Real Madrid Wie verhindert man, dass Erfolg träge macht?

Zidane: zurückgetreten. Cristiano Ronaldo: weg. Nach drei Champions-League-Triumphen muss Real Madrid sich neu erfinden. Den radikalen Umbruch scheut man - mit einer Ausnahme.

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Dreimal in Folge haben sie die Champions League gewonnen. Kein anderer Klub im europäischen Fußball stand in den vergangenen Jahren so sehr für Kontinuität wie Real Madrid - und das nicht nur, was den sportlichen Erfolg anging.

In den beiden siegreichen Endspielen 2017 und 2018 starteten die Königlichen sogar mit exakt derselben Aufstellung: Keylor Navas, Dani Carvajal, Sergio Ramos, Raphaël Varane, Marcelo, Casemiro, Toni Kroos, Luka Modric, Isco, Karim Benzema und Cristiano Ronaldo. Das war sie offensichtlich, die Formel für den maximalen Erfolg. Warum also etwas ändern, wenn es so perfekt funktioniert?

Weil Fußball so nun einmal nicht funktioniert. Spieler werden älter, Spieler werden satter, Erfolgsphasen lassen sich ohne neue Impulse nicht beliebig verlängern. Auch Trainer Zinédine Zidane hatte dieses Gefühl, als er Ende Mai wenige Tage nach dem 3:1-Finalsieg gegen Liverpool überraschend seinen Rücktritt erklärte. "Ich glaube, es ist der richtige Moment für mich, für das Team und für den Verein", sagte Zidane damals. Eine andere Ansprache und andere Methoden, das sei es, was die Mannschaft benötige. Nationaltrainer Julen Lopetegui trat die Nachfolge an, nicht ohne Nebengeräusche.

Alles neu bei Real? Nein!

Spätestens mit dem Abgang von Superstar Cristiano Ronaldo, der nach neun Jahren zu Juventus Turin weiterzog, war klar, dass im Sommer 2018 in Madrid eine Ära endete. Zidane weg, Ronaldo weg - alles neu bei Real? Nein. Was zunächst nach dem ganz großen Umbruch klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen nämlich eher als wohldosierter Neuanfang.

Am Mittwochabend (21 Uhr) startet Real Madrid in die neue Pflichtspielsaison, in Tallinn kommt es im Duell um den europäischen Supercup zum Stadtduell mit Europa-League-Champion Atlético, am Wochenende beginnt die spanische Liga. Die Frage, die über allem steht: Wie ersetzt man einen Mann, der in seinen 438 Spielen für Real 450 Tore erzielt hat? Das ist mehr als ein Treffer pro Spiel. Im Schnitt. Über neun Jahre hinweg. Wie ersetzt man Cristiano Ronaldo?

"50 Tore pro Saison sind nicht einfach zu übertragen", sagte Toni Kroos dem "Kicker", er glaubt aber trotzdem: "Wir werden auch dieses Jahr wieder schwer zu schlagen sein." Ein Schlüssel könnte der erst 18 Jahre alte Brasilianer Vinícius Júnior werden. Dessen Verpflichtung hatte Real bereits im Mai 2017 perfekt gemacht, 46 Millionen Euro an Flamengo Rio de Janeiro überwiesen - für einen damals 16-Jährigen, der allerdings erst nach Erreichen der Volljährigkeit in Europa spielberechtigt war.

Antrittsschnell, dribbelstark, er fühlt sich wohl auf der linken Seite, kann aber auch als hängende Spitze spielen: Vinícius Júnior bringt perspektivisch alles mit, um den 15 Jahre älteren Ronaldo irgendwann zu beerben. Trotzdem arbeitet man in Madrid noch immer an einer Lösung, die weniger eine Wette auf die Zukunft als eine Investition in die Gegenwart ist.

Die Hoffnung, auch den belgischen WM-Star Eden Hazard vom FC Chelsea ins Santiago Bernabéu zu locken, soll der Klub angeblich noch immer nicht aufgegeben haben. Englische Medien berichteten zuletzt über ein 200-Millionen-Pfund-Angebot (224 Millionen Euro) aus Madrid. Das Problem: Da das Transferfenster in der Premier League für Zugänge bereits geschlossen ist, dürfte Hazard zwar gehen - Chelsea könnte aber erst im Winter Ersatz holen. Wahrscheinlicher scheint da eine Verpflichtung des Serie-A-Torschützenkönigs Mauro Icardi, der Argentinier hatte in der abgelaufenen Spielzeit 29 Tore für Inter Mailand erzielt.

Lopetegui setzt auf mehr Dominanz

Der bislang prominenteste Neue kommt ebenfalls aus Chelsea: Thibaut Courtois dürfte Keylor Navas als Stammtorhüter ablösen, auf einer Position also, auf der Madrid auch vorher schon stark besetzt war.

Der international eher unbekannte Álvaro Odriozola kommt vom Ligakonkurrenten Real Sociedad, um auf der rechten Defensivposition Dani Carvajal Konkurrenz zu machen. Ansonsten aber ist erstaunlich viel beim Alten geblieben: Das Mittelfeld-Dreieck Modric-Kroos-Casemiro bleibt erhalten, die spanischen Jungstars Isco und Marco Asensio waren in den vergangenen Jahren ohnehin bereits an die Stammelf herangeführt worden, dürften künftig noch mehr Verantwortung übernehmen.

Der größte Impuls dürfte somit tatsächlich von außen kommen: vom neuen Trainer Lopetegui, der deutlich stärker als sein Vorgänger auf Ballbesitzfußball setzt. In den beiden Champions-League-Halbfinalduellen gegen Bayern München kamen die Blancos jeweils nur auf etwa 40 Prozent Ballbesitz, im Schnitt über die komplette Saison in der Königsklassenspielzeit 2017/2018 waren es "nur" 57,5 (Platz sechs aller Teams). Lopeteguis Vorstellung vom perfekten Spiel beinhaltet dagegen ein Maximum an Kontrolle. Hat Lopeteguis Team den Ball, hat ihn der Gegner nicht. So einfach war das bei ihm bislang.

Neben einer neuen Ansprache und neuen Methoden bekommt Real Madrid damit unter Umständen: eine neue Spielidee. Und das ist oft deutlich radikaler als ein aggressiver Transfersommer.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
leonidas7 15.08.2018
1. Da Real
sicher sein kann, dass in CL-Spielen die Schiedsrichter immer ihr 12. Mann sind, macht das evtl. etwas träge.
geradsteller 15.08.2018
2. Rbb
Real, Bayern, Barca,.....Man wird den großen schon irgendeinen Titel zuschustern, oder sie zumindest unter sich ausspielen lassen. Titelliste Saison geht ja garnicht
umseme 15.08.2018
3.
Zitat von leonidas7sicher sein kann, dass in CL-Spielen die Schiedsrichter immer ihr 12. Mann sind, macht das evtl. etwas träge.
Ich finde wenn man von der Materie keine Ahnung hat, sollte man lieber nichts schreiben.
zauberer2112 15.08.2018
4. Rambo Ramos
und Querpass-Toni sind doch geblieben, was soll da schon schiefgehen? Selbst ohne den ewigen weltbesten Weltfußballer aller Zeiten?
Kurt2.1 15.08.2018
5. .
Überschrift: Wie verhindert man, dass Erfolg träge macht? ----- Ich musste sofort an den HSV denken. Er belegt, dass das auch für Misserfolg gelten kann.
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