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Regeländerungen im Fußball: Die Hand im Spiel

Klares Handspiel, kein Strafstoß: Nur, wenn der Ball absichtlich im Strafraum mit der Hand gespielt wird, pfeift der Schiedsrichter Elfmeter. Warum eigentlich? SPIEGEL-ONLINE-Autor Jens Jeep hat sich eine Regel ausgedacht, die gerechter ist als die alte.

Im fünften Teil der SPIEGEL ONLINE-Serie über mögliche Regeländerungen haben wir uns mit der Einführung von Zeitstrafen befasst. Im sechsten und abschließenden Teil geht es um das Handspiel und um die Frage, warum nur "absichtliche" Handspiele im Strafraum zum Elfmeter führen sollen.

Nationalspieler Vittek (r.) und Metzelder: Klares Handspiel
DPA

Nationalspieler Vittek (r.) und Metzelder: Klares Handspiel

Rückblick: Spiel Köln gegen Hannover in der Hinrunde der aktuellen Ligasaison, Hannover geht mit dem Ball in den Strafraum, ein Abwehrspieler fällt auf den Rücken, dreht sich, der vom Stürmer vorgelegte und in Torrichtung rollende Ball springt gegen die Hand des Abwehrspielers und von dort so zur Seite, dass der Angreifer diesen nicht mehr kontrollieren kann.

Der Schiedsrichter pfeift nicht. Er denkt: "Ja, es war Hand. Aber unabsichtlich, die Hand ging nicht bewusst zum Ball." Kein Pfiff. Kein Elfmeter. Nichts. Durchaus regelkonform. Denn es heißt in Regel 12:

"Dem gegnerischen Team wird ebenfalls ein direkter Freistoß zugesprochen, wenn ein Spieler eines der nachfolgenden drei Vergehen begeht (…) den Ball absichtlich mit der Hand spielt."

Absicht lag ersichtlich nicht vor. Aber es wurde eine klare Torchance verhindert. Und zwar mit der Hand. In der Kommentatorenwelt entspinnt sich als Folge solcher Szenen eine Debatte um natürliche und unnatürliche Bewegungen der Hand zum Ball. Felix Magath stellte sogar kürzlich fest, Hand sei nun mal Hand, egal ob gewollt oder nicht. Da ist was dran, doch so einfach ist es nicht.

Im echten Strafrecht gibt es die Unterscheidung zwischen objektivem Tatbestand (WAS ist passiert, hier: Gab es ein Handspiel? Ja!) und subjektivem Tatbestand (WAS wollte der Täter, hier: War es Absicht? Nein!).

Diese Unterscheidung ist insbesondere erforderlich für die Frage der persönlichen Bestrafung des Täters, hier die der Verwarnung. Denn nur dann, wenn etwas dem Einzelnen vorgeworfen werden kann, darf er bestraft werden. Doch der mangelnde Vorsatz ändert nichts am Tatbestand, hier der Verhinderung des Torschusses durch die Hand.

Dem Schiedsrichter stehen in solchen Fällen eigentlich zwei völlig unterschiedliche Anordnungen beim Abpfiff des Spiels wegen Handspiels zur Verfügung, die heute aber ohne rechten Grund durch das Erfordernis der Absicht miteinander verknüpft werden: Die objektive Sanktion der Tat (Freistoß, Elfmeter) wegen der Torverhinderung und die subjektive Bestrafung des Täters (Ermahnung, Gelbe oder Rote Karte) wegen des absichtlichen Regelverstoßes. Die Frage ist, warum das eine nicht vom anderen getrennt werden kann?

In Regel 12 wäre beim Handspiel lediglich das Wort "absichtlich" zu streichen.

Was bedeutete dies in unserem obigen Fall? Ein Handspiel lag unzweifelhaft vor. Das Handspiel ist verboten. Also ist das Handspiel zu pfeifen. Im ersten Teil dieser Serie wurde bereits vorgeschlagen, nur im Falle der Verhinderung von konkreten Torchancen einen Strafstoß, bei allen anderen Vergehen im Strafraum jedoch nur einen Freistoß aus 20 Metern zu pfeifen.

Hannover hätte also ein Strafstoß zugesprochen werden müssen. Eine Gelbe Karte (oder gar eine Rote) hingegen wäre mangels Absicht nicht zu verteilen. Eigentlich ganz einfach. Und fair.

"Die Ungerechtigkeiten sind doch die Würze des Spiels." Diesen Satz hört man immer dann, wenn die bestehenden Regeln in Frage gestellt werden.

Träfe es zu, könnte man eigentlich ganz auf Regeln verzichten. Wir hätten viel zu diskutieren, uns viel zu ärgern. Aber das tun wir nicht. Wir wollen die Kunst des Fußballs sich entwickeln sehen. Die besseren Spieler sollen die schöneren Tore schießen. Ungerechtfertigte Elfmeter, taktische Fouls, Klammereien im Strafraum, theaterreife Schwalben, ersperrte Abstöße, zu Unrecht gepfiffene Abseitssituationen, sie alle hindern die Mannschaften am Ziel des Spiels: Tore zu schießen.

Und seien wir ehrlich: Auch mit den vorgeschlagenen Regeln wird es genug zu diskutieren geben. Wir werden weiter mit der Tatsachenentscheidung leben, wenn und weil wir die totale Videoüberwachung während des Spiels nicht wollen. Aber trotzdem lassen sich viele Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten der geltenden Regeln vermeiden.

Die vorgeschlagenen sechs Regeländerungen erhöhen die Attraktivität des Fußballspiels, führen zu mehr Toren und mehr Zuschauern. Auch wenn es paradox klingt: Erst Regeln schaffen Freiheit. Und Freiheit braucht das schönste Spiel der Welt.

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Forum - Braucht der Fußball Regeländerungen?
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1.
DJ Doena 07.04.2009
Man könnte ja das Spielfeld 30 Meter kürzer und 10 Meter schmaler machen. Oder was meint der Herr Sysop?
2. ..
tschoemitoe, 07.04.2009
1. Abseits abschaffen! 2. TV-Beweis am Spielfeldrand einführen! 3. Unberechtigte Karten dürfen zu keiner Sperre führen! 4. Schauspieleinlagen sofort mit Platzverweis ahnden! 5. 50+1 Regelung zementieren! 6. Gehaltsobergrenze für Spieler einführen. 7. Zwangsweiterbildungen für Spieler (v.a. in Sachen Vertragsrecht), so dass Spielerberater verboten werden können! 8. Einheitliches europäisches Lizensierungsverfahren 9. 5 oder mehr Auswechslungen zulassen 10. Zeitstrafen einführen Das wären mal spontan 10 Vorschläge...;-)
3.
SG Dynamo, 07.04.2009
Die Frage ist, was man unter attraktiver versteht. Wenn es nur um mehr Tore geht, dann ganz klar nein! Den das ist genau die Tatsache die mich beim Handball und Basketball annervt. Es fallen viel zu viele Tore und man könnte das ganze Spiel auch auf die letzten 10 Minuten begrenzen.
4.
Fischkopp-Cop 07.04.2009
Zitat von sysopSollte es im Fußball neue Regeln geben, um das Spiel schneller, attraktiver und fairer zu machen? Oder sollte alles beim Alten bleiben?
2 Bälle gleichzeitig im Spiel? Wär doch was...
5.
Christian W., 07.04.2009
Man sollte keine Dopingkontrollen durchführen bzw. es mit der Kontrolle künftig nicht mehr ganz so ernst nehmen, denn so können Fußballer auch in der 90 Minute noch mal zu einem entscheidenden Spurt ansetzen, wo der Reporter dann sagt "Wo hat er nur die Kraft dafür jetzt noch her?" Ach, halt... Neue Regeln? Nein. Besser ausgebildete Schiedsrichter, dass ist es, was man braucht. In den letzten Monaten gab es so viele haarsträubende Fehlentscheidungen, dass einem schon fast übel wird.
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