Drei Thesen zur Bundesliga Leipzigs Niederlage war nur ein Betriebsunfall

RB Leipzig muss sich trotz der klaren Pleite in Dortmund nicht von seinen ehrgeizigen Zielen verabschieden. BVB-Trainer Favre stärkt das Dortmunder Mittelfeld. Vielleicht wird der Titelkampf doch spannender als gedacht.

Peter Gulácsi
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RB Leipzig hat sich in den zwei Jahren seit dem Aufstieg in der Bundesliga-Spitze festgesetzt. Genauso erfolgreich soll es weitergehen - und das wird es auch. Dass Leipzig bei einem direkten Konkurrenten um die Champions-League-Ränge 1:4 verloren hat, hört sich deutlich an - doch so groß war der Unterschied gar nicht.

Nach dem Blitzstart mit Augustins 1:0 waren die Sachsen bis zum Ausgleichstreffer das deutlich überlegene Team. Die offensive und variable Spielweise mit dem druckvollen Pressing fast bis an die Eckfahnen ließen die Borussen lange schlecht dastehen. Mit dem Ausgleich durch Mahmoud Dahoud kam ein Bruch ins Leipziger Spiel, der den effizienten BVB-Akteuren eine 3:1-Pausenführung bescherte.

Ihr wahres Gesicht zeigte die Rangnick-Elf erst wieder nach dem Seitenwechsel. Trotz des Zwei-Tore-Rückstands - und nur drei Tage nach dem Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Luhansk - imponierte Leipzig mit körperlicher und mentaler Stärke, Passsicherheit und vielen Offensivaktionen. Die vier Abschlüsse aufs Tor (bei sechs Versuchen) hatten nur keine Treffer zur Folge, weil BVB-Keeper Roman Bürki einen starken Tag erwischte. Kann Leipzig diesen Spielstil regelmäßig auf den Platz bringen, stellt man die defensiven Unkonzentriertheiten ab und werden die Neuzugänge noch besser ins RB-Schema eingepasst, werden sich Erfolge automatisch einstellen.

Dortmunds neues Prunkstück

Borussia Dortmund zeichnete sich in den vergangenen Jahren vor allem durch eine spektakuläre Offensive aus. Das Prunkstück des BVB in der neuen Saison scheint aber nicht die Offensive zu sein, sondern das Mittelfeld - die Schaltzentrale des Spiels von Trainer Lucien Favre.

Das liegt weniger am fehlenden Spektakel im Dortmunder Sturm, das gibt es immer noch. Vielmehr liegt es an zweieinhalb Neuverpflichtungen: Thomas Delaney, Axel Witsel und Mahmoud Dahoud. Während Delaney und Witsel in ihre Premierensaison in Schwarz-Gelb gestartet sind, ist Dahoud schon etwas länger in Dortmund - scheint aber erst jetzt richtig angekommen. Und das liegt vor allem an seinen Nebenmännern. Während Delaney gegen Leipzig den Abräumer machte, zeigte sich Witsel für den Spielaufbau verantwortlich, hatte mit 68 Ballaktionen die meisten aller Dortmunder.

Dahoud stopfte indes Löcher, schaltete sich immer wieder in die Offensive ein. Am Ende der Partie gegen Leipzig war er 12,93 Kilometer gelaufen, hatte vier Torschüsse abgesetzt - die meisten aller Spieler auf dem Feld. Es schien, als wüsste jeder der drei zentralen Spieler genau, was er zu tun hatte, was Favre von ihm sehen wollte. Das neue 4-3-3 des BVB funktioniert. Wurden gegen Greuther Fürth im Pokal noch Kinderkrankheiten sichtbar, musste RB Leipzig als Beweisstück herhalten.

Kein langweiliger Meisterschaftskampf mehr

Oft wurde in der Vergangenheit der Bayern-Konkurrenz im oberen Tabellendrittel vorgeworfen, dass sie die sich bietenden Schwächen des FCB nicht ausgenutzt hat.

Auch wenn das Supercup-Finale gegen Eintracht Frankfurt anderes vermuten ließ: Das könnte in dieser Saison anders werden. Das zeigte spätestens das Eröffnungsspiel der neuen Bundesligasaison gegen 1899 Hoffenheim. Einen - zumindest fragwürdigen - Elfmeter brauchte der Rekordmeister. Klar, auch zwei Abseitstore erzielten die Münchner. Gegen Mannschaften, die wirklich mitspielen, wirklich punkten wollen, könnte die Mannschaft von Niko Kovac aber Probleme bekommen.

Dazu kommt die neue Aufmüpfigkeit der Konkurrenz: Hoffenheim hat durch Trainer Julian Nagelsmann ("Wir wollen Titel") jedenfalls seine Kampfansage formuliert. Dortmund und Leipzig haben genau wie Mönchengladbach schon am ersten Spieltag belegt, dass sie starken Offensivfußball spielen wollen und können - und das nicht nur gegen unterlegene Teams. Von den Top-Sechs der Vorsaison blieben Schalke und Leverkusen zum Saisonauftakt unter ihren Möglichkeiten, aber auch diese beiden Teams sind personell so besetzt, dass sie früher oder später oben angreifen werden.



insgesamt 17 Beiträge
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torflut 27.08.2018
1. eine gute Nachricht
Nicht einmal ein Fan des FC Bayern hätte etwas dagegen wenn die Saison einen echten Titelkampf bieten würde. Und selbst mir geht es inzwischen auf den Zeiger, Tore vom Schiri geschenkt zu bekommen. Für die Flugshow des FR darf es nie und nimmer einen Strafstoß geben. Ich hoffe die Meisterschaft wird am Ende sportlich entschieden!
spiegkom 27.08.2018
2. Unproffessionelle Kickerei
Beide Teams lieferten eine unproffessionelle Kickerei. Bayern München ist wenigstens zeitweise in der Lage, so etwas wie geübten und wirklich guten Fussball zu spielen. Leipzig und Dortmund noch nicht einmal ansatzweise. Mit Ausnahme von Witzel. Der bleibt genau ein Jahr bei Dortmund, dann wechselt er entweder zu Bayern, Real, Athletico, Barcelona oder Juve. Zurecht.
Berlin1261 27.08.2018
3. Ehrlich?
Zitat von spiegkomBeide Teams lieferten eine unproffessionelle Kickerei. Bayern München ist wenigstens zeitweise in der Lage, so etwas wie geübten und wirklich guten Fussball zu spielen. Leipzig und Dortmund noch nicht einmal ansatzweise. Mit Ausnahme von Witzel. Der bleibt genau ein Jahr bei Dortmund, dann wechselt er entweder zu Bayern, Real, Athletico, Barcelona oder Juve. Zurecht.
Ich fand, es war ein munterer Kick, das Zuschauen hat Spaß gemacht. Trotz des dann 3:1 hatte ich zumundest den Eindruck, dass der RB jederzeit zurückkommen könnte. Aber da stand ja ein Bürki. Unprofessionell würde ich dieses Spiel nun wirklich nicht nennen. Aber sicherlich gibts für beide Mannschaften noch viel zu tun, um etwas gegen eine weitere Meisterschaft des FC Bayern zu tun. Zum Bayernspiel kann ich nichts sagen, das habe ich nicht gesehen.
Papazaca 27.08.2018
4. Hätte, hätte Fahrradkette ....
Interessante Spielinterpretation. Wenn Bürki nicht so gut gehalten hätte ... Richtig. Hat er aber. Und wenn Leipzig nicht so ein frühes Tor geschossen hätte? Ehrlich, man kann viel spekulieren. Es war ein gutes Spiel von beiden Mannschaften. Der BVB muß als Mannschaft noch zusammen finden, was ja normal ist. Und muß sich auf einzelne Positionen noch verbessern: Knipser, Außenverteidiger. Auch Bürki, obwohl er gut gehalten hat, ist nicht Immer ein Spitzentorwart. Zu Leipzig kann ich nicht soviel sagen, da fehlen mir einfach die Kenntnisse. Die doppelte Belastung ist aber sicher ein Problem, wenn man nicht auf allen Positionen doppelt besetzt ist. Und der kämpf um die Meisterschaft? Aus Dortmunder Sicht freue ich mich, wenn der BVB sich auf gutem Niveau stabilisiert. Jeder, der von Meisterschaft spricht oder denkt, sollte sich an die letzte Seuchen -Saison erinnern. Also schön realistisch bleiben. Träumen ist aber erlaubt.
OhMyGosh 27.08.2018
5.
Welcher FC Bayern? Im Ernst, eine endlich einmal spannende BuLi-Saison, vielleicht gar mit einem Meister, der nicht an der Säbener Straße residiert, könnte uns schlagartig die mehr als peinliche WM-Blamage vergessen lassen.
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