Unentschieden im Spitzenspiel Tempo, Hektik, viele Fehler

In einem attraktiven, aber hektischen Spiel haben es RB Leipzig und Borussia Dortmund verpasst, einen wichtigen Schritt in Richtung Champions League zu gehen. Die Partie zeigte, was beiden Teams fehlt.

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Aus Leipzig berichtet Fabian Held


Tempo, das hatte das Topspiel im eiskalten Leipzig. Daneben gab es aber auch Hektik und viele Fehler. So stand am Ende ein leistungsgerechtes 1:1 (0:0), das beiden Mannschaften im Kampf um die Champions-League-Plätze nur bedingt weiterhilft. Schließlich hatten die direkten Konkurrenten Frankfurt, Schalke und Leverkusen am Nachmittag ihre Partien gewonnen. Leipzig und Dortmund verpassten es nachzuziehen.

Exemplarisches für die Partie tat sich in der 63. Minute: Mo Dahoud tankte sich durch den Leipziger Strafraum, wie beim Flipper-Automaten sprang der Ball zwischen drei Verteidigern umher. Am Ende stocherte Dortmunds Mittelfeldspieler den Ball in Richtung Fünfmeterraum. Dort brachte der freistehende Michy Batshuayi das Kunststück fertig, den Ball nicht zu treffen. Viel Einsatz, wenig Ertrag.

Eine von mehreren zufällig entstandenen Chancen, die dann teils sträflich vergeben wurden - auf beiden Seiten reichte die Leistung nicht für einen Sieg. "Für uns ist das Ergebnis okay. Vieles war gut, wir haben den Abstand gehalten", bilanzierte Dortmunds Trainer Peter Stöger nach 90 Minuten, in denen Jean-Kévin Augustin die Gastgeber in der 29. Minute in Führung brachte, bevor Marco Reus neun Minuten später den Endstand erzielen konnte.

Ein Rennen bis zum Schluss

"Man hat beiden Mannschaften angemerkt, dass die letzte Entscheidung vor dem Tor nicht immer die beste war", sagte Leipzigs Coach Ralph Hasenhüttl und ergänzte: "Der Punkt ist für Dortmund sicher wertvoller." Eine gewagte Interpretation des Ergebnisses, denn wie der BVB will auch RB in der kommenden Saison bei den Großen in Europa dabei sein. Und nicht nur sie: "Es wird bis zum Schluss ein Rennen von fünf Mannschaften um drei Plätze sein. Das wird sich wahrscheinlich am 34. Spieltag entscheiden."

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Leipzig vs. Dortmund: Ein Wurf mit Folgen

Für die Dortmunder war die Partie in Leipzig ein Spiegelbild der vergangenen Wochen: Das Verschieben im Mannschaftsverbund klappte, die Gastgeber fanden so kaum Räume für ihre schnellen Kombinationen. Allerdings geht dem BVB weiterhin eine fruchtende Spielidee ab.

Dabei war immerhin zu sehen, wie die Gäste theoretisch erfolgreich sein wollten. Vor allem Steilpässe in die Schnittstellen der Abwehr waren das Rezept, allerdings fehlte das Timing. Allein in der ersten Halbzeit standen die Schwarz-Gelben fünf Mal im Abseits, zwei Tore wurden deshalb vom Linienrichter aberkannt.

Zu viele Fehler auf diesem Niveau

Dazu erlaubten sich beide Mannschaften alleine im ersten Durchgang jeweils über 30 Fehlpässe. Zu viele auf diesem Niveau. "Man hat eine gewisse Nervosität gespürt. Dass viele Fehler im Spiel waren, das habe ich auch gesehen", sagte Hasenhüttl, der sich derzeit einer wachsenden Kritik rund um den Klub gegenüber sieht.

Zeichnete RB in der abgelaufenen Spielzeit die Fähigkeit aus, jederzeit zurückschlagen zu können, so sieht das neun Spieltage vor Ende dieser Saison anders aus. Wie bereits in den vergangenen Wochen auch, fehlte in den finalen Pässen die Präzision. Mehr noch: Das erfolgsverwöhnte Publikum schien mit der Punkteteilung nicht einverstanden, Rückpässe wurden gegen Spielende mit Pfiffen kommentiert.

Den beiden Trainern schienen die verpassten Punkte hingegen schon kurz nach der Partie nicht mehr viel anzuhaben: "Für Beamtenfußball seid ihr aber ganz schön flott unterwegs", sagte Hasenhüttl in Richtung Stöger. "Für Krise auch", entgegnete dieser.

Die gute Laune konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide in der vorangegangenen Partie eher zwei Punkte verloren, als einen gewonnen haben. Aber die Entscheidung über die Champions-League-Plätze fällt laut Hasenhüttl ja ohnehin erst am 34. Spieltag.



insgesamt 10 Beiträge
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geradsteller 04.03.2018
1. Womit der Trainer....
Mit dem letzten Satz absolut recht hat. Und das ist gut so, auch in einer ansonsten oben langweilig gekauften Liga. Gönne es jedem vor allem jedem Zuschauer die Spannung
Papazaca 04.03.2018
2. Richtig: Gutes Spiel mit Fehlern
Aber allein schon die Dortmunder Abseitstore zeigten, was möglich ist. Aber auch, was fehlt. Die Situation des BVB hat sich stabilisiert, aber für einen spielerischen Sprung nach oben braucht es einige Spieler auf zentralen Positionen (defensives Mittelfeld, ein zusätzlicher Torwart, ein Batshuayi - um ein paar zu nennen). Und bei Stöger bin ich mir nicht sicher, ob seine psychologische Ausstrahlung und Spielweise nur für Stabilisierung oder für Neuanfang steht. Großes Fragezeichen? Es geht beim BVB aufwärts. Aber ein klares Bild sieht anders aus.
uksubs 04.03.2018
3. erhebliche verbesserung beim bvb
also immer nur unkenrufe? im gegensatz zu allen letzten spielen war das für den bvb ein enormer fortschritt. auch wenn leipzig schwächelt derzeit -man muss sich erstmal in leipzig diese anzahl an chancen erspielen. auch ist der bvb nach dem 0:1 nicht verunsichert gewesen. inn der zweiten halbzeit war es dann zerfahrener, aber das tempo in der ersten war auch sehr hoch. also ich denke, darauf kann man aufbauen, wie man so sagt.......
forky 04.03.2018
4. Naja
Naja, so schlecht war das doch nicht beim BVB. Es scheint, als würde sich Dahoud in die Zentrale neben Weigl gespielt zu haben. Wenn er defensiv noch zehn Prozent drauf legt, dann wächst da was zusammen. Vor allem sind die zwei noch jung, das hat Perspektive. Die fab four vorne brauchen halt noch viel Spielzeit undf Training miteinander, damit jeder weiß, was der andere macht. Die Ansätze sahen jedenfalls spektakulär aus. Und die Innenverteidigung scheint sich auch gefunden zu haben. Die kannst Du eigentlich alle ins Spiel werfen. Das klappt. Bleibt die Dauerbaustelle bei den Außenverteidigern. Wenn Schürrle dem Schmelzer nicht geholfen hätte, wäre der wieder baden gegangen. Und Piszcek wird sich nicht mehr berappeln. Da muss man im Sommer was tun. Also Perspektive. Ob allerdings Stöger mit seiner Körpersprache geeignet ist, einen begeisternden Fußbal zu initiieren - da habe ich meine Zweifel.
Attila2009 04.03.2018
5.
Bevor wieder wüste Kaffeesatzleserei losgeht: Fußball ist auch ein Glücksspiel ( sonst gäbe es keine Fußballwetten ) Beide Mannschaften hatten Chancen zu gewinnen und wäre irgendwo ein Ball mit etwas Glück abgefälscht über die Linie getrudelt würden Analysten tiefschürfend analysieren und erklären warum der jeweilige Sieger gesetztmäßig einfach zwingend gewinnen mußte. Hier trafen zwei spielerisch und taktisch gleichwertige Mannschaft aufeinanander die sich weitgehend neutralisiert haben. Fußballerisch können oder konnten beide Mannschaften mehr, da sind beide nicht mehr auf dem Level wo sie mal waren. Ich bin nur gespannt wie lange Hasenhüttl noch das Wohlwollen von Mateschitz hat. Mit dem teuren Kader sollte etwas mehr drin sein und auch Stöger dürfte sich nicht sicher fühlen dass er im Sommer noch dabei ist. Das ist noch nicht der BVB wie ich ihn kenne.
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