Reals Titelverteidigung in der Champions League Eine richtig große Mannschaft

Gianluigi Buffon bleibt tragischer Held. Die Black Eyed Peas sind nicht besser als Helene Fischer. Cristiano Ronaldo straft Lothar Matthäus Lügen. Und Mario Mandzukic erzielt eines der schönsten Finaltore der Historie.

Champions-League-Sieger Real Madrid
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Champions-League-Sieger Real Madrid

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Die Frage des Spiels: Schafft es Gianluigi Buffon auf der Zielgerade seiner Karriere endlich, den Champions-League-Titel zu gewinnen? Der italienische Torhüter war im Vorfeld des Finals in Cardiff anscheinend der entscheidende Faktor, wenn es bei neutralen Beobachtern um Ausschläge auf der Sympathieskala zwischen Real Madrid und eben Buffons Juventus ging. Sollte dem 39 Jahre alten Torwart die Krönung verwehrt bleiben, gelingt Real Historisches: die erste Titelverteidigung seit Gründung der Champions League.

Das Ergebnis: Eine Halbzeit lang war es packend, danach wurde es deutlich. Real siegte 4:1, hier geht es zum Spielbericht.

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Reals Triumph in Cardiff: Ein Traumtor reicht Juve nicht

Opening Ceremony: Fußball-Romantiker sahen sich in den Minuten direkt vor Anpfiff erneut bestätigt - der moderne Fußball beschreitet falsche Wege. Vor einer Woche sang Helene Fischer in der Pause des deutschen Pokalfinals, in Cardiff traten die Black Eyed Peas auf. Immerhin wurde die US-amerikanische Band, anders als Fischer in Berlin, nicht ausgepfiffen. Ob das die von viel Pyrotechnik begleitete Show besser gemacht hat? Nein.

Das Tor von Mario Mandzukic
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Das Tor von Mario Mandzukic

Erste Hälfte: Wer im Vorfeld des Spiels ZDF-Moderator Oliver Welke und Experte Oliver Kahn gelauscht hatte, hätte von der Anfangsphase extrem überrascht sein müssen. Denn der laut dem Oliver-Doppel "mit Top-Stars gespickte Favorit" Real wurde von Juves Tempo, Passsicherheit und Kompaktheit überrascht - bei den Fernschüssen von Gonzalo Higuaín (4. Minute) und Miralem Pjanic (7.) war Real-Torwart Keylor Navas früh gefordert. Real hat aber einen gewissen Cristiano Ronaldo, der nach Doppelpass mit Dani Carvajal gleich die erste Torchance der diesmal in lila gekleideten Madrilenen per Flachschuss ins linke Eck nutzte (20.). Noch sehenswerter war allerdings der Ausgleich: Alex Sandro leitete einen langen Pass von Leonardo Bonucci direkt zu Higuaín weiter, der wiederum Mandzukic bediente. Der Kroate nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor an und überwand Navas mit einem Fallrückzieher (27.). Höhepunkt einer finalwürdigen ersten Halbzeit.

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Schönstes Champions-League-Finaltor der Historie

Wer hat es geschossen?

Dieser Ronaldo trifft nie in Finals. Nie: Der Superstar, privat nach SPIEGEL-Recherchen in den Schlagzeilen, muss mit dem Vorwurf leben, in Finalspielen stets abzutauchen. Sagt zumindest Lothar Matthäus. Nach 2008 (für Manchester United) und 2014 war der Führungstreffer 2017 jedoch schon sein dritter Finaltreffer in der Champions League, der vierte sollte noch folgen. Zudem verwandelte er 2016 den entscheidenden Schuss im Elfmeterschießen.

Der Boss schmollt, die Social-Media-Abteilung (leider) nicht: Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern, hatte im Vorfeld angekündigt, das Finale aus Verärgerung über Bayerns angeblich von Schiedsrichter Viktor Kassai beeinflusster Viertelfinal-Niederlage gegen Real nicht zu schauen. Hätte er es doch allen seinen Mitarbeitern befohlen, wie dieser Tweet in Anspielung auf Mandzukics Bayern-Vergangenheit zeigt:

Zweite Hälfte: War Juventus vor der Pause die etwas bessere Mannschaft, konnte Real im zweiten Durchgang sein Spiel deutlich besser auf den Rasen bringen. Und wurde früh belohnt: Ein von Sami Khedira abgefälschter Schuss von Casemiro schlug unhaltbar für den tragischen Helden Buffon neben dem linken Pfosten ein (61.). Drei Minuten später traf Ronaldo nach Vorarbeit von Luka Modric ein zweites Mal (64.). Juve wirkte beeindruckt, Reals Angriffsmaschine kam ins Rollen und die Dame aus Turin wirkte wie ihr Adjektiv: alt. Bei Madrid kam in der Schlussphase der junge Marco Asensio und traf zum 4:1-Endstand (90.).

Erkenntnis des Spiels: Oliver Kahn hat mehr Ahnung als Lothar Matthäus. Kahns Top-Favorit Real demonstrierte seine Stärke und der von Matthäus kritisierte Ronaldo traf doppelt. Das Team von Trainer Zinédine Zidane entwickelt sich zu einer der größten Mannschaften der Fußballgeschichte.

Juventus - Real Madrid 1:4 (1:1)
0:1 (20.) Ronaldo
1:1 (27.) Mandzukic
1:2 (61.) Casemiro
1:3 (64.) Ronaldo
1:4 (90.) Asensio
Juventus: Buffon - Barzagli (67. Cuadrado), Bonucci, Chiellini - Alves, Pjanic (71. Marchisio), Khedira, Sandro - Dybala (78. Lemina) - Higuaín, Mandzukic.
Real: Navas - Carvajal, Varane, Ramos, Marcelo - Kroos (89. Morata), Casemiro, Modric - Isco (82. Asensio) - Benzema (77. Bale), Ronaldo.
Schiedsrichter: Brych (Deutschland)
Zuschauer: 66.000
Gelbe Karten: Dybala, Pjanic, Sandro, Cuadrado - Ramos, Carvajal, Kroos.
Gelb-Rot: Cuadrado (84.).

insgesamt 24 Beiträge
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imernst2015 04.06.2017
1. Schwaches Finale
Das hatte heute Euroleague Niveau.. Zidane erinnert an den Spruch: "der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln". Er ist gewiss kein herausragender oder guter Trainer, hat aber momentan Erfolg wie kein anderer.
renewallich 04.06.2017
2. Black Eyed Peas
Sehr geehrter Autor, der Unterschied zwischen der Show von Helene Fischer zu den Black Eyed Peas war wie der Spiegel zur Norddeutschen Rundschau. In welche Richtung Sie das interpretieren, überlasse ich Ihnen.
nixus_minimax 04.06.2017
3. Glückwunsch!
Es konnte nur Real Madrid sein die den Fluch der zwei Champions Leagues in Folge bricht. Schade für Buffon aber Juve hat von Madrid mehr Tore kassiert als in der gesamten bisherigen CL Saison überhaubt.
von Hinnen 04.06.2017
4. Nun fake news auch im Sport
Hier im Spiegel wurde Juve als der Sieger prognostiziert, weil die eine so sichere Abwehr hätten, an dem der gute Sturm von Real zerschellen würde. Beim besten Willen, das war nun wirklich keine überragende Abwehr. Und statt des Konterfussballs von Juve sah man einen fantastischen Konterfussball von Real aus einer stabilen Abwehr, die nicht ein Mal wackelte. Das Glückstor von Mario Mandžukić beruhte auf einen Reaktionsfehler des nicht überragende Real-Schlussmanns. Den Ball hätte Buffon rausgefischt. Der deutsche Schiedsrichter Brych hatte m.E. einen ziemlich schlechten Tag erwischt. Was aber nicht spiel-entscheidend war. Der Matchwinner war für mich Toni Kroos, der sein Mittelfeld zusammen hielt und den Real-Tornado dann so ab 20. Minute speiste. Juve brach etwa nach den ersten 10 sehr guten Minuten auseinander. Ich konnte nicht erkennen, warum. Was haben die Ibero-Bayern für einen Fehler gemacht, dass die den Kroos und den Bastian Schweinsteiger mehr oder weniger aus der Mannschaft gedrängt haben. Die beiden zusammen mit dem Lahm waren ein unglaubliches Abwehrbollwerk mit einem enorm starken Angriffswillen. Diese grossartige Bayern-Mannschaft hat der Guardiola -dieser Liebling der Sportjournalisten- völlig verhunzt.
Furchensumpf 04.06.2017
5. Seltsam...
....dass die Schwalbe von Ramos gar nicht thematisiert wurde...
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