RB Leipzig gegen RB Salzburg Betriebssport in der Europa League

Es ist das passiert, worauf viele Fußball-Fans gewartet haben: RasenBallsport Leipzig trifft in der Europa League auf RedBull Salzburg. Wie unabhängig sind die beiden Klubs?

Ralf Rangnick
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Ralf Rangnick

Aus Leipzig berichtet Fabian Held


Wenn RB auf RB trifft, dann hat das natürlich etwas Besonderes. Zum einen, weil beide Vereine im Wesentlichen auf Initiative des Brauseherstellers Red Bull gegründet wurden. Zum anderen weil die Vereine lange eng miteinander verwoben waren.

Oliver Mintzlaff, jetzt Geschäftsführer bei RB Leipzig, war seit 2014 einige Jahre "Head of Global Soccer" bei Red Bull. Er verantwortete und koordinierte die verschiedenen Fußball-Projekte seines Arbeitgebers auf der ganzen Welt, also auch die in Leipzig und Salzburg.

Ebenfalls im Sommer 2014 machten die beiden Schwestervereine mit dem Wechsel von Marcel Sabitzer Schlagzeilen. Das Offensiv-Talent stand bei Rapid Wien unter Vertrag, wurde dann von Leipzig dank einer Auslandsklausel gekauft und direkt nach Salzburg weiter verliehen.

Dietrich Mateschitz
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Dietrich Mateschitz

Vor allem bei traditionsbewussten Fans stößt dieses Modell auf wenig Gegenliebe. Seit RB Leipzig aber in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist und damit die strengeren Lizenz-Auflagen der DFL gelten, wurden die beiden Fußball-Vereine entflochten. Personell und juristisch. Den Anfang machte Ralf Rangnick selbst, der drei Jahre für beide Vereine als Manager tätig war und dann das erste Mal Trainer in Leipzig wurde. "Alle weiteren Schritte wurden jetzt in den letzten zwei Jahren vollzogen", meint das RB-Mastermind.

"Wenn man so will, ist es ein Derby"

Die Zulassung zur Champions League im vergangenen Jahr und zur Europa League in diesem Jahr sei ein Beweis, dass beide Vereine voneinander gelöst sind, findet Rangnick. Auch über eine mögliche Verzerrung macht er sich keine Sorgen: "Wenn man so will, ist es ein Derby. Jeder will beweisen, dass er der bessere ist. Über die Wettbewerbsfähigkeit muss sich keiner Sorgen machen. Da ist so viel Brisanz und Feuer drin".

Auch in Salzburg, unweit der Red-Bull-Konzernzentrale, freut man sich auf das Aufeinandertreffen. Manager Christoph Freund sprach von einem "speziellen Duell". Trainer Marco Rose, gebürtiger Leipziger, sagte: "Ich darf nach Hause".

Die Personalie Rose zeigte im Sommer, dass sich Salzburg mittlerweile emanzipiert hat. Denn der Ur-Leipziger soll einer der Nachfolge-Kandidaten für Ralph Hasenhüttl bei RasenBallsport gewesen sein. Nachdem die Gerüchte-Küche hochkochte, verlängerte Rose überraschend und blieb in Österreich.

Eine Verbindung wird es immer geben

Auf der Suche nach einem Ersatz für den nach Liverpool abgewanderten Naby Keita blickte Rangnick erneut in Richtung Alpen. Das Objekt der Begierde: Amadou Haidara, ähnlicher Spielertyp wie Keita, blutjung, sehr talentiert. Ein Rangnick-Transfer. Doch auch hier schob Salzburg den Riegel vor und verlängerte mit Haidara bis zum Jahr 2022. "Ohne Ausstiegsklausel", wie der Verein - sicher nicht ohne Stolz - verkündete.

Naby Keita
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Naby Keita

Eine Verbindung wird es aber immer geben. "Ich habe vieles mitaufgebaut, was daraus entstanden ist", meint Rangnick. Die Spielphilosophie, die Suche nach Talenten, Trikot-Farbe und Design: Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Das macht es für Leipzig aus sportlicher Sicht attraktiv, Spieler aus Salzburg abzuwerben. So wie einst Keita, der nun für großes Geld in die Premier League gewechselt ist. Fünf weitere Spieler aus dem aktuellen Leipziger Kader kamen aus Salzburg. Umgekehrt haben drei aktuelle Salzburger vorher in Sachsen gespielt.

Auch aus Gründen des Financial Fairplay versucht sich gerade Leipzig mehr und mehr unabhängig von Red Bull zu machen, auch wenn die Millionen des Brause-Herstellers noch immer einen großen Anteil am Sponsoren-Kuchen ausmachen dürften. Beide Klubs wollen den Eindruck vermitteln, sich voneinander zu lösen. Ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe in der Europa League kommt da gerade recht. Einen zuckrigen Beigeschmack behält dieses Duell jedoch nach wie vor.



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
hamburger.jung 31.08.2018
1.
Die Gründer des Europapokals hätten sich wohl niemals ausgemalt, dass bei einem Duell das Ergebnis hinter den Kulissen vorher abgesprochen bzw. pro Leipzig befohlen wird. Deutschland istt schließlich der interessantere Werbemarkt für RB. Schon verrückt, dass zwei Länder aus einem Land zunächst nicht gegeneinander spielen dürfen, zwei aus einer Firma aber schon. Allerdings sollte man den Ehrgeiz der Salzburger Spieler und Fans nicht unterschätzen. Seit Jahren werden die Spieler in bester Dynamo-Ostberlin-Manier nach Leipzig delegiert ( im RB-Sprech nennt man das witzigerweise "transferiert"). Darüber herrscht in Salzburg große Verärgerung. Nicht, dass die befohlenen 6 Punkte womöglich nicht komplett in Leipzig landen....
ge1234 31.08.2018
2. Doch...
Zitat von hamburger.jungDie Gründer des Europapokals hätten sich wohl niemals ausgemalt, dass bei einem Duell das Ergebnis hinter den Kulissen vorher abgesprochen bzw. pro Leipzig befohlen wird. Deutschland istt schließlich der interessantere Werbemarkt für RB. Schon verrückt, dass zwei Länder aus einem Land zunächst nicht gegeneinander spielen dürfen, zwei aus einer Firma aber schon. Allerdings sollte man den Ehrgeiz der Salzburger Spieler und Fans nicht unterschätzen. Seit Jahren werden die Spieler in bester Dynamo-Ostberlin-Manier nach Leipzig delegiert ( im RB-Sprech nennt man das witzigerweise "transferiert"). Darüber herrscht in Salzburg große Verärgerung. Nicht, dass die befohlenen 6 Punkte womöglich nicht komplett in Leipzig landen....
... die befohlenen 6 Punkte werden in Leipzig landen. Und zwar auf Anordnung der Marketingleitung in Fuschl am See und genau aus dem Grund, den sie genannt haben, weil nämlich der deutsche Markt größer und damit wichtiger ist als der österreichische. Vielleicht werden dann jetzt endlich all denen die Augen geöffnet, die immer noch glauben, RBL wäre ein echter Fussballverein, dessen Hauptanliegen ist, den BuLi-Fussball wieder zurück in den Osten zu bringen.
mister_n 31.08.2018
3. Was soll man dazu sagen?
Man kann sich darüber aufregen, wundern oder was weiß ich. Fußballerinnen mag das Spiel zweier Rangnick-Teams und Talentmannschaften ja interessant sein. Ich glaube aber, dass schlimmste was man zu dem Brause-Duell sagen kann: es ist mir egal. Einfach mit Mißachtung strafen.
sachsenradar 31.08.2018
4. Fußball für Klatschpappen
RB Leipzig ist kein Verein, sondern eine Firma. Der "Verein" hat 13 Mitglieder, alles leitende Angestellte von Mateschitz. Dieser "Verein" hält 100% an der Lizenzspielertruppe und erfüllt somit formal die 50+1 Regel. Inhaltlich aber ein Offenbarungseid. Dem Träger-"Verein" hätte niemals vom Amtsgericht Leipzig die Vereinseigenschaft zugesprochen werden dürfen. Aber das ist halt Sachsen. Da gelten keine deutschen Gesetze. Wirtschaftliche Vereine werden im restlichen Deutschland ins Handelsregister und nicht ins Vereinsregister eingetragen. Der Verein ist illegitim. Aber wer prozessiert gegen Mateschitz, den Milliardär? In Sachsen? Richtig, ein sinnloses Unterfangen. Die DFL hätte dieses Konstrukt niemals durchwinken dürfen, denn die sitzen in Frankfurt. Aber Mateschitz hatte wohl bare Argumente. So entsteht Verdruss und Frust auf den Rechtsstaat, wenn dieser von wenigen ausgehebelt wird, während die große Masse ihn respektieren muss.
Denki Groove 31.08.2018
5. Das übliche Gelaber
hat ja nicht lange gedauert bis die Kritiker aus den Löchern kriechen. Weiter so - somit haben viele hier ein unterhaltsamen Samstag wenn sie das Genörgel der ewig Gestrigen hier lesen.
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