Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Rechtsextremes Netzwerk: Hooligans und Neonazis bedrohen deutschen Fußball

Von

2. Teil: Lesen Sie im zweiten Teil: Auch NPD-Parteikader sollen zu den GnuHonnters zählen - Soziologe Dembowski erwartet Zulauf für Hooligangruppen - Hitlergruß in Dortmund

Hitlergruß in Dortmund (gegen Stuttgart): Gefahr aus der rechten Szene Zur Großansicht
www.die-Kirsche.com

Hitlergruß in Dortmund (gegen Stuttgart): Gefahr aus der rechten Szene

Für viele Ultragruppen ist Aachen ein Beispiel dafür, wer am Ende tatsächlich die Macht in einer Fankurve hat: die körperlich Stärkeren. Eine ähnliche Erfahrung machen derzeit die Mitglieder der Ultragruppe Ultras Braunschweig 01. Über Wochen wurden sie von den eigenen Hooligans eingeschüchtert, während des Spiels gegen Mönchengladbach kam es zu einer Schlägerei in der eigenen Kurve. Als der Ordnungsdienst die Ultras aus der Kurve begleitete, sangen die Hooligans des Vereins rassistische und homophobe Schmählieder. Wenige Tage nach dem Vorfall bestrafte die Eintracht die Ultras - was zeigt, wie machtlos die Fußballvereine gegenüber rechter Gewalt sind. Auch in Dortmund, Duisburg, Rostock, München, Frankfurt, Dresden oder Düsseldorf kam es in jüngster Zeit zu rechten Übergriffen gegen linke Ultras.

Äußeres Ruhrgebiet, ein kleines Café direkt neben einem See. Ein Staatsschützer, dessen Name geheim bleiben soll, legt Gruppenfotos der GnuHonnters vor. Alte und junge Menschen posieren gemeinsam, einige zeigen den Hitlergruß. Der Ermittler fährt mit dem Finger über die Köpfe, nennt Namen. Zu sehen sind laut des Staatsschützers rechtsextreme Kader aus Cottbus, Dortmund, Duisburg, Essen, Dresden, Braunschweig, Berlin, Frankfurt und München. Auch NPD-Parteikader. Der Staatsschützer erklärt, man wisse von der Bewegung der GnuHonnters. Bis zu 300 Personen groß soll sie sein, wie auf Fotos nach einem der letzten Treffen zu sehen ist. Doch unternehmen könne man gegen sie derzeit nur wenig. Die Behörden müssten sich zunächst auf Zuständigkeiten einigen, da das Netzwerk ständig in anderen Bundesländern aktiv sei. Zudem verstoße die Gruppe nur selten gegen Gesetze. Die verfassungsfeindlichen Symboliken einzelner Mitglieder würden nicht zur staatlichen Zerschlagung ausreichen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gruppe in den kommenden Wochen weiter anwachsen werde.

"Symbolpolitik mit Plakaten und Flyern"

Auch Gerd Dembowski, Soziologe und Fanforscher, glaubt, dass rechte Hooligans weiteren Zulauf bekommen werden. Vielen Fans sei die "Ultraidee einfach zu poppig", vor allem junge Anhänger würden sich zunehmend wieder den Hooligans zuwenden. "Die Hooligans sind auch erlebnisorientiert wie Ultras, aber klarer strukturiert", sagt Dembowski, der einige Bundesliga-Clubs bei ihrer Antidiskriminierungsarbeit berät. Er kritisiert, dass die Clubs zu viel Wert auf Parolen legten: "80 Prozent der Antidiskriminierungsarbeit ist Symbolpolitik mit Plakaten und Flyern. Die Clubs müssten ihre Mitarbeiter schulen, Integrationsbeauftragte einstellen, Fanprojekte stärken. Der Fußball hat mittlerweile einen immensen gesellschaftlichen Auftrag, dem er gerecht werden muss."

Wenige Minuten vor dem Bundesliga-Spiel von Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart wird von ehrenamtlichen Helfern eine Broschüre verteilt. Das Freitagsspiel unter Flutlicht ist für den BVB die große Bühne, um sich den rechten Problemen innerhalb der eigenen Hooligan- und Ultraszene zu stellen. In der Broschüre finden sich Neonazi-Codes, deren Dechiffrierung gleich mitgeliefert wird. So sollen Besucher für rechtsextreme Tendenzen im Stadion sensibilisiert werden.

Kurz vor dem Anpfiff steigt ein Mitglied der rechtsextremen Dortmunder Hooligangruppe Northside auf den Fangzaun vor der Südtribüne. Völlig unverhohlen reißt er sein T-Shirt hoch, entblößt seinen durchtrainierten Körper. Mit dem rechten Arm zeigt er den Hitlergruß. Die Vorsänger der Dortmunder Ultragruppe The Unity schauen von ihrem Podest aus zu.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Themenpaket: Gefahr von rechts

Themenseiten Fußball

Tabellen


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: