Reaktion auf TV-Auftritt Hoeneß attackiert Klinsmann und Jauch

Das nennt man deutliche Worte: Uli Hoeneß hat Jürgen Klinsmann heftig kritisiert. Während seiner Zeit als Trainer habe der Schwabe kaum konkrete Vorschläge gemacht - auch das Verhältnis zur Mannschaft sei belastet gewesen. Sogar Moderator Jauch bekam eine Verbal-Watsche.


Hamburg - Gerade hat der FC Bayern den Einzug in die Champions League geschafft, doch von Entspannung ist bei Manager Uli Hoeneß nichts zu sehen. Jetzt rechnet er mit Ex-Trainer Jürgen Klinsmann ab, der kürzlich bei RTL-Moderator Günther Jauch über seinen Rauswurf berichtet hatte - und wie sehr ihn das überrascht habe.

"Ich habe Jürgen nach dem Spiel in Barcelona am Donnerstag privat bei mir zu Hause gesagt: Wenn wir noch ein Bundesliga-Spiel verlieren, wird es eng für dich. Deshalb war ich sehr überrascht, dass er darauf nicht vorbereitet gewesen sein will", sagte Hoeneß.

Bayern-Manager Hoeneß (r.): "Wenn du geschwiegen hättest ..."
AP

Bayern-Manager Hoeneß (r.): "Wenn du geschwiegen hättest ..."

"Ich habe in Latein gelernt: Si tacuisses, philosophus mansisses - das bedeutet: Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben", so Hoeneß weiter.

Klinsmann sei der Trainer in der Geschichte des FC Bayern mit der größten Machtfülle gewesen, sagte Hoeneß im DSF. "Seine Wünsche wurden nicht erfüllt, sondern übererfüllt. Davon zu reden, er habe nicht durchsetzen können, was er wollte, ist falsch." Klinsmanns einziger konkreter Vorschlag sei die Verpflichtung von Landon Donovan gewesen, "von dem Hermann Gerland sagt, der würde bei ihm nicht mal in der zweiten Mannschaft spielen". Gerland war von 1990 bis 1995 und ab 2001 Coach der zweiten Mannschaft der Bayern, anschließend diente er fünf Spiele lang Klinsmann-Nachfolger Jupp Heynckes als Assistent. In dieser Funktion soll er auch unter dem neuen FCB-Coach Louis van Gaal arbeiten.

Es sei "ein Riesenunterschied", sagte Hoeneß über den früheren Bundestrainer Klinsmann, "eine Nationalmannschaft oder eine Bundesliga-Mannschaft zu trainieren. Wenn ich beim Nationalteam ein Problem mit einem Spieler habe, kann ich den austauschen - das geht im Verein nicht". Für Klinsmanns Rauswurf "waren am Ende nicht die Ergebnisse entscheidend, sondern das Verhältnis zur Mannschaft". Das war laut Hoeneß lange nicht so positiv, wie Klinsmann es zuletzt dargestellt hatte.

Auch der "Gefälligkeitsjournalist" (Hoeneß) Günther Jauch, der Klinsmann interviewt hatte, bekam sein Fett weg. Hoeneß mutmaßte, Klinsmanns Berater Roland Eitel (Hoeneß: "diese Eitel-Mischpoke") habe "die Fragen vorher aufgeschrieben und Jauch hat sie vorgelesen. Sowas kennen wir ja." Eitel wollte am Sonntag auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid) keinen Kommentar dazu abgeben.

Jauch habe Klinsmann "eine Plattform gegeben, Dinge zu erzählen, die nicht stimmen, ohne kritische Fragen zu stellen", sagte Hoeneß. Jauchs Aussage, Klinsmann sei "der Barack Obama des deutschen Fußballs", brachte ihn richtig auf: "Wenn Jürgen der Obama des deutschen Fußballs ist, dann bin ich Mutter Teresa."

Klinsmann musste nach dem 0:1 gegen Schalke 04 am 29. Spieltag gehen. Zu spät? Dazu Hoeneß: "Nein, wir haben reagiert, als wir das Gefühl hatten, die Champions-League-Qualifikation ist in Gefahr." Aber: "Wenn wir immer so gespielt hätten wie in den letzten fünf Spielen - wissen Sie, wie die Tabelle dann ausgesehen hätte? Rechnen Sie doch mal hoch!" Mit Übergangstrainer Heynckes holten die Bayern 13 von 15 möglichen Punkten. Trotz allem beschloss Hoeneß die kurze Ära Klinsmann mit einem versöhnlichen Fazit: "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es einen Versuch wert war."

Heynckes weist Klinsmann-Verdacht zurück

Auch Jupp Heynckes meldete sich zu Wort: Der Interimstrainer bestritt den von Klinsmann geäußerten Verdacht, er habe nicht nur zufällig bei dessen letztem Spiel vor der Entlassung als Trainer des FC Bayern München auf der Tribüne der Münchner Arena gesessen. "Wer mich kennt, weiß, dass ich so etwas nie tun würde", sagte Heynckes.

Der 64-Jährige hatte am 25. April bei der Niederlage gegen Schalke auf der Ehrentribüne zugeschaut. Er habe sich wegen einer mehrere Wochen zuvor ausgesprochenen privaten Einladung seines Freundes und Bayern-Managers Uli Hoeneß hin mit seiner Frau in München aufgehalten, so Heynckes.

"Natürlich kann man das nicht glauben", hatte Klinsmann die Darstellung der Bayern-Führung und auch seines Trainer-Kollegen angezweifelt. Zwei Tage nach dem Spiel wurde Klinsmann entlassen, Heynckes sprang als Retter ein. "Dass die Ereignisse sich überschlugen, war nicht abzusehen", sagte Heynckes.

wit/sid/dpa

insgesamt 513 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Der Vogel, 14.05.2009
1.
Nach: Bayern – Wer wäre der richtig Trainer für den Verein? und Bayern München - wohin führt der Weg? endlich mal ein Bayern-Thread, wurde auch Zeit!
Schwabenpower 14.05.2009
2.
Zitat von sysopMeister, Champions League- und Weltpokalsieger: Der FC Bayern setzt mit Louis van Gaal auf einen erfahrenen Trainer für die kommenden zwei. Wird der Niederländer die Bayern wieder zurück in die Erfolgsspur führen? Welche Spieler sollte er holen, welche aussortieren?
Für die kommenden zwei Monate ist er sicherlich der richtige Mann. Aussortierung: Sturm: Toni (noch kriegt UH ein paar Millionen für den Mann) Klose (Dauerverletzter) Mittelfeld: Zé (Alter) Ribery (hohe Ablösesumme erzielen) Defensive: Oddo (Kastastrophe) Lell (Katastrophe) Demichelis (Katastrophe) Ottl (Katastrophe) Neuverpflichtungen: Sturm: Forlán (Atlético ; will weg ; refinanziert über Toni) Quagliarella (Udinese) Robben(?) (Real ; wird wohl ausgemistet) Mittelfeld: Van der Verrat (Real ; wird ausgemistet) Joaquín (Valencia) Defensive: Clerc (Lyon) Metzelder (Real) Simunic (Hertha) Tor: kein Handlungsbedarf
razio 14.05.2009
3.
Zitat von sysopMeister, Champions League- und Weltpokalsieger: Der FC Bayern setzt mit Louis van Gaal auf einen erfahrenen Trainer für die kommenden zwei. Wird der Niederländer die Bayern wieder zurück in die Erfolgsspur führen? Welche Spieler sollte er holen, welche aussortieren?
Toni sollte gehen, ist zwar schön einen "Namen" in der Mannschaft zu haben der möglicherweise auf dem Papier schon die gegnerische Abwehr zittern lässt, aber was letztendlich rauskommt ist "Toni-Chancentod".
krafts 14.05.2009
4.
Zitat von sysopMeister, Champions League- und Weltpokalsieger: Der FC Bayern setzt mit Louis van Gaal auf einen erfahrenen Trainer für die kommenden zwei. Wird der Niederländer die Bayern wieder zurück in die Erfolgsspur führen? Welche Spieler sollte er holen, welche aussortieren?
Wenn ich das wüsste.... Wobei man sagen muss, dass der FCB die letzten Jahre gar nicht so unerfolgreich war. Aussortieren sollte er Lell, Oddo, Borowski, Ottl, Ribery bei hoher Ablösesumme
gehlhajo, 14.05.2009
5.
Zitat von Der VogelNach: Bayern – Wer wäre der richtig Trainer für den Verein? und Bayern München - wohin führt der Weg? endlich mal ein Bayern-Thread, wurde auch Zeit!
Nu' echauffieren Sie sich mal nicht so. 3 Bayern-Threads gleichzeitig ist hier ganz normaler Durchschnitt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.