Leipziger Sieg gegen FC Bayern So geht's also

Zum ersten Mal konnte RB Leipzig die großen Bayern besiegen. Dabei halfen lethargische Münchner - und ein erzwungener Wechsel, der sich als Glücksfall entpuppte.

Timo Werner (l.) und Mitspieler
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Timo Werner (l.) und Mitspieler


Szene des Spiels: Bereits nach wenigen Minuten sank der Leipziger Marcel Sabitzer angeschlagen dahin. Seine Verletzung zwang RB-Trainer Ralph Hasenhüttl zum Wechsel. Er schickte nach zehn Minuten Timo Werner aufs Feld, der an beiden Leipziger Treffern maßgeblich beteiligt sein sollte.

Das Ergebnis: Leipzig besiegte den Tabellenführer aus München mit 2:1 (1:1). Hier geht's zur Meldung.

Europäische Verhältnisse: Beide Trainer nutzten die Tiefe ihrer Kader und veränderten ihre Startelf gegenüber den internationalen Verpflichtungen unter der Woche auf jeweils sechs Positionen. Hasenhüttl baute zudem auf eine ungewohnte Dreierkette, die sich bei Ballbesitz der Gäste zu einer Fünferkette erweiterte.

Die erste Hälfte: "Ein Schuss, ein Tor, die Bayern." Der launige Südkurvenschlager bestätigte sich in der 12. Minute, in der James aus dem Stand eine Maßflanke auf den Kopf von Sandro Wagner servierte, der zum Führungstor für die Gäste einnicken konnte. Ansonsten spielten nur die Gastgeber. Ihr elfter (!) Torschuss führte in der 37. Minute zum Ausgleich durch Naby Keita. Zuvor war Werner nach schönem Zuspiel von Konrad Laimer noch an Sven Ulreich gescheitert. Und die Bayern? Brachten offensiv nichts zustande.

Der Heimkehrer: Von 2013 bis 2015 spielte Joshua Kimmich für die Leipziger. Seitdem kehrte er schon mehrfach in die Arena zurück, so schwitzen wie in den ersten 45 Minuten musste er allerdings noch nie. Bruma und Werner setzten dem Nationalspieler Mal um Mal auf seiner Seite zu. Schnelligkeit gehört nicht zu den Superkräften des 23-Jährigen und so sah er in diversen Situationen nur die Hinterbeine der flinken RB-Offensivkräfte.

Die zweite Hälfte: Wer einen wacheren FC Bayern erwartet hätte, wurde enttäuscht. Der Rekordmeister agierte offensiv behäbig und defensiv bräsig. Ein missglückter Kopfball von Niklas Süle leitete den Führungstreffer für die Gastgeber ein. Über Kevin Kampl und Keita landete der Ball bei Werner, der aus halbrechter Position trocken einschießen konnte. Jupp Heynckes brachte unter anderem Franck Ribéry und Robert Lewandowski, doch außer einem Kopfball von Mats Hummels (62. Minute) blieben die Münchner ungefährlich. Das war erst der zweite Torschuss der Münchner. Auf der Gegenseite verließ Laimer vor Ulreich der Mut, als er freistehend den Abschluss verweigerte und den Pass in die Mitte nicht zum Mitspieler brachte. Und Werner? Der wurde leicht angeschlagen in der 83. Minute wieder ausgewechselt.

Lethargie mit Konsequenzen: Mit ihrer schlechtesten Saisonleistung unter Trainer Heynckes haben sich die Bayern womöglich einer perfekten Meisterkrönung beraubt. Eigentlich wollte man ja am 31. März im Samstagabendspiel gegen Borussia Dortmund den sechsten Titel in Folge perfekt machen. Sollten allerdings die Schalker nachmittags gegen den SC Freiburg gewinnen, wird daraus nichts. Nächste Terminoption wäre dann am 7. April im 57 Kilometer entfernten Augsburg. Das wäre zumindest eine halbe Heim-Meisterschaft.

Laufen, bis die Punkte kommen: Hasenhüttl konnte seine Mannschaft nach zuletzt vier sieglosen Ligaspielen wieder an die Erfolgsformel der Vorsaison erinnern. Mit hohem Laufaufwand setzten sie das Münchner Aufbauspiel dermaßen unter Druck, dass gerade die neu in die Mannschaft gekommenen Kräfte wie Süle, Sebastian Rudy und Juan Bernat große Probleme hatten, Ruhe in die Partie zu bringen.

Auf Abschiedstournee: Im Winter verwarfen die Leipziger Verantwortlichen die Idee, Keita bereits frühzeitig zum FC Liverpool wechseln zu lassen. Wie richtig diese Entscheidung war, zeigte sich in den Europa-League-Duellen gegen Zenit St. Petersburg und vor allem beim Spiel gegen die Bayern. Keita traf, Keita bereitete vor, Keita gewann entscheidende Bälle im Mittelfeld, setzte seine Mitspieler in Szene und als Ribéry seine Mannschaft mit einer unwirschen Aktion aufwecken wollte, war Keita ebenfalls beteiligt.



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doppelnass 18.03.2018
1. Puh
Zitat aus dem Artikel:"Eigentlich wollte man ja am 31. März im Samstagabendspiel gegen Borussia Dortmund den sechsten Titel in Folge perfekt machen." Niemand beim FC Bayern hat das jemals gesagt. Die Presse schreibt das die letzten Tage so lange, bis sie glauben, das käme von den Bayern selbst.
briancornway 18.03.2018
2. So kann's gehen
Sevilla wird sich dieses Spiel ganz genau anschauen, aber ob sie das so umsetzen können wie RB ? Fast im Stile eines Aufsteigers sah das richtig frisch und frech aus, war sicher auch anstrengend, aber an manchen Tagen ist das wohl das beste Mittel zum Erfolg.
Franke aus Hamburg 19.03.2018
3. #1
Doch, doch ... jeder beim FC Bayern hat gesagt, dass die Bayern gegen den BVB den Titel festmachen wollen. Genauso, wie man beim HSV täglich von der deutschen Meisterschaft und von internationalen Spielen spricht. Belustigend sind nur die Fußballfreunde, die diese dümmlichen Aussagen erstens glauben und zweitens voller Inbrunst weiterverbreiten. Ich fühle mit Ihnen.
Sal.Paradies 19.03.2018
4. Ist doch gut so
Zitat von doppelnassZitat aus dem Artikel:"Eigentlich wollte man ja am 31. März im Samstagabendspiel gegen Borussia Dortmund den sechsten Titel in Folge perfekt machen." Niemand beim FC Bayern hat das jemals gesagt. Die Presse schreibt das die letzten Tage so lange, bis sie glauben, das käme von den Bayern selbst.
Sei doch froh, dass es jetzt so wohl nicht kommen wird. Stell Dir vor, die Bayern "könnten" am 31.März Meister werden, verdatteln es aber "Dahoam", weil der BVB einen Punkt oder gar einen Sieg holt? Was wäre das für eine Erniedrigung und welch exzellente Steilvorlage für die Abteilung "Attacke", die darauf hin die "Wachablösung" verkünden würde. Würdest Du das wollen? Also, dann sei froh, dass die wackeren Leipziger "endlich" und völlig verdient gewonnen haben und dass Schalke gegen Freiburg nach einem wiederholten "Grottenkick" mit dem Standard-Ergebnis von 1:0 (Eigentor 89.Min) gewinnt. So könnt ihre bei einem Punktverlust gegen den BVB dann alles sagen, es hätte ja sowieso nicht gereicht. Ist doch auch was, oder... ;-)________________________PS: Ich habe schon lange keinen so schlechten 2.Platz mehr erleben müssen. Dahinter überzeugt eigentlich nur die SGE, deren Spiele man anschauen kann. Ansonsten ist das im Moment ganz schön viel Tristesse und wir hoffen alle, dass es jetzt gegen Ende nochmals besser wird. Wenigstens kommt im "Abstiegeskampf" so richtig Speed rein. Der HSV hat die rote Laterne und es scheint noch vieles möglich zu sein... :-)
twan 19.03.2018
5. Hmm
Sehr geehrter Franke aus Hamburg. Sie verwechseln da etwas. Beim haespfau sprechen Fußballinteressierte vor jeder Saison immer vom Abstiegskampf, nur der HaEsPfau selbst träumt immer vorher von komplett anderen Saisonverläufen. Und kommuniziert das auch noch nach außen.
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