Real-Coach Mourinho Der Meister des hässlichen Spiels

Nichts hasst Real-Coach José Mourinho so sehr wie Niederlagen gegen den FC Barcelona - das sind für ihn persönliche Demütigungen. Bei den Katalanen hat er seine große Trainerkarriere als kleiner Assistent angefangen. Seitdem leidet der 48-Jährige an einem Minderwertigkeitskomplex dem Verein gegenüber.

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Der Schiedsrichter war gegen ihn, der europäische Fußballverband Uefa ist gegen ihn, der Erzrivale FC Barcelona und dessen Trainer Josep Guardiola ohnehin - für José Mourinho muss die Welt an diesem Mittwochabend wieder vollkommen in Ordnung gewesen sein. Für den Trainer von Real Madrid ist eine Welt ohne Gegner schließlich undenkbar.

Der 48-Jährige scheint sich immer dann am wohlsten zu fühlen, wenn er sich umgeben von Feinden wähnt. Am Mittwoch nach der 0:2-Heimpleite gegen den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League sah er sich denn auch wieder bestätigt: alle gegen Real, alle gegen Mourinho. Das ist die Weltsicht des Trainers. Daraus schöpfen er und die von ihm trainierten Teams ein gutes Stück ihrer Motivation.

Es ist immer das Mourinho-Prinzip gewesen: sich Feinde zu erschaffen und dann dem eigenen Team einzutrichtern, man sei umzingelt von ihnen und müsse sich gegen sie wehren. Aber nirgendwo hat er dieses Prinzip innerhalb kurzer Zeit so perfektioniert wie bei Real Madrid. In das Champions-League-Duell mit Barcelona gingen Mourinhos Männer wie Krieger einer Armee. Mit dem einzigen Ziel, das Spiel des Gegners zu zerstören. Mit fast allen Mitteln.

Körperliche Härte als einziges Bestreben

Statt als Gastgeber im heimischen Stadion Druck auf den Gegner zu machen, zumindest den Versuch zu starten, spielerische Dominanz auszuüben, war das einzige Bestreben von Real, die Mannschaft von Barcelona durch körperliche Härte zu beeindrucken. Allen voran ging Verteidiger Pepe, von der "Süddeutschen Zeitung" zuletzt "Mourinhos Elitesoldat" genannt - und nach einer Stunde Spielzeit in überharter Interpretation seines Dienstes mit der Roten Karte bestraft.

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José Mourinho: Markenzeichen Erfolg

Mourinho hatte sein Team taktisch ungefähr so eingestellt wie Bondscoach Bert van Marwijk die niederländische Nationalmannschaft im WM-Finale des Vorjahres gegen das vom Geist des FC Barcelona geprägte Spanien. Das Kaputtmachen des Spiels als einzige erfolgversprechende Taktik. Man muss nicht traurig sein, dass dieses Rezept weder im WM-Endspiel aufging noch jetzt im Champions-League-Halbfinale.

Über Mourinho ist einmal geschrieben worden, der Erfolg sei "seine einzige Heimat". Tatsächlich muss es den Trainer zutiefst stören, dass immer wieder der FC Barcelona im Weltfußball als das Maß aller Dinge gilt. Dass die Philosophie Guardiolas vom schönen Spiel, vom schnellen Kurzpass als das Ideal des modernen Fußballs angesehen wird. Mourinhos Defensivfußball dagegen gilt als unansehnlich, geradezu als Verhinderung von Fußball.

Bisher konnte der Portugiese aber stets darauf verweisen, dass er mit dieser Art der Taktik am Ende meist erfolgreicher war als der Großteil seiner Kollegen. Zweimal hat Mourinho die Champions League gewonnen. Mit dem großen Inter Mailand 2010, mit dem kleinen FC Porto 2004. Er ist sechsmal Meister geworden, in Portugal, in England, in Italien. Er ist ein Titelsammler. Daraus zieht Mourinho die Bewunderung, die er weltweit erfährt.

Barcelona spielt schön und erfolgreich

Barcelonas Coach Guardiola verkörpert das Gegenmodell zum Mourinho-Stil, lässt schön spielen - und bringt in der Regel auch noch das bessere Endresultat mit nach Hause. Für den Ergebnis-Trainer Mourinho muss das der Alptraum sein. Auch deswegen wurde der Pokalsieg von Real in der Vorwoche, als der Erzrivale in der Verlängerung bezwungen wurde, so überschwänglich gefeiert. Es war das Feiern eines Underdogs. Wenn es gegen Barcelona geht, verlieren Real und Mourinho ihr sonst so demonstrativ vor sich her getragenes Selbstbewusstsein. Es bleibt nur Aggression übrig.

Der Real-Coach versteht sein Amt stets als eines, in dem Psychologie eine Hauptrolle innehat. Er arbeitet mit Psycho-Tricks, wo er nur kann. Er hat einmal gesagt: "Für mich beginnt ein Spiel nicht mit dem Anpfiff, sondern mit der Pressekonferenz." Mourinhos Provokationen werden gerne als Teil eines großen Plans des Trainers dargestellt. Sein Wüten gegen Barça und Guardiola hat dagegen nur noch wenig Rationales. Wenn man in der Psycho-Terminologie bleiben möchte, könnte man sagen: Gegenüber Barcelona haben Mourinho und Real einen Minderwertigkeitskomplex.

Die verbalen Ausfälle des Trainers nach der Niederlage sind dadurch zu erklären. "An Guardiolas Stelle würde ich mich schämen, so zu gewinnen", hat Mourinho auf der anschließenden Pressekonferenz gesagt und damit den vorherigen Spielverlauf auf geradezu absurde Weise auf den Kopf gestellt. Es war vielmehr Reals Spielweise, die Anlass zur Scham gegeben hätte. Aber wenn er gegen Barcelona verliert - gegen den Club, in dem er einst als Assistenztrainer anfing und der ihn danach nie als Cheftrainer wollte, verliert er die Contenance.

Schon als Trainer des FC Chelsea und von Inter Mailand feierte Mourinho Siege seiner Mannschaft gegen Barcelona wie persönliche Triumphe. Schon zu Chelsea-Zeiten lieferte er sich mit Guardiolas Vorgänger Frank Rijkaard verbale Hass-Duelle. Unvergessen, wie er als Inter-Coach im Vorjahr den Halbfinalerfolg über die Katalanen zelebrierte, mit erhobener Faust über das gesamte Spielfeld sprintend.

Der große niederländische Trainer Rinus Michels hat vor vielen Jahren den Satz gesagt: "Fußball ist Krieg." Es ist die Überschrift für Mourinhos Wirken.



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Seite 1
psycho_moni 28.04.2011
1. Barca sollte sich schämen ...
Ja, also ich finde, gerade für das 2:0 sollte sich Barcelona richtig schämen, da hat Mourinho schon recht.
blob123y 28.04.2011
2. Na so was
und woher weiss der Author jetzt das der einen "Komplex" hat ? Hat er mit seinen Psychiater gesprochen ? Hat er dem Morinho gefragt ? Hat er einen Fragebogen ausgewertet, nein, natuerlich nichts ! Ich wuerde den Schreiber waermstens empfehlen nicht pauschal schlecht ueber andere zu reden, die er nicht kennt, von denen er nichts weiss usw. also was soll das ? Etwas Qualitaetskontrolle waehre nicht schlecht, hat doch heute schon jeder "Tante Emma Laden" wie schauts mit dem Spiegel aus ?
Haio Forler 28.04.2011
3. .
Zitat von psycho_moniJa, also ich finde, gerade für das 2:0 sollte sich Barcelona richtig schämen, da hat Mourinho schon recht.
Wenn beide fair spielen, hat Real keine Chance. Da ist eine Klasse dazwischen, was Perfektion angeht. Real sollte sich schämen, dass Messi 2 Tore schießen durfte. Real hatte in der 1. Halbzeit eine Chance so groß wie ein Schneeball im Hochofen. Hoffentlich setzt sich solch ein Destruktiv-Fussball nicht durch. Die 1. Quittung gabs gottlob gestern schon.
Moebius07 28.04.2011
4. Schlechter Verlierer
Zitat von sysopNichts hasst Real-Coach José Mourinho so sehr wie Niederlagen gegen den FC Barcelona - das sind*für ihn persönliche Demütigungen. Bei den Katalanen hat er*seine große Trainerkarriere als*kleiner Assistent angefangen. Seitdem leidet der 48-Jährige an einem Minderwertigkeitskomplex*dem Verein gegenüber. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,759461,00.html
Mourinho hat seine Mannschaft taktisch falsch eingestellt, zu defensiv gespielt und sich kaum Chancen erarbeitet. Zur Größe eines guten Trainers gehört nun auch mal die eigenen Fehler einzugestehen. Das Spiel war geprägt von Emotionen von beiden Seiten. Mit Schiedsrichter Stark hatte der Portugiese schon immer Probleme. Schuld sind immer die Anderen, dabei war die Leistung des Deutschen respektabel. Charakterlich ist Mourinho eine portugisische Pfeiffe...
cinci 28.04.2011
5. Naja...
so schön war das Barca-Gekicke auch nicht anzuschauen. Was denen an übertriebener Härte fehlte, machten die Spieler dafür durch schauspielerische Glanzleistungen wett. Grundsätzlich wurde da erstmal jaulenderweise das Gesicht gehalten, auch wenn die Wiederholungen keine Berührung zeigten. War zumindest taktisch sinnvoller und ging mit der (verdienten) roten Karte für Madrid dann ja auch voll auf. Außer ein paar Messi Alleingängen war aber von schönem Fußball weit und breit nichts zu sehen.
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