Real Madrids Pokalsieg: Triumph trotz Totalschaden

Von Gereon Detmer

Was für ein Fauxpas! Bei der Siegesfeier fiel Madrids Verteidiger Ramos der Pokal aus den Händen, der Pott zersprang in zehn Teile. Aber egal, wichtiger war der Sieg gegen Barcelona: Real bot eine taktische Meisterleistung - und Starcoach Mourinho triumphierte über seine Kritiker.

DPA

Gegen vier Uhr morgens, auf der Busfahrt zum Brunnen Fuente de Cibeles in Madrid, vorbei an 50.000 frenetisch jubelnden Anhängern, passierte das Missgeschick. Sergio Ramos, der Abwehrhüne von Real Madrid ließ den Copa del Rey, den Königspokal, aus den Händen gleiten. Die 15 Kilogramm schwere Trophäe klatschte auf den Beton und wurde von dem tonnenschweren Doppeldecker-Bus überrollt, auf dessen Dach sich die Real-Spieler feiern ließen.

Der Radiosender Cadena Ser berichtete von mehr als zehn Teilen, die anschließend von der Straße aufgesammelt werden mussten. "Er ist gefallen, aber er ist okay", sagte Ramos wenig schuldbewusst später zu Reportern.

Real Madrid erhielt noch am Donnerstag eine Kopie. Der vom Fußballverband RFEF beauftragte Juwelier Federico Alegre sagte, es sei ungewiss, ob das Original noch repariert werden könne: "Wenn ein Pokal aus fünf Meter Höhe auf den Asphalt stürzt und unter einen Bus gerät, gestaltet sich eine Reparatur schwierig."

"Real herrscht wieder"

Die Nachricht vom demolierten Pokal überlagerte den Erfolg an diesem Abend. Durch ein Tor von Cristiano Ronaldo in der Verlängerung hatte Real zuvor das spanische Cup-Finale gegen den Erzrivalen FC Barcelona gewonnen und den ersten Titel seit der Meisterschaft 2008 geholt. "Real herrscht wieder. Nach 18 Jahren beendete Real den Pokal-Fluch", huldigte die Sporttageszeitung "Marca" den Club, der erstmals seit 1993 diesen Wettbewerb wieder gewinnen konnte. "Ein Erfolg der Kraft und des Glaubens", schrieb die Zeitung "AS".

Und vor allem ein Erfolg für José Mourinho. Der portugiesische Real-Coach war nach dem 1:1 im Liga-Duell gegen Barcelona drei Tage zuvor von Ehrenpräsident Alfredo di Stefano hart kritisiert worden. Madrid sei "bloß hin und her gelaufen. Real verweigert seinen Fans das Glücksgefühl, das sie verdienen", schrieb die Clublegende in seiner Kolumne für die Sporttageszeitung "Marca". Und weiter: "Barcelona war ein Löwe, Madrid bloß eine Maus."

Das Wort des 84-Jährigen hat im Verein Gewicht. Der Ehrenpräsident gehört zu jener legendären Real-Mannschaft, die über Jahre den europäischen Club-Fußball dominierte und zwischen 1956 und1960 fünfmal in Folge den Europapokal der Landesmeister holte. Der Rundumschlag gegen das eigene Team endete mit der Höchststrafe, dem Lob für den in der Liga mit acht Punkten enteilten Erzrivalen: "Barcelona hat die Meisterschaft verdient."

Mourinho wäre nicht er selbst, wenn er sich nach dem Pokalsieg einen entsprechenden Kommentar nicht hätte verkneifen können. "Das ist ein phantastischer Triumph. Großer Fußball bedeutet nicht nur Ballbesitz", sagte der 48-Jährige, der von di Stefano wegen seiner zu defensiven Spielweise kritisiert worden war.

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Real Madrid: Feiern mit Panne
Der Trainer hatte seiner Mannschaft die perfekte Taktik für das Endspiel verordnet. Anders als noch im ersten Duell der spanischen Schwergewichte in der Liga drei Tage zuvor, versuchte die technisch unterlegene Real-Mannschaft diesmal nicht, einfach mitzuspielen.

Stattdessen verlegten sie sich darauf, das virtuose Kurzpass-Spiel des FC Barcelona zu unterbinden. Bei Balleroberung wurde schnell in die Spitze gespielt. Das Konzept ging in der ersten Halbzeit auf, erst nach dem Seitenwechsel wurde Barcelona stärker. Real überstand einige brenzlige Situationen und kam in der Verlängerung durch Ronaldo zum Siegtreffer.

"Ich glaube, wir haben alles richtig gemacht", sagte der stets selbstbewusste Mourinho. Gelingt es der Mannschaft, die taktischen Vorgaben ihres Trainers auch in den nächsten beiden Partien gegen Barcelona im Halbfinale der Champions League (27. April und 3. Mai) umzusetzen, ist sogar der Einzug ins Endspiel der Königsklasse realistisch.

"Wir haben sehr viel gearbeitet. Aber jetzt müssen wir nach vorne schauen und in der Champions League weiterkommen", sagte Deutschlands Nationalspieler Mesut Özil, der beim Finale in Valencia in der 70. Minute ausgewechselt wurde und wie Sami Khedira insbesondere in der ersten Halbzeit eine ordentliche Leistung bot.

Aber auch das war nur eine Randnotiz an einem Abend, der neben einem großen Triumph und einem kaputten Pokal noch einen weiteren denkwürdigen Augenblick bereithielt. "Wir sind nicht alle da - Raúl fehlt", sangen die Fans am Cibeles-Brunnen. Es war eine Huldigung für den Stürmer, der vor dieser Saison von Real zum FC Schalke 04 gewechselt war. Raúl spielte 16 Jahre für Madrid. Er gewann bis auf eben jenen spanischen Pokal sämtliche Titel, die es zu gewinnen gibt.

Sollte Schalke gegen Manchester United bestehen und Real ein zweites Mal gegen Barcelona, würde es im Finale der Champions League zu einem Wiedersehen kommen. Und wenn nicht, kann Raúl sich ja mit dem deutschen Pokal schadlos halten: Im Endspiel mit Schalke steht das Real-Idol schon einmal.

Mit Material von dpa und sid

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insgesamt 7 Beiträge
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1. Wayne interessierts?
Pinarello 21.04.2011
Das ist jetzt nun wirklich ein Thema, das in Deutschland wohl niemanden interessieren sollte. Im übrigen steht Spanien ja bereits als nächstes Land auf der Pleiteliste, beim betrachten der Schulden beider Vereine weiß man auch, warum.
2. Das interresiert wohl
emiliolojo 21.04.2011
Zitat von PinarelloDas ist jetzt nun wirklich ein Thema, das in Deutschland wohl niemanden interessieren sollte. Im übrigen steht Spanien ja bereits als nächstes Land auf der Pleiteliste, beim betrachten der Schulden beider Vereine weiß man auch, warum.
Ich wette ein Fuffi das das deutsche pokalfinale auch in Spanien gezeigt werden wird, wegen Raul und Jurado. Das ist europaische Zusammenkunft.
3. Foren Troll bei SPON ?
12_Apostel 21.04.2011
Zitat von PinarelloDas ist jetzt nun wirklich ein Thema, das in Deutschland wohl niemanden interessieren sollte. Im übrigen steht Spanien ja bereits als nächstes Land auf der Pleiteliste, beim betrachten der Schulden beider Vereine weiß man auch, warum.
Wenn es wohl niemanden interessiert, warum lesen Sie den Artikel und machen sich die Mühe einen solchen inhaltslosen Kommentar zu verfassen ? Ihr Kommentar zeigt das Sie ein Forentroll sind oder von volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen bzw. Strukturen sehr wenig Kentniss haben.
4. Real hat gut gespielt
dongiovanni25 21.04.2011
Und,. aus einem 0:5 muss man eben auch Lehren ziehen, man kann nicht immer wie Barca versuchen, mit lauter Ballbesitz und Rochaden, die Gegner besoffen zu spielen... Real hat mit einer taktischen Meisterleistung gesiegt. Mourinho ist eben Mourinho!
5. El Presidente
pendejito 22.04.2011
Besonders erleuchtend war für mich: Florentino Perez, der President von Real Madrid,auf der Ehrentribüne, Mann an Mann mit dem Bürgermeister von Madrid. Werden wir den zukünftigen "Boss" von Hochtief in Zukunft auch neben der Bürgermeisterin von Frankfurt sitzen sehen, oder sind in der Mainstadt keine neuen Stadien zu bauen? Wenn ja, sollte sich Don Florentino schon einmal um geeignete Grundstücke bemühen.
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