Real-Star Khedira: Mourinhos Elitesoldat
Nationalspieler Sami Khedira gehört zu den Unauffälligen bei Real Madrid. Dabei spielt der 25-Jährige im Konzept von Trainer Mourinho eine wichtige Rolle. Champions-League-Gegner Bayern München soll das am Abend zu spüren bekommen.
Hamburg - Der königliche Club Real Madrid ist unter seinem Startrainer José Mourinho wiederholt mit einer Armee verglichen worden. Mit Mourinho als dem Befehlshaber und mit den ihm ergebenen Profis als seinen Kriegern. Wenn das Bild so stimmen soll, wäre Sami Khedira einer von Mourinhos Elitesoldaten.
Am vergangenen Wochenende hatte er sich hinter die feindlichen Linien geschlichen, unbemerkt vom Gegner. Als sich ihm die Chance eröffnete, schlug der Soldat gnadenlos zu.
Man kann die Geschichte auch weniger martialisch erzählen: Ein Eckball fliegt in den Strafraum, die Abwehr bekommt den Ball nicht geklärt, Khedira ist zur Stelle und stochert das Leder zum 1:0 von Real Madrid gegen den FC Barcelona über die Torlinie.
Vorgaben des Trainers ohne Wenn und Aber erfüllend
Der deutsche Nationalspieler gehört zu denen, die die Vorgaben des Trainers ohne Wenn und Aber erfüllen. Wenn Khedira das Spiel des Gegners zerstören soll, dann zerstört er es. Wenn er auf der Ersatzbank Platz nehmen soll, dann nimmt er auf der Ersatzbank Platz. Wenn er sich in den Angriff einschalten soll, dann schaltet er sich in den Angriff ein. Eben wie am vergangenen Wochenende beim Clásico im Stadion Nou Camp in Barcelona, als er früh in der ersten Hälfte die wichtige Führung für Real erzielte. Ein Meilenstein auf dem Weg zur spanischen Meisterschaft.
Mit dem Erreichen des Champions-League-Endspiels soll das nächste Highlight aus Madrider Sicht folgen. Khedira wird wie sein Nationalmannschaftskollege Mesut Özil in der Startformation stehen, wenn es am Mittwoch im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern München (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) darum geht, einen 1:2-Rückstand wettzumachen.
Dabei ist Khedira weit mehr als ein stumpfer Befehlsempfänger. Tatsächlich gehört extrem viel Spielintelligenz dazu, unterschiedlichste Anweisungen so anzunehmen und sie in die Tat umzusetzen, wie es der 25-Jährige tut. Der frühere Stuttgarter ist ein flexibler Spielertyp, defensiv wie offensiv einsetzbar. Einer, den Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre als "polyvalent" bezeichnen würde. Einer für viele Positionen. Solche Spieler sind die Lieblingsschüler moderner Coaches. Bundestrainer Joachim Löw schätzt Khediras Qualitäten über die Maßen, er ist für die Europameisterschaft im Juni gesetzt.
Khediras Spiel symbolisch für "gepflegte Biederkeit"
In der Öffentlichkeit wird das weitaus minder honoriert. Khedira gilt auch in Madrid als Arbeiter-Ameise, wenig spektakulär, ein laufstarker Aufräumer vor der Abwehr, diszipliniert, schnörkellos, emsig. Wenn man so will, sind das soldatische Eigenschaften.
Der Fußball-Journalist Ronald Reng hat nach dem Clásico über Khedira von "gepflegter Biederkeit" geschrieben und davon, dass er für alles stehe, was in den Augen vieler Kritiker falsch laufe im System Mourinho. Nachdem der Deutsche das 1:0 gegen Barça erzielt hatte, kommentierte die Sportzeitung "Marca" lediglich: "Es ist kaum zu glauben, dass ausgerechnet einem Spieler wie Khedira dieses historische Tor gelang."
Die Hymnen werden anderen in der Mannschaft gesungen: Özil, Karim Benzema und natürlich vor und über allen anderen Stürmerstar Cristiano Ronaldo. Der Portugiese ist so etwas wie der Anti-Khedira. Er braucht sich keinerlei taktischen Zwängen zu beugen, er muss sich nicht von Spiel zu Spiel umstellen, er muss nur einen einzigen Auftrag erfüllen: Tore schießen. Vollmundige Sätze wie von Ronaldo vor dem Halbfinale - "Egal, gegen wen wir im Finale spielen werden: Wer da sein wird, ist Madrid" - wird man von Khedira nicht zu hören bekommen.
Befragt zu seinem Führungstor gegen Barcelona, hat der Deutsche gesagt: "Heute ist der Ball mal vor unsere Füße gefallen." Cristiano Ronaldo hätte das anders ausgedrückt.
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