Fußball-EM 2012 Redefreiheit für DFB-Spieler, Maulkorb für Schiedsrichter

Grünes Licht vom DFB: Die deutschen Nationalspieler erhalten für die EM in Polen und der Ukraine keine Verhaltensvorgaben und dürfen ihre politischen Meinungen frei äußern. Ein sportlicher Boykott ist zudem ausgeschlossen. Die Schiedsrichter bekamen von der Uefa dagegen einen Maulkorb.

DFB-Kapitän Lahm: "Sie sind informiert und können sich ihre eigene Meinung bilden."
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DFB-Kapitän Lahm: "Sie sind informiert und können sich ihre eigene Meinung bilden."


Hamburg - Die deutschen Nationalspieler dürfen ihre politischen Meinungen bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine (8. Juni bis 1. Juli) frei äußern. "Das ist jedem Einzelnen selbst überlassen. Das sind alles junge und intelligente Kerle, die sich dafür interessieren, was in der Welt passiert", sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach, am Mittwochabend: "Sie sind informiert und können sich ihre eigene Meinung bilden."

Damit wird der DFB den Spielern keine Verhaltens-Empfehlungen geben - und vor der EM weitere Aufklärungsarbeit leisten. "Im Vorfeld dieses Turniers wird es eine ganz wichtige Rolle spielen, die Mannschaft einzustimmen", so Niersbach, der einen Boykott des Turniers erneut kategorisch ausschloss: "Wir haben uns klar positioniert. Auch in Kontakt mit der Bundesregierung. Ein sportlicher Boykott kommt nicht in Frage."

Die EM-Spiele in der Ukraine stehen aufgrund der Anschlagsserie am Freitag in Dnjepropetrowsk und wegen Menschenrechtsverletzungen stark in der Kritik. Besonders die Behandlung der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko wird angeprangert. Der SPIEGEL hatte berichtet, dass von politischer Seite ein Boykott des Turniers in Erwägung gezogen wird. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger, der der Uefa-Exekutive angehört, hatte die Nationalspieler bereits zu politischen Meinungsäußerungen ermutigt. Auch Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, hatte das gefordert.

Schiedsrichter dürfen sich während der EM nicht äußern

Zumindest sportlichen dürfen sich die EM-Schiedsrichter nicht äußern. Sie haben von der Uefa ein Interviewverbot für den gesamten Turnierzeitraum auferlegt bekommen. "Sie müssen sich auf das Turnier konzentrieren. Es ist den Schiedsrichtern während der EM nicht erlaubt, Kontakte zu Medien zu haben oder Kommentare abzugeben", sagte Uefa-Schiedsrichterchef Pierluigi Collina in Warschau bei einem Workshop der zwölf EM-Referees.

Ausnahme werde vermutlich ein Medientag nach der Vorrunde sein. "Aber zwischendurch dürfen die Schiedsrichter nicht sprechen", so Collina. Bei der WM 2010 hatte der Weltverband Fifa nach der Kritik an den Leistungen der Unparteiischen einen Maulkorb verhängt. Der Medientag war damals zur Farce verkommen, da sich die Schiedsrichter nicht zu Spielen und Entscheidungen geäußert hatten.

"Es ist immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist man schon froh, denn unsere Hauptaufgabe hier ist es, die Spiele zu leiten", sagte der einzige deutsche Schiedsrichter bei der EM, Wolfgang Stark. Der Druck auf ihn und seine EM-Kollegen werde "immens groß sein", so der 42-Jährige. Zur Boykott-Debatte wollte Stark keine Stellung beziehen: "Ich möchte das ganz klar trennen, Politik und Sport. Ich bin für den sportlichen Bereich zuständig."

max/dpa/sid

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Seite 1
Leberwurstpizza 03.05.2012
1.
"Das sind alles junge und intelligente Kerle, die sich dafür interessieren, was in der Welt passiert." Na, da bin ich aber mal gespannt. Ich mag Fußball, aber bisher haben sich Profifußballer meistens als Menschen präsentiert, die sowohl Mailand als auch Madrid in Italien verortet haben und sich primär für Handgelder und langbeinige Blondinen interessierten. Ein Nationalspieler mit (welt)politischer Meinung? Hätte nichts dagegen, aber so richtig glaube ich nicht dran ...
Stelzi 03.05.2012
2. Schlaubär
Zitat von Leberwurstpizza"Das sind alles junge und intelligente Kerle, die sich dafür interessieren, was in der Welt passiert." Na, da bin ich aber mal gespannt. Ich mag Fußball, aber bisher haben sich Profifußballer meistens als Menschen präsentiert, die sowohl Mailand als auch Madrid in Italien verortet haben und sich primär für Handgelder und langbeinige Blondinen interessierten. Ein Nationalspieler mit (welt)politischer Meinung? Hätte nichts dagegen, aber so richtig glaube ich nicht dran ...
Ja, das wirft ein überaus intellektuelles Licht auf dich, heutige Spieler, die noch die Grundschule besuchten als Möller diesen Mumpitz verzapft hat, mit eben diesem in den selben Korb zu schmeissen. Verallgemeinerung ist auch eine Form von geistiger Armut.
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