Real Madrid vor Duell mit AS Rom Zidanes Reifeprüfung

Zinédine Zidane kann auf einen mehr als gelungenen Einstand als Trainer bei Real Madrid zurückblicken. Dabei verzichtete der einstige Weltfußballer bisher auf große Veränderungen im System.

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Anfang Januar wurde Zinédine Zidane Trainer von Real Madrid, als Nachfolger von Rafael Benítez, der nach nur einem halben Jahr entlassen worden war. Zidane sollte nach dem Wunsch von Klub-Präsident Florentino Pérez eigentlich erst im Sommer befördert werden. Aber die mangelnde Popularität von Benítez veranlasste den Verein, den geplanten Schritt vorzuziehen.

Auf seiner ersten Station als Cheftrainer einer ersten Mannschaft gleich mitten in der Saison Real Madrid zu übernehmen, ist anspruchsvoll. Erleichtert wurde es Zidane aber ausgerechnet durch einen Patzer seines Vorgängers. Nachdem Benítez im Pokal beim Drittligisten Cádiz einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hatte, war Madrid aus der Copa del Rey ausgeschlossen worden. Dadurch gab es für Real bis zum Achtelfinale der Champions League keine einzige Englische Woche. Während Konkurrent Barcelona 17 Pflichtspiele im Januar und Februar bestreiten muss, sind es für Real nur zehn.

So konnte der neue Coach in den Trainingswochen viel Zeit darauf verwenden, dem Team seine Spielidee zu vermitteln. Bei fünf Siegen und einem Unentschieden aus sechs Ligaspielen scheint das bisher ganz gut zu funktionieren. Vor allem die vier torreichen Heimspiele (5:0 gegen Deportivo, 5:1 gegen Sporting Gijón, 6:0 gegen Espanyol und 4:2 gegen Athletic Bilbao) begeisterten die Fans. Doch wie kam es zu dem erfolgreichen Einstand?

Zidane verzichtet auf größere Veränderungen

Von plakativem Aktionismus ist in Zidanes taktischer Ausrichtung bislang noch nicht viel zu sehen. Ganz im Gegenteil. Der Franzose setzt, wie auch sein Vorgänger Benítez, entweder auf ein 4-3-3- oder ein 4-2-3-1-System. Die Mittelfeldzentrale besteht nach wie vor aus Toni Kroos und Luka Modric, die beiden Strategen sind für den Spielaufbau weiter unverzichtbar. Auch im Sturm nahm Zidane keine Änderungen vor. Warum auch? Karim Benzema, der derzeit allerdings verletzte Gareth Bale und Cristiano Ronaldo harmonieren prächtig. Die drei Angreifer erzielten 18 der 23 Treffer der Madrilenen unter Zidane. Weitere sieben Tore legten sie auf.

Wenn man beim spanischen Rekordmeister eine Schwäche sucht, findet man sie zumeist in der Rückwärtsbewegung. Vor allem Ronaldo und Bale arbeiten oft nicht mit nach hinten. Real kassierte unter Benítez im Schnitt ein Tor pro Spiel, unter Zidane sind es bislang 0,83.

Profiteur Isco

Doch wie bei fast jedem Trainerwechsel gibt es auch im Kader von Real Madrid Spieler, die von der Neubesetzung profitiert haben. In diesem Fall ist es Francisco Román Alarcón Suárez, kurz Isco. Der Spanier, der 2013 für 35 Millionen Euro mit großen Erwartungen aus Málaga verpflichtet wurde, lief in den bisherigen sechs Begegnungen unter Zidane fünfmal von Beginn an auf. In den drei Spielen zuvor, unter anderem beim 10:2-Erfolg gegen Rayo Vallecano, saß der Nationalspieler 90 Minuten auf der Bank. Zidane schenkt ihm mehr Vertrauen als sein Vorgänger.

Isco bekleidet unter Zidane die halblinke offensive Mittelfeldposition und verschafft Marcelo auf der linken Verteidigerposition somit mehr Räume, indem er Gegenspieler auf sich zieht. Das macht sich auch statistisch bemerkbar. Der Brasilianer hatte in den ersten vier Partien nach dem Trainerwechsel mehr Ballkontakte in der gegnerischen als in der eigenen Hälfte. Auch Daniel Carvajal auf der rechten Außenverteidigerposition interpretiert seine Rolle unter Zidane offensiver. Von vier Assists in der laufenden Saison gelangen dem ehemaligen Leverkusener drei in den Spielen unter Zidane.

Urteil steht noch aus

Die reinen Resultate Zidanes können sich sehen lassen. Aber auch Benítez gewann zu Saisonbeginn sieben der ersten zehn Spiele in der Liga und blieb bis in den November hinein ungeschlagen. Die meisten Gegner in der spanischen Liga stellen für diesen Kader keine Hürde dar. Der AS Rom ist da in der Champions League schon heikler - zumal der neue Römer Coach Luciano Spalletti 2008 Madrid im Achtelfinale aus dem Wettbewerb beförderte.

Mag sein, dass man Zidane das (wahrscheinliche) Verpassen des Meistertitels noch verzeihen würde: Er ist eine Legende in Madrid, und den aktuellen Punkterückstand hat er nicht zu verantworten. Die wichtigen Spiele finden Ende Februar gegen Atlético und an Ostern in Barcelona statt. Dort nicht zu verlieren, dürfte für eine insgesamt positive Bewertung von Zidanes Einstandshalbserie schon ausreichen.

Über allem steht bei Real Madrid aber traditionell das Abschneiden in der Champions League. Rom wird Zidanes erstes Gesellenstück.



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kebochum 18.02.2016
1. Wieso 7 Spiele weniger?
Wieso sind es nur durch das Ausscheiden im Copa del rey 7 spiele weniger als Barcelona?
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