Reformen DFB beschließt Aufschwung Ost

Mehr Regionalliga-Aufsteiger, mehr Großereignisse und Hilfen von den großen Bundesliga-Vereinen aus dem Westen - dem Fußball im Osten Deutschlands wird unter die Arme gegriffen. DFB-Präsident Theo Zwanziger hat dieses Projekt zur Chefsache erklärt.


Westlegende Horst Eckel, Ostlegende Sparwasser, Bundeskanzler Schröder: "Die Talente dürfen nicht verloren gehen"
DPA

Westlegende Horst Eckel, Ostlegende Sparwasser, Bundeskanzler Schröder: "Die Talente dürfen nicht verloren gehen"

Leipzig - Nach dreistündigen Beratungen beim großen "Ostfußball-Gipfel" in Leipzig versprach der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger den Vereinen aus den neuen Bundesländern, künftig mehr Trainer aus dem Osten in den Stab des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aufzunehmen.

Vorzeigefiguren des Ostfußballs wie Matthias Sammer oder Ulf Kirsten sollen zudem Patenschaften für Clubs übernehmen. "Der Osten braucht keine Almosen, er braucht Chancengleichheit. Wenn wir mit dem Fußball in Deutschland vorankommen wollen, muss der Osten einen besonderen Part übernehmen", sagte Zwanziger.

Der Geschäftsführende Präsident will vor allem den Fußball in den unteren Ligen beleben. Aus diesem Grund wurde beschlossen, dass in der kommenden Saison beide Meister der zweigeteilten Oberliga Nordost in die Regionalliga aufsteigen dürfen. Bisher hatten die Sieger bei der Staffeln in einer Relegation um den Aufstieg gespielt. Die Neuregelung bedarf noch der Zustimmung des DFB-Präsidiums.

Ostvereine sind zufrieden

Zwanziger versprach zudem, persönlich auf Werbetour durch die neuen Länder zu gehen, um die Politik von der Wichtigkeit eines Aufschwungs des Fußballs zu überzeugen. Dazu gehört, dass bei der Vergabe von Großereignissen künftig ostdeutsche Städte öfters bedacht werden.

So wird die Nationalmannschaft 2006 in Rostock auftreten, außerdem wurde ein Spiel der Frauen-Weltmeister nach Cottbus vergeben. Die Europameisterschaft "U17" soll 2009 in Thüringen und Sachsen stattfinden. Und wenn es nach Werner Hackmann geht, dem Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), soll das Ligapokal-Finale ab sofort immer in einem ostdeutschen Stadion ausgetragen werden. In diesem Jahr wird das Endspiel am 2. August in Leipzig ausgespielt.

Bei den Ost-Vereinen kam nach Absichtserklärungen von DFB und DFL Zufriedenheit auf. "Ich denke, dass das Ergebnis in Ordnung ist. Niemand hat erwartet, dass wir hier mit dem großen Geldkoffer rausgehen. Wichtig ist vor allem, dass wir jetzt fair behandelt werden", erklärte Manfred Wimmer, Präsident von Hansa Rostock. Der Abstieg der Hanseaten aus der ersten Liga war der Auslöser für eine umfassend Analyse der ostdeutschen Fußballkrise.

Zeitgleich zum zu den Verbandsbeschlüssen hat der frühere DDR-Auswahlspieler Jürgen Sparwasser begonnen, in Brieselang bei Potsdam eine Fußballschule zu bauen. Ein privater Investor finanziert das 6,5-Millionen-Euro-Projekt. Die Grundsteinlegung ist für den 31. August geplant. Die Eröffnung soll noch vor der WM 2006 folgen.

"Es ist schade, dass der Osten so weit abgerutscht ist. Die Talente dürfen nicht verloren gehen", sagte Sparwasser. Ausgebildet werden sollen 6- bis 14-Jährige. Der frühere Stürmer des 1. FC Magdeburg wird auch persönlich als Trainer arbeiten.



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