Real-Aus gegen Juventus Friendly Fire

23-mal schoss Real Madrid gegen Juventus Turin aufs Tor, traf aber nur einmal. Weil Turin deutlich effektiver war und einen Real-Insider im Angriff hatte, fährt Juventus nach Berlin. Alles Wichtige zum Halbfinal-Rückspiel.

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Die Ausgangslage: Zum vierten Mal in Folge hat Juventus Turin unlängst die Meisterschaft der Serie A gewonnen, in diesem Champions-League-Halbfinale galten die Italiener dennoch als großer Außenseiter und das 2:1 im Hinspiel dementsprechend als kapitale Überraschung. Real Madrid muss in der Liga wohl Barça den Vortritt lassen, im Pokal ist das Team auch schon ausgeschieden, blieb nur ein Ziel: die Titelverteidigung in der Königsklasse.

Die Aufstellungen
Madrid: Casillas - Carvajal, Ramos, Varane, Marcelo - Kroos - Rodriguez, Isco - Bale, Benzema, Ronaldo
Turin: Buffon - Lichtsteiner, Bonucci, Chiellini, Evra - Pirlo - Pogba, Marchisio - Vidal - Tevez, Morata

Das Ergebnis: 1:1 (1:0). Nach dem 1:2 in Turin ist Real Madrid damit ausgeschieden, Juventus Turin tritt am 6. Juni in Berlin gegen den FC Barcelona an.

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Juve wirft Real raus: Ein Tor drin, alles hin
Die erste Hälfte: Wer eine Abwehrschlacht von Juventus erwartet hatte - Catenaccio und so - sah sich getäuscht. Turin dominierte die Anfangsphase, kam aber nur durch Arturo Vidal zu einem Torschuss (14. Minute). Real wartete zunächst ab, war aber selbst dann mit schnellen Kontern gefährlich. 13 Schüsse gaben die Königlichen bis zur Pause ab (Juventus: zwei), drin war nur der Elfmeter von Cristiano Ronaldo. Dass es nicht mehr waren, lag am stark parierenden Buffon.

Die zweite Hälfte: Der Torhüter hatte auch nach der Pause keine ruhige Minute, Real machte Dauerdruck. Doch viele Schüsse flogen am Tor vorbei, die meisten Flanken konnte Turins Abwehr klären. Nach dem Ausgleich durch Morata (57.) warf Madrid alles nach vorn, meist über Marcelos linke Außenbahn. Mit Geschick und etwas Glück überstand Juve die Schlussphase und steht im Finale.

Morata, Pogba: Torschütze und Vorbereiter im Gespräch
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Morata, Pogba: Torschütze und Vorbereiter im Gespräch

Heimkehrer des Spiels: Als 15-Jähriger wechselte Álvaro Morata zu Real Madrid, ein Fan war der geborene Madrilene schon weitaus länger. Doch die Begeisterung beruhte nicht ganz auf Gegenseitigkeit, vor dieser Saison musste der Stürmer den Verein verlassen. Juve sicherte sich den 22-Jährigen, nach dem 1:0 im Hinspiel (2:1) traf Morata auch im Rückspiel und schmiss seinen alten Klub raus. "Ein Tor, das sich komisch anfühlt", sagte er nach dem Spiel: "Hier spielen noch so viele Freunde, ich kann mich noch gar nicht richtig freuen."

Und was war mit Pirlo? Andrea Pirlo, der genialische Ideengeber im Juve-Mittelfeld, blieb relativ unauffällig. Ein paar Dribblings auf engem Raum, einige butterweiche Pässe, vor allem aber viel Einsatz waren diesmal die Bilanz des 35-Jährigen. Aber eine Chance auf ein weiteres ganz großes Spiel des Andrea Pirlo bleibt ja noch in dieser Saison.

Juve-Keeper Buffon: Viel zu tun in Madrid
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Juve-Keeper Buffon: Viel zu tun in Madrid

Die Zahl des Spiels: 23. So oft schoss Real Madrid in Richtung Tor der Italiener, 18-mal allerdings musste Gianluigi Buffon gar nicht erst eingreifen, viermal war der 37-Jährige zur Stelle. Nur bei Ronaldos Elfmeter musste er sich geschlagen geben.

Rempler des Spiels: Mit 1,87 Metern und 83 Kilogramm Gewicht ist Giorgio Chiellini der Prototyp einer Abwehrkante, James Rodriguez eher der Typ Mittelfeldwuseler. Wenn beide aufeinanderprallen, so wie in der 23. Minute im Turin-Strafraum, ist klar, wer stehenbleibt. Und so entschied Schiedsrichter Jonas Eriksson auf Foul von Chiellini und Elfmeter für Real, den Ronaldo verwandelte.

Accessoire des Spiels: die Wasserflasche. Knapp 40 Grad herrschten tagsüber in der spanischen Hauptstadt, zum Anpfiff wurden im Estadio Santiago Bernabéu immer noch 32 Grad gemessen. Juventus stellte einen Antrag auf jeweils eine Trinkpause pro Hälfte. Dazu kam es nicht, aber immer wenn das Spiel unterbrochen war, griffen die Spieler zu den Trinkflaschen.

Wutausbruch des Spiels: "Klatsch, klatsch, klatsch, klatsch, klatsch, klatsch, klatsch, klatsch", machte es in der 70. Minute, als sich Juve-Trainer Massimiliano Allegri achtmal mit der flachen Hand gegen die Stirn schlug. Claudio Marchisio hatte frei vor Iker Casillas die große Chance zur Vorentscheidung vergeben, sein Coach konnte seinen Ärger nicht verbergen.

Ronaldo nach dem Abspiel: Ärger über sich selbst
AFP

Ronaldo nach dem Abspiel: Ärger über sich selbst

Fehlentscheidung des Spiels: Der verwandelte Elfmeter war bereits der 77. Treffer von Cristiano Ronaldo in der Champions League, nur Lionel Messi kann da mithalten. Auf solche Statistiken kommt man nicht, wenn man vor dem Tor gerne abspielt. Doch genau das tat der Portugiese, frei vor Buffon, aus vielleicht etwas spitzem Winkel. Statt auf 2:0 zu erhöhen, versuchte er den Lupfer zum Mitspieler, Juve klärte. Und Ronaldos Gesicht schien man den Gedanken anzusehen: "Ich Idiot, warum spiele ich bloß ab?!"

Fazit: Bayern München ist nicht allein, auch Real Madrid ist seinen Ansprüchen in dieser Saison nicht gerecht geworden. Anders als der deutsche Rekordmeister schafften die Spanier selbst in Bestbesetzung keinen Sieg gegen Juventus Turin und bleiben in dieser Saison höchstwahrscheinlich titellos - die Amtszeit von Trainer Carlo Ancelotti dürfte damit zu Ende gehen. Juventus hat in beiden Partien bewiesen, dass es nicht nur gut verteidigen, sondern auch überlegt angreifen und effektiv abschließen kann. Im Finale gegen Barcelona wird Turin dennoch wieder großer Außenseiter sein. Aber was heißt das schon.

Real Madrid - Juventus Turin 1:1 (1:0)
1:0 Ronaldo (23., Foulelfmeter)
1:1 Morata (57.)
Madrid: Casillas - Carvajal, Ramos, Varane, Marcelo - Kroos - Rodriguez, Isco - Bale, Benzema (67. Chicharito), Ronaldo
Turin: Buffon - Lichtsteiner, Bonucci, Chiellini, Evra - Pirlo (79. Barzagli) - Pogba (89. Pereyra), Marchisio - Vidal - Tevez, Morata (84. Llorente)
Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden)
Zuschauer: 79.000
Gelbe Karten: Isco, Rodriguez (3) - Tevez (4), Lichtsteiner (3)



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insgesamt 59 Beiträge
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kaiservondeutschland 14.05.2015
1. Sehr schön
Die beiden pathetischen Clubs aus München und Madrid sind draußen. Was für schöne zwei Tage. Danke, lieber Gott.
hatschon 14.05.2015
2. Gott sei Dank
Turin im Endspiel . Diese pomadigen Spanier sind weg vom Fenster. Dafür wird aber Barca CL Sieger !
freeusa 14.05.2015
3. Schön das real raus ist
Da fällt mir ein Stein vom Herzen
mumienschubser, 14.05.2015
4. Wie ich es...
...vor einigen Tagen den Anti-Bayern-Schreibern hier schon sagte: Was hat Real in dieser Saison denn gewonnen? Pokal? Nicht!, Mesiterschaft? Nicht! und jetzt auch CL? Nicht! Wo bleibt die ätzende Kritik an Ancelotti und seiner Truppe, deren Transferwert den von Bayern doch ein wenig übersteigt und die so gut wie keine verletzten Stammspieler zu beklagen hatte?
Romara 14.05.2015
5. Ländervergleich
Die eben noch gefeierten "Galaktischen", amtierender CHL-Sieger, gehen also aller Voraussicht nach in dieser Saison auch ohne Verletzungsmisere vollkommen leer aus. Es würde mich mal interessieren, ob ihnen im übrigen Spanien, vor allem in Katalonien, eine auch nur annähernd vergleichbare Welle von Häme, Unsachlichkeit und Hass entgegenschlägt wie dem immerhin aktuellen Meister Bayern München in Teilen Deutschlands. Es ist zu befürchten, dass die hypothetische Antwort eingefleischter Bayernbasher auf diese Frage ihrem intellektuellen und sozialen Standard entspricht.
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