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Rechtsextremes Netzwerk: Hooligans und Neonazis bedrohen deutschen Fußball

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Aachen, Braunschweig, Duisburg - immer häufiger wird der Fußball zur Bühne rechter Gewalt. Soziologen und Staatsschützer sind alarmiert. Sie warnen vor einer neuen Gefahr: einem Netzwerk aus Neonazis und Hooligans.

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Hitlergruß in Dortmund (gegen Stuttgart): Gefahr aus der rechten Szene

Sie nennen sich GnuHonnters, der Name soll für New Hunters stehen, neue Jäger. Ihr Leitspruch lautet: "Kameraden im Geiste. Viele Farben, dennoch eine Einheit." Vor drei Wochen trafen sich einige Mitglieder im Rahmen einer kleinen Feier in Berlin, eine Hooligangruppe beging ihren 30. Geburtstag. Es gab Bier, Rockmusik, dazu Stripperinnen und Tabledance. Irgendwann schleppte einer der Gäste, ein tätowierter Schrank mit Glatze, eine Riesenschlange auf den Schultern durch den Raum.

Die GnuHonnters sind ein Zusammenschluss von 17 Hooligangruppen aus ganz Deutschland. Hooligans prügeln sich eigentlich untereinander. Aber jetzt haben sie sich zusammengetan, ein Netzwerk gegründet, um gemeinsam für ihre Sache zu kämpfen. Sie werden dabei unterstützt von gewaltbereiten Rechtsextremisten.

In den vergangenen Jahren wurden die Hooligans durch massiven Polizeieinsatz und engagierte Fans in den Stadien der deutschen Proficlubs stark zurückgedrängt. Die Schläger verabredeten sich seitdem zu Prügeleien fernab der Spielorte und der Öffentlichkeit, auf Äckern und Wiesen. Doch nun ist die Hooligankultur wieder auf dem Vormarsch. Fanbeauftragte aus Dortmund, Braunschweig, Aachen, Frankfurt oder Düsseldorf berichten, dass Hooligans, die bereits in den neunziger Jahren aktiv waren, wieder in den Fankurven Präsenz zeigen.

Überschneidung zwischen Fußballszene und rechtem Milieu

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze, eine Behörde, die Gewalttaten rund um den Fußball protokolliert, bescheinigt den Vereinen der ersten beiden Ligen einen Anstieg "an rechtsmotiviertem Verhalten" innerhalb der gewaltbereiten Hooliganszene. Bei 16 Clubs sieht die Behörde eine personelle Überschneidung zwischen der jeweiligen Fußballszene und dem rechten Milieu. Der Verfassungsschutz spricht von einer 15-prozentigen Überschneidung zwischen fußballaffinen Hooligans und Rechtsextremen. Die Dunkelziffer, so sagen es Staatsschützer aus dem Ruhrgebiet, dürfte deutlich höher liegen.

Beim Prozess gegen die Gruppe Hooligans Elbflorenz in Dresden wurde bekannt, dass etliche der Schläger zusammenarbeiten. "So gingen etwa immer wieder Hunderte Hooligans am Rande von Fußballspielen mit Gewalt auf Polizeibeamte los - geplant und gut organisiert. Wir stellten dabei fest, dass darunter auch zunehmend gewaltbereite Rechtsextremisten waren. Offenbar nutzen sie die Hooliganauseinandersetzungen als Training", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schär, der den Prozess gegen die Hooligans Elbflorenz führte, der "Sächsischen Zeitung". Schär stellte sogar fest, dass Hooligans und Neonazis sich gemeinsam zum Schusstraining mit scharfen Waffen in abgelegenen Wäldern trafen: "Seitdem wir rechtsextremistische Kameradschaften intensiv verfolgen, tummeln sich die Mitglieder in anderen Zusammenhängen wie den Hooligans oder den freien Kameradschaften. Für uns ist es schwieriger geworden, sie zu fassen."

Subtile Agitation

Das Fußballumfeld scheint den Schlägern und Rechten besonders zu gefallen, und dort gibt es auch einen Gegner: die Ultras. Viele Ultragruppen verknüpfen ihr Fansein mit politischen Themen, sie unterstützten Anti-Rassismus-Kampagnen, demonstrieren gegen Kommerzialisierung. Das passt den Hooligans nicht. Es bringt ihre machohafte und gewaltgeprägte Welt ins Wanken. Hooligans wollen, so sagen sie es den Ultras, "keine Politik im Stadion". Ein alter Slogan, den Rechtsextreme seit Jahren benutzen, um sich in ehrenamtlichen Sportvereinen oder bei Jugendbewegungen breitzumachen. Durch diese vordergründige Trennung von Sport und Politik wollen sie viele junge Menschen für sich gewinnen. Gemeinsame Kleidung, Musik oder der Besuch von rechtsoffenen Lesungen sollen ein nationales Bewusstsein schaffen. Subtile Agitation.

Die Mitglieder des Netzwerks GnuHoonters sind dabei leichte Beute. Wie zahlreiche Rechtsextremisten haben sie einen gemeinsamen Feind: Auch sie empfinden die oft linksorientierten Ultras als Fluch.

Gegründet wurde die Vereinigung der "neuen Jäger" auf einem Bauernhof in Leichlingen im Rheinland. Damals, Anfang des Jahres 2012, besuchten fast ausschließlich dickbäuchige Althooligans die Veranstaltung. Mitglieder der Dortmunder Borussenfront luden ein, es war ein guter Anlass, um gemeinsam Bier zu trinken und über alte Schlachten zu sprechen. So beschreibt es einer, der seitdem bei mehreren Treffen der Hooligans dabei war.

Von Treffen zu Treffen sollen mehr Hauer dazu gekommen sein. Auch viele jüngere Hooligans, Kampfsportler, Nachwuchskader. Sie trafen sich mal in Frankfurt, mal in Berlin, mal in Essen. Nie zweimal an einem Ort. Ein krudes Pamphlet wurde verfasst, gilt seitdem als Leitbild. Oberstes Gebot: "Herstellung alter Werte." Zweites Ziel: "Keine Antifa im Stadion." Drittens: "Meinungsfreiheit zurückgewinnen."

Seit Monaten kommt es vermehrt zu Übergriffen von rechten Hooligans auf linksorientierte Fangruppen. Das prominenteste Beispiel ist der Traditionsclub Alemania Aachen, dessen Ultrafangruppe Ultras Aachen förmlich aus dem Stadion geprügelt wurde. Zum Saisonende zogen sie sich aus dem Stadion zurück, aus Angst vor den Schlägen der Rechten.

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