Reals Champions-League-Triumph Erst Trauma-Tor, dann Traumtor

Superstar Mohamed Salah weinte bittere Tränen. Liverpool kassierte einen Treffer, der in die Fußballhistorie eingehen wird - und Reals Finalerfolg über Jürgen Klopps Reds war reich an Wahnsinn.

Liverpools Torwart Loris Karius
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Liverpools Torwart Loris Karius

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Moment des Endspiels: Die Tränen des verletzten Mohamed Salah? Der unfassbare Aussetzer von Torwart Loris Karius? Oder doch das magische Fallrückziehertor von Gareth Bale? Dieses Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und dem FC Liverpool hatte zu viele Wahnsinnsmomente, um sich für einen zu entscheiden. Glauben Sie uns, liebe Leser, das schreiben wir nicht nur, um Sie zum Weiterlesen zu bringen. Dieses Finale wird so bald niemand vergessen.

Ergebnis: 3:1 (0:0) für Real Madrid, das damit zum dritten Mal in Folge die Champions League gewonnen hat. Reals Tore schossen Karim Benzma (51. Minute) und Gareth Bale (64., 83.), für Liverpool traf Sadio Mané (55.) - hier geht es zur Meldung.

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Champions League: Eine Verletzung, zwei Patzer, drei Titel in Folge

Drama um Salah: Die 26. Minute, Reals Sergio Ramos ist im Clinch mit Mohamed Salah. Liverpools Superstar hakt den Arm bei Ramos ein. Dieser zieht den Stürmer im Fallen zu Boden, Salah stürzt hart auf die Schulter, Ramos auf ihn drauf. Der Ägypter versucht, weiterzumachen, ungefähr drei Minuten lang. Dann fließen Tränen. Die 30. Minute, in der Salah ausgewechselt werden muss, markiert einen Bruch im Spiel.

Vorteil Reds: Bis dahin hatte nämlich Liverpools Pressing und nicht Reals Routine das Finale geprägt. Ohne Salah verteidigten die Reds tiefer, sie hielten Real nicht mehr so gut in Schach wie bis zur 26. Minute. Das merkte auch Trainer Jürgen Klopp, der sich an der Seitenlinie auf die Brust schlug. "Mutig sein!", sollte das wohl heißen. Doch das Spiel entglitt seinem Team.

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Einzelkritik Liverpool: Das Drama des Mohamed Salah

Das Tor, das niemand sah: In der 51. Minute ereignete sich die verrückteste Szene dieses Spiels. Ein Pass in Richtung Benzema geriet zu lang, der Stürmer brach seinen Lauf ab, ein Ball für den Torwart. Viele Zuschauer dürften gar nicht mehr hingesehen haben. Ein Fehler. Loris Karius nahm den Ball auf und wollte ihn dann einem Mitspieler zuwerfen, traf aber Benzema, von dessen Fuß der Ball ins Tor sprang. Ein Aussetzer, der wegen seiner Mischung aus Absurdität und Relevanz als einer der größten Fehler in die Fußballgeschichte eingehen wird. War Karius nach einem Minuten zuvor erlittenen Ellbogencheck von, natürlich, Ramos, beeinträchtigt? Mag sein, taugt aber auch nicht als Ausrede. Schließlich hat er sich nicht auswechseln lassen.

This is Liverpool: Es gibt wohl nicht viele Mannschaften, die nach dem Verlust ihres Starspielers und einem solch absurden Gegentor so antworten können, wie Liverpool es tat. Mané traf nach einer Ecke zum Ausgleich, später scheiterte er am Pfosten (70.). Gereicht hat das nicht. Der Grund: siehe nächster Punkt.

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Einzelkritik Real Madrid: Bombastischer Bale, kurioser Benzema

Das Tor, das (hoffentlich) jeder sah: stammte von Gareth Bale. Der durfte zunächst gar nicht mitspielen, erst nach einer Stunde wurde der einstmals teuerste Fußballer der Welt eingewechselt. Dann drehte er auf. Eine abgefälschte Flanke von Marcelo segelte in den Strafraum, und Bale tat es ihr gleich. Er stieg in die Luft und traf den Ball per Fallrückzieher. Ein Traumtor. Erinnerungen wurden wach an Madrids Sieg bei Juventus, als Ronaldo sein "Tor für die Ewigkeit" schoss. Karius' Fehler mal beiseite geschoben: Dass Liverpool Adam Lallana für Salah bringen musste und Real Bale einwechseln konnte, erklärt den Erfolg. Reals Kader ist klar der bessere, nicht nur auf der Position im Tor.

Als wäre das nicht genug: Karius wäre nach seinem Fehler vermutlich am liebsten auf die Stadiontoilette verschwunden. Stattdessen stand er weiter im Mittelpunkt. Gegen Benzema (82.) deutete er an, dass er eigentlich ein guter Keeper ist, aber nur eine Minute später patzte er schon wieder. Bales Schuss aus gut 30 Metern wollte der 24-Jährige wegfausten, wollte. Der Ball rutschte ins Tor. Karius blieb danach Sekunden lang liegen. Diesen Abend wird er nie vergessen.

Geste des Spiels: Der schluchzende Salah wusste, dass das größte Spiel seiner Karriere vorzeitig beendet war. Ohne Tor, Glanz und die Chance, den Ausgang zu beeinflussen. Wenn irgendjemand auf dem Rasen ahnte, wie sich Salah gerade fühlte, dann Cristiano Ronaldo. Dem war es 2016 im EM-Finale ähnlich ergangen, verletzt musste er damals vom Feld, ebenfalls unter Tränen. Also ging Ronaldo nun zu Salah, er nahm ihn in den Arm. Empathie im Endspiel. Die gab es auch nach dem Abpfiff, als Bale den weinenden Karius tröstete. Schön, dass auch dafür Platz war.

Erkenntnis des Spiels: Klopp verliert nach 2013 und 2016 das dritte Europacup-Finale seiner Karriere. Zinédine Zidane gewinnt als erst dritter Trainer überhaupt seinen dritten Titel in der Königsklasse. Und nach drei Erfolgen hintereinander ist klar: Diese Real-Mannschaft gehört zu den besten, die es im Fußball je gegeben hat.

Real Madrid - FC Liverpool 3:1 (0:0)
1:0 Benzema (51.)
1:1 Mané (55.)
2:1 Bale (64.)
3:1 Bale (83.)
Real Madrid: Navas - Carvajal (37. Nacho), Varane, Sergio Ramos, Marcelo - Casemiro - Modric, T. Kroos - Isco (61. Bale) - Benzema (89. Asensio), Cristiano Ronaldo
FC Liverpool: Karius - Alexander-Arnold, Lovren, van Dijk, Robertson - J. Henderson - Milner (83. Can), Wijnaldum - M. Salah (31. Lallana), Roberto Firmino, S. Mané
Schiedsrichter: Mazic (Serbien)
Gelbe Karten: - / Mané
Zuschauer: 63.000 (ausverkauft)



insgesamt 49 Beiträge
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telarien 27.05.2018
1. Sorry
Aber das Foul gegen Salah war übelste Absicht. Danach war Liverpool gebrochen. Und hat sich nicht angemessen gewährt. Schade.
meresi 27.05.2018
2. Ramos...
schaltete elegant Salah aus, für mich ein eindeutiges Foul, danach fehlte die Seele der Reds... In slow motion sah man deutlich wie er den Arm von Salah einklemmte, beide gingen zu Boden , Ramos im Fallen mit einer Drehbewegung um auf Salah zum liegen zu kommen, wohl wissend was er da tat. Ende der Geschichte
dieaxt 27.05.2018
3. Eine der erfolgreichsten ABER...
...man sollte nicht außer Acht lassen, dass Real unbestritten ihrer Klasse von krassen individuellen und teils unerklärlichen Fehlern der Gegner profitiert hat und zumeist die Schiedsrichterfehler auffällig oft zu Ihren Gunsten ausfallen. Nichts desto trotz Gratulation an Real, den Hunger dreimal hintereinander die CL zu gewinnen muss man erstmal haben. Trotzdem ein Geschmäckle bleibt.
kaiservondeutschland 27.05.2018
4. für Ramos normal
Diese Art von Fouls sind für Ramos normal. Schlecht für Liverpool, dass sich Salah als Superstar nicht von Ramos fern hielt. Messi und Griezmann stellen sich da geschickter an.
der_stille_beobachter 27.05.2018
5. taktische Überlegenheit
Es war klar, dass Liverpool mit der mannschaftlichen Geschlossenheit um den Spieler der Saison Salah Real Madrid im Finale wirklich gefährlich werden kann. Aber Real hatte die passende spieltaktische Antwort. Und in Ramos denjenigen, der diese Taktik auch perfekt umgesetzt hat.
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