RB Leipzig in der Bundesliga Wer hat die Bullen gerufen?

Es war nur eine Frage der Zeit: Mit dem Aufstieg von RB Leipzig hat Red Bull es geschafft, eine Werbeplattform in die Bundesliga zu bringen. Doch der Protest dagegen wird leiser.

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Für Ralf Rangnick ist die Saison deutlich besser gelaufen als die Feier danach. Bei der Flucht vor einer Bierdusche zog der Trainer von RB Leipzig sich einen Muskelfaserriss zu und musste die Pressekonferenz nach dem 2:0 gegen den Karlsruher SC, das den Aufstieg in die Bundesliga gesichert hatte, absagen.

Dafür sprach Angreifer Davie Selke, der den verletzt am Boden liegenden Rangnick noch mit Bier übergossen hatte: "Die Bundesliga darf sich auf eine Mannschaft freuen, die Bock hat - und auf eine Region, die fußballbegeistert ist."

Letzteres ist unbestritten. Mit 29.400 Zuschauern im Schnitt hat RB den zweithöchsten Zuspruch aller Zweitligisten, knapp hinter dem 1. FC Nürnberg. Die Akzeptanz in Leipzig ist hoch, das Einzugsgebiet, das sich über mindestens drei Bundesländer erstreckt, freut sich auf Erstliga-Fußball. Und die Erfahrung der letzten zwei Jahre zeigt, dass sich viele von denen, die eigentlich nur ein hochklassiges Spiel sehen wollen, nach dem zweiten Stadionbesuch einen RB-Schal kaufen.

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Sieg gegen Karlsruhe: Leipzigs späte Aufstiegsfeier

Auch in Sachen Infrastruktur hat RB Großes vor. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Mintzlaff will neue Einnahmequellen erschließen. Bisher sollen vor allem im Hospitality-Bereich, zu dem die VIP-Logen gehören, Gewinne erzielt worden sein. Unklar ist derweil, ob man den Bau eines neuen Stadions anvisiert, oder ob die bestehende WM-Arena ausgebaut werden soll. Dass man in der ersten Liga "wohl immer ausverkauft sein" wird, hat Rangnick genauso oft betont wie die Vermutung, dass "RB zu den Klubs gehören wird, die die meisten Fans zu Auswärtsspielen mitbringen." Das dürfte man in München, Dortmund, Schalke, Gladbach, Hamburg oder Köln mit Belustigung gehört haben.

Dort hält sich die Freude auf RB sowieso in Grenzen. Und das hat weniger mit Neid zu tun, wie in Leipzig gerne behauptet wird. Schließlich versagen selbst die größten Bayern-Hasser dem Rekordmeister nicht den Respekt für die gute Arbeit der letzten Jahrzehnte. Es geht eher um das Gefühl, dass da jemand so viel Geld hat, dass das Leistungsprinzip nicht mehr zählt. Und um den Bruch mit der 50+1-Regel, die den Einfluss von Investoren beschränken soll.

Die 50+1-Regel
Eine Klausel in der Satzung des DFB soll die Übernahme von Fußballklubs durch Investoren verhindern. Sie schreibt vor, dass Kapitalgesellschaften zwar Lizenzen für die Erste und Zweite Bundesliga erwerben können.

Das geht aber nur, wenn Vereine die Mehrheit an diesen Kapitalgesellschaften halten.

Mehrheit wird definiert als 50 Prozent der Stimmrechte zuzüglich einer Stimme. So erklärt sich die verbreitete Bezeichnung 50+1-Regel.

Investoren, die sich seit mehr als 20 Jahren bei einem Verein engagieren, dürfen eine Ausnahmegenehmigung von der 50+1-Regel beantragen. So gehören Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg mehrheitlich Konzernen (Bayer, Volkswagen) und die TSG Hoffenheim einem Mäzen (SAP-Gründer Dietmar Hopp).

Entscheidend für die 50+1-Regelung ist die Mehrheit der Stimmrechte, nicht die Mehrheit des investierten Kapitals.

Das RB-Wappen ist dem des Firmenlogos von Red Bull zum Verwechseln ähnlich. Die Hilfsbezeichnung "RasenBallsport" gebraucht der Club selbst fast nie, stattdessen wird von den "Bullen" oder "Roten Bullen" gesprochen. Der ehemalige DFL-Geschäftsführer Christian Müller spricht in dem ansonsten sehr wohlwollenden Buch "RB Leipzig, Aufstieg ohne Grenzen", dann auch von einem "Dammbruch". In Leipzig, wo es nur 17 "Mitglieder" gibt, sei die Regel erstmals verletzt worden: "Dass es ein 'Verein', dessen Rechtsform ein reiner Papiertiger ist, durch eine so krasse und augenfällige Umgehung der 50+1-Regel geschafft hat, wie eine zu 100 Prozent von einem Investor geführte GmbH zu operieren, ist ein Unding."

Wappen von RB Leipzig und Firmenlogo von Red Bull im Vergleich
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Wappen von RB Leipzig und Firmenlogo von Red Bull im Vergleich

Müller war bis 2014 Geschäftsführer bei Dynamo Dresden, das gerade den Aufstieg in die zweite Liga gefeiert hat. Dort will man sich als Gegenmodell zu RB positionieren, als mitgliedergeführter Verein, in dem Diskussionen erwünscht (und oft nötig) sind.

Bundesweit wird RB wohl bei allen Spielen mit unfreundlichen Transparenten und Parolen empfangen werden. Bei der Initiative "Nein zu RB" heißt es allerdings, der Protest habe an Schwung verloren, viele Erstligaszenen setzten derzeit andere Prioritäten.

Wenn Rangnick betont, sein Arbeitgeber werde eine Bereicherung für die erste Liga sein, hat er zumindest ein starkes Argument auf seiner Seite. Denn wo viele Traditionsvereine seit Jahren planlos Millionen versenken, hat RB mit viel Knowhow ein Nachwuchskonzept umgesetzt und eine erste Mannschaft auf die Beine gestellt, die attraktiven Fußball spielt.

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Kuriose Verletzungen: Rangnicks verhängnisvolle Flucht

Ab Sommer, wenn Rangnick wieder als Sportdirektor arbeitet, soll Ralph Hasenhüttl als Cheftrainer die erste Bundesligasaison bestreiten. Der Österreicher passt ins Konzept. Dass der FC Ingolstadt so souverän die Klasse hielt, hat primär mit seinem Coach zu tun, der dem FCI das aggressive Gegenpressing verordnete, das Rangnick seinen Mannschaften als einer der ersten in Deutschland beibrachte.

Kadertechnisch soll sich nichts Grundlegendes ändern. Rangnick will auch künftig "keinen holen, der schon 27 Jahre ist." Der Etat soll im Mittelfeld der ersten Liga rangieren. Eins steht allerdings fest: Sollten damit die Ziele nicht erreicht werden, wird nachgerüstet. Koste es, was es wolle.

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insgesamt 162 Beiträge
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manque_pierda 09.05.2016
1. naja
also man mag von Rangnick und Red Bull halten was man will, aber dieser Weg in die Bundesliga, ist der Einzige, der Bundesliga in Ostdeutschland ermöglichen kann. Das Gejaule der sogenannten Traditionsvereine ist verlogen. Selbst wenig "traditionelle" Westvereine wie Augsburg, Mainz oder Darmstadt zeigen doch auf, woran der VfB, Werder oder Kaiserslautern und Co. kranken, nämlich Professionalität. Ich hoffe es erwischt den VfB und irgendwann auch den HSV. Wer in Städten mit derartigen Potential nix auf die Reihe bekommt, ist einfach unfähig.
asdfred 09.05.2016
2.
Glückwunsch RB Leipzig. Ich werde sicher mit Frau und Kind wieder ein paar Spiele verfolgen denn einen Vorteil hat das Retortenclubimage im Gegensatz zur etablierten Konkurrenz der restliche Ostvereine: die Proletenquote an rumgrölenden und besoffenen Asis ist niedriger.
mapcollect 09.05.2016
3. Wo ist das Problem ?
Bundesliga ist nun mal in erster Linie Kommerz. Seh bei RB jetzt nicht den großen Unterschied zu anderen traditionellen Vereinen.
henson999 09.05.2016
4. Fürchterlich
Das jetzt so ein Kommerzverein in die erste Liga kommt, ist schrecklich. Ich kann verstehen, dass die alteingesessenen Vereine, bei denen Kommerz kein Thema ist, dies nicht wollen. Allen voran Bayern München, bei denen nur Fussball und kein Geld im Vordergrund stehen. Auch Vereine wie Bayer Leverkusen wollen sicherlich nicht, dass ein Verein in die erste Liga kommt, der so offensichtlich mit einer Firma zusammenhängt. Bisher war die erste Liga nur Sport aber JETZT kommt hier der Kommerz rein.
themistokles 09.05.2016
5. Das Ziel?
Klar ist ein Ziel, dass sich Red Bull selbst und sein Produkt transportieren möchte. Ehrlich gesagt aber auch verständlich, wenn man das Invest betrachten. Ich wage mal die Aussage, dass Red Bull im Moment mehr reingesteckt, wie es rausbekommen hat. Aber was ist letzendlich wirklich das Ziel bzw. was wird für die Fans (!) damit erreicht? Schönen und erfolgreichen Fußball zu zeigen. Ein Fußballereignis für die ganze Familie zu schaffen und eine bisher eher sportlich brach liegende Region aufzuwerten. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was daran schlecht sein soll. Neudeutsch gesagt eine Win-Win Situation für alle.
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