Reals Aus im CL-Halbfinale: Angst vor der eigenen Offensive

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Bayern München jubelt, Real Madrid trauert der großen Chance hinterher, das Endspiel der Champions League zu erreichen. Das Starensemble von Trainer José Mourinho lag im Halbfinal-Rückspiel auf Siegkurs - und stellte dann die Angriffsbemühungen ein.

Ausgeschiedene Königliche: Anfällig in der Abwehr Fotos
AFP

Hamburg - 109 Treffer in der spanischen Liga, dazu 35 in der Champions League hatte Real Madrid in dieser Saison bis 20.59 Uhr am Mittwochabend erzielt. In diesem Moment hatte Cristiano Ronaldo im Halbfinale gegen Bayern München das 2:0 erzielt. Es sah alles nach einer weiteren Offensivgala der Königlichen aus. Doch die gefürchtete Angriffsmaschine drosselte stattdessen ohne Not den Motor, Real hörte auf das zu tun, was es am besten kann: nach vorne spielen. Und gab damit den Finaleinzug aus der Hand.

"Es hat uns ein bisschen an der Durchschlagskraft gefehlt", sagte Madrids Trainer José Mourinho nach dem Spiel, das er als "sehr taktisch" bezeichnete. "Wir haben nahezu perfekt angefangen und dann ein bisschen aufgehört, Fußball zu spielen. Wir haben es verpasst, das dritte Tor nachzulegen. Beim Stand von 2:1 hätten beide Teams Angst gehabt, "einen entscheidenden Fehler zu machen", so der Portugiese weiter.

Doch warum sollte Real Angst gehabt haben? Im mit 80.000 Zuschauern ausverkauften Estadio Santiago Bernabéu wurde der Gegner niedergepfiffen, die eigene Mannschaft frenetisch angefeuert. Bis zum Anschlusstreffer der Bayern per Elfmeter war den Münchnern deutlich anzumerken, wie sehr sie in der Abwehr unter dem Druck wackelten. "In den ersten 15 Minuten hatten wir große Schwierigkeiten", sagte FCB-Coach Jupp Heynckes.

Am vergangenen Wochenende hatte Mourinhos Mannschaft im Clásico den FC Barcelona besiegt, die Meisterschaft so gut wie perfekt gemacht. Der Trainer hätte das Selbstbewusstsein, den Schwung der ganzen bisher so phantastischen Saison mitnehmen können. Doch Mourinho ist niemand, der sich dem Moment, dem Fluss hingibt. Der 49-Jährige bleibt sich und seiner Maxime treu, Ergebnissicherung geht über alles, das 2:1 reichte zumindest für die Verlängerung.

"Wir wollten nicht ausgekontert werden"

Seine Mannschaft ließ die Bayern danach wieder ins Spiel kommen, statt weiter Fehler der Gäste und daraus resultierend eigene Chancen zu erzwingen. "Am Limit" habe seine Mannschaft gespielt, so Mourinho. Was den Aufwand angeht, mit dem selbst die Offensivspezialisten verteidigten, stimmt das. Doch spielerisch limitierten sich die Königlichen am Mittwoch selbst. Zudem zeigte die Viererkette mit Ausnahme von Linksverteidiger Marcelo eine schwache Leistung, machte einen sehr anfälligen Eindruck. Angriff wäre in diesem Fall die beste Verteidigung gewesen, um den Gegner weit weg vom eigenen Tor zu beschäftigen.

Warum haben die Königlichen also mit dem druckvollen und erfolgreichen Fußball der Anfangsviertelstunde aufgehört? "Wir wussten um die Konterstärken der Bayern, sie haben mit Ribéry, Robben und Gomez gefährliche Top-Spieler da vorne. Das war alles nicht so einfach. Wir wollten nicht ausgekontert werden und das Ergebnis zunächst halten", sagte Abwehrchef Sergio Ramos.

Dessen Nebenmann Pepe gab seinem Trainer nach dem Abpfiff eine Steilvorlage, als er sagte: "Die Bayern hatten eine große Pause vor dieser Partie und wir hatten am Wochenende ein wichtiges Spiel in Barcelona." Die Belastung mit dem Clásico in Barcelona zwischen den beiden Halbfinale sei wohl zu hoch gewesen, mutmaßte er. Er habe ja versucht, das Spiel verlegen zu lassen, "aber in Spanien habe ich keine Macht", so Mourinho. Deshalb müsse Real Madrid das letzte Saisonziel, den Titel in der Liga, auch erreichen, wie es unter Mourinho bisher alles erreicht habe: "Alleine. Ganz alleine."

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insgesamt 19 Beiträge
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1.
eric_ol 26.04.2012
Mourinho hat schon im Hinspiel den taktischen Fehler gemacht. Er war zufrieden, nahm Özil raus und wurde zu defensiv. Dann der Glückstrefer zum Ende und aus. Gestern ging Real nach dem 2:0 in die Defensive und überliess das gesamte Mittelfeld dem FCB. Unglaublich passiv. Auch als Real Fan gönne ich es den Bayern. Neuer auf Weltklasseniveau, Ribery und Robben unsportlich wie immer.
2.
child3k 26.04.2012
Wäre Real Madrid nicht Real Madrid sondern Lyon oder Marseille, so hätte der "Clásico" wohl nicht zwischen den CL Halbfinalspielen stattgefunden. Gut so ...
3.
brazzo 26.04.2012
Genau, Madrid hat die Angriffsbemühungen eingestellt. Die wollten einfach nicht mehr. War ja auch deutlich zu sehen, daß die Madrid Spieler nach dem 2 Null nochmal einen Kreis gebildet und dann Einstimmig beschlossen haben, daß jetzt auch gut ist. Jetzt schonen wir uns fürs Finale und EM ist ja schließlich auch bald... Ich kanns echt nicht mehr hören. Schon mal daran gedacht, daß Bayern einfach immer besser ins Spiel gekommen ist und Madrid deshalb nicht mehr viel auf die Reihe bekommen hat?
4. ?
helkaruthion 26.04.2012
Zitat von eric_olRibery und Robben unsportlich wie immer.
Welche Szenen des gestrigen Spieles meinen Sie? Die Unsportlichkeit von Robben das 1:1 nicht zu machen? Die Unsportlichkeit nicht schon wieder einen Elfer zu verschießen?
5.
CancunMM 26.04.2012
Marcelo hätte gestern erst gar nicht spielen dürfen, weil er im Hinspiel eine rote Karte verdient hätte, gestern hat er ebenfalls ein Foul an Robben begangen, dass nur das Ziel hatte den enteilenden Robben zu foulen. Streng genommen auch rot. Arbeloa hatte ebenfalls ein Foul, dass rotwürdig war. Abgesehen, dass es unsportlich ist einen Kader aufzubauen, obwohl man gar nicht das Geld dafür hat.
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