Aus im Pokal Madrid aus dem Tritt

Fast 20 Punkte Rückstand auf den FC Barcelona, im Pokal gegen einen Nobody ausgeschieden - und jetzt wartet auch noch PSG in der Champions League: Real Madrid steckt tief im Tal.

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Der Klub CD Leganes gehört zu den unscheinbaren Vereinen im spanischen Fußball. Der Madrider Vorortverein ist in der vergangenen Saison zum ersten Mal in seiner Geschichte in die Primera División aufgestiegen, derzeit dümpelt das Team im unteren Mittelfeld der Tabelle, es hat keine nennenswerten Stars in der Mannschaft, das heimische Stadion fasst gerade 8000 Zuschauer.

Aber es reicht, um Real Madrid zu stürzen.

Im Viertelfinalrückspiel der Copa del Rey, des spanischen Pokals, gelang dem kleinen Klub ein 2:1-Auswärtserfolg im großen Estadio Bernabéu. Leganes zieht jubelnd ins Halbfinale ein und lässt einen tief deprimierten und ratlosen Gegner am Wegesrand zurück. Real Madrid ist auf dem Weg zur schlechtesten Saison, seit sie in der Hauptstadt vor einen Ball treten.

"Der schlimmste Abend, seit ich hier bin"

"Es ist für mich der schlimmste Abend, seit ich hier bin", sagt Zinédine Zidane, der Trainer, und das soll etwas bedeuten. Schließlich hat Zidane in diesem Verein schon zehn Jahre verbracht, fünf als Spieler der Galaktischen, drei als Co-und Nachwuchstrainer, zwei als Chefcoach. Eine Zeit, in der Zidane alles gewonnen hat, zuletzt zwei Mal die Champions League. Seinen Vertrag hat der Klub erst im Dezember verlängert.

Und jetzt liegen die Königlichen in der Liga auf Rang vier. Das ist schlimm genug, schlimmer ist der Rückstand von 19 Punkten auf den ewigen Rivalen, den FC Barcelona. Auch Stadtkonkurrent Atlético ist schon um acht Zähler entfleucht. So republikanisch war die Tabelle aus Sicht der Königlichen lange nicht.

Dazu kommen die Steuergeschichten, die im Rahmen der "Football Leaks" enthüllt wurden und sich nicht einfach so abschütteln lassen. Cristiano Ronaldo wird nicht jünger, während sein Barca-Pendant Lionel Messi scheinbar unbeeindruckt siegt und trifft. Die 0:3-Heimpleite im Clásico Mitte Dezember war eine Demütigung. Weihnachten fiel in diesem Jahr in Madrid aus. Im Onlineshop des Klubs gibt es derzeit 30 Prozent Rabatt.

Trainer Zinedine Zidane ratlos
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Trainer Zinedine Zidane ratlos

Was sollte schiefgehen? Alles.

Am Wochenende noch hatte man sich all den Frust von der Seele geschossen, 7:1 in der Liga gegen Deportivo La Coruna, auch Cristiano Ronaldo hatte mal wieder zwei Tore gemacht. Es war so ein Abend, wie man ihn in Bernabéu kennt und liebt, ein hoffnungslos unterlegener Gegner, das Opernpublikum kann sich zurücklehnen, und die Offensivmaschine tut ihre Arbeit. Ärgerlich nur, dass sich Ronaldo seine Optik mit einer Platzwunde ruinierte und er noch auf dem Spielfeld kosmetische Korrekturen vornehmen musste.

Krise? Was für eine Krise? Es schien so, als könne das Team rechtzeitig Fahrt aufnehmen für den verbliebenen Saisonhöhepunkt, die Champions League, das Duell gegen Paris Saint-Germain, den großen Herausforderer auf europäischer Bühne. Und die Copa del Rey hatte man ja auch noch, schließlich hatte man das Hinspiel bei Leganes 1:0 gewonnen. Was sollte schiefgehen?

Es ging alles schief. Zidane schonte Ronaldo, Gareth Bale und Toni Kroos, die für den Abend frei bekamen, gar nicht im Kader waren - und so auch nicht eingewechselt werden konnten, als das Unheil zu dräuen begann. Zidane brachte von der Bank noch die Stammkräfte Luka Modric und Daniel Carvajal, aber es war zu spät.

Karim Benzema sieht auch nicht glücklich aus
AFP

Karim Benzema sieht auch nicht glücklich aus

"Wir haben versagt"

"Ich nehme alle Verantwortung auf mich", sagte Zidane nach dem Spiel, er habe sich "in vielem geirrt". Das Vabanquespiel, auf seine Stars verzichtet zu haben, verteidigte er dennoch, die Spieler hätten eine Pause nötig gehabt. Tatsächlich ist die Praxis, im Pokal auf Top-Spieler zu verzichten, in Spanien ähnlich üblich wie in England. Dumm nur, wenn diese Strategie nach hinten losgeht - und die Trophäe, die angesichts des Rückstands in der Liga noch am leichtesten zu gewinnen wäre, nun auch in unerreichbare Ferne gerückt ist.

Nach dem Spiel verkrochen sich die Real-Profis vor der Presse, auch das gab kein gutes Bild ab. Lediglich Kapitän Sergio Ramos und Carvajal stellten sich den Reportern. "Wir haben versagt", formulierte der Kapitän, seit nunmehr 13 Jahren ein Königlicher: "Man darf nicht vergessen, welches Wappen wir verteidigen."

Jetzt bleibt Real Madrid in dieser Spielzeit nur noch die Champions League - und im Achtelfinale wartet der denkbar schwierigste Gegner, vollgepumpt mit Geld und Selbstvertrauen. Ob es gegen PSG um seinen Job gehe, wurde Zidane gefragt. Antwort: "Natürlich." Immerhin hat er dabei noch gelacht. Aber so lustig wird das nicht am 14. Februar in Bernabéu und am 6. März im Rückspiel in Paris. In der Stadt, in der Zidane 1998 Weltmeister wurde.

Er ist neben Michel Platini der vielleicht größte Fußballer, den Frankreich bislang hatte - und es könnten Franzosen sein, die Zidanes Schicksal als Trainer von Real Madrid besiegeln.

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
derboesewolfzdf 25.01.2018
1. na ja....
die müssen doch nur 500 Millionen investieren...dann klappt es auch ganz sicher gegen Leganes. Dafür wird sich doch sicher noch ein Baulöwe mit zuviel Geld finden.....
philemajo 25.01.2018
2. Abwegige Begründung...
Offenbar läuft bei Madrid momentan einiges schief. Aber eine solche Niederlage mit dem Fehlen dreier Stars erklären zu wollen, greift viel zu kurz. Selbst die Hinterbänkler im Kader der Madrilenen sind Multi-Millionen-Profis, die für kaum einen anderen Verein finanzierbar wären. Man gewinnt auch nicht zweimal in Folge die CL, wenn das Gelingen solcher Spiele von den Superstars in vorderster Front abhingen ...
philippgeier92 25.01.2018
3. zidane entlassung
Leider müssen sie Zidane entlassen, er hat in den letzten 2 Jahren gefühlt alles gewonnen was zu gewinnen gab, aber jetzt brauch die Mannschaft wie es aussieht einen Wechsel, neuen Schwung. Es ist nichts gegen Zidanes Arbeit die er Leistet, so etwas brauch eine Mannschaft nach derartigen Erfolgen. Ich hoffe die gehen im Guten auseinander weil sie Geschichte geschrieben haben und vor allem Hut ab vor Zidane bei seiner ersten großen Mannschaft die er trainiert gleich so etwas zu erreichen...
TheDjemba 25.01.2018
4. Ganz
Zitat von philemajoOffenbar läuft bei Madrid momentan einiges schief. Aber eine solche Niederlage mit dem Fehlen dreier Stars erklären zu wollen, greift viel zu kurz. Selbst die Hinterbänkler im Kader der Madrilenen sind Multi-Millionen-Profis, die für kaum einen anderen Verein finanzierbar wären. Man gewinnt auch nicht zweimal in Folge die CL, wenn das Gelingen solcher Spiele von den Superstars in vorderster Front abhingen ...
Ganz nebenbei erwähnen Sie, dass Real zwei mal hintereinander die CL gewonnen hat. Das ist nicht uninteressant, denn meiner Ansicht nach ist das auch genau der Punkt, warum es jetzt nicht läuft. Die Mannschaft besteht seit Jahren aus dem gleichen Kern: Modric, Ramos, Marcelo, Benzema, Ronaldo. Da ist zum einen die Kopfsache, der Hunger, der eventuell fehlt, zum anderen kann kein Spieler jahrelang ohne Pause auf allerhöchstem Niveau spielen. 2016 und 2017 war phänomenal für Ronaldo, jetzt fehlt die Form. Ähnliches gilt für die anderen genannten. Einen Spieler außer Form kann man kompensieren, wenn aber gleich mehrere nur herumdümpeln, wirds schwierig. Meiner Meinung nach braucht die Mannschaft neues Blut, um wieder eine Mannschaft aufzubauen, die zu solchen Höhenflügen möglich ist. Und das dauert. Die Auswechselspieler von Real in allen Ehren, aber das sind eben nicht die großen Würfe. Kovacic, Asensio oder Nacho sind gut, auch gut genug um Leganes zu schlagen, aber eben nicht Weltklasse. Und haste Sch***e am Fuß, haste Sch***e am Fuß, das ist auch bei Real so.
duke_van_hudde 25.01.2018
5. Es wird auf jeden Fall spannend
Mal sehen welche Spieler sie nach der WM kaufen werden. Ich würde auf 2-3 tippen und auf Kosten so zwischen 300 -500 Mio. Tja und dann mal schauen was mit Ronaldo wird. Nach einer guten WM könnte man ihn noch teuer nach England verkaufen, aber sonst droht wohl stress mit den neuen Spielern.
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