlsruhe, hat ein großes Herz für diverse kleine Vereine und treibt sich gerne auch in unterklassigen Ligen herum.

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