Regeländerungen im Fußball Per Stoppuhr gegen Zeitschinder

Die letzten Minuten jedes Kinofilms sind voller Action. Was wäre, wenn dort ständig die Hauptdarsteller zusammensacken und den Regisseur um eine Pause bitte würden? So wie es beim jedem spannenden Fußballspiel passiert. SPIEGEL-ONLINE-Autor Jens Jeep weiß Abhilfe.


Im zweiten Teil der Serie zu möglichen Regeländerungen im Fußball lag die Aufmerksamkeit auf Sperren mit Ball, heute geht es um Zeitspiel.

VfB-Coach-Babbel und Stürmer Gomez: Möglichst viel Zeit lassen
DDP

VfB-Coach-Babbel und Stürmer Gomez: Möglichst viel Zeit lassen

Die letzten Minuten eines Spiels sind eine Phase größter Hektik. Die Interessen der beiden Teams gehen typischerweise recht deutlich auseinander. Die zurückliegende Mannschaft möchte Tore schießen. Die führende hat daran kein Interesse mehr. Sie hat am ganzen Spiel kein Interesse mehr. Je mehr Unterbrechungen, desto besser.

Also wird noch eingewechselt, was einzuwechseln geht, immer einzeln natürlich. Der scheidende Spieler gönnt sich Momente der Besinnung und schleicht vom Platz. Jede Berührung mit dem Gegner - gleich an welchem Körperteil - führt zu einem spontanen Zusammenbruch des sich vor Phantomschmerz wälzenden und an den Kopf fassenden Spielers. Mit letzter Kraft wird sich sogar vom Spielfeldrand zurück ins Spielfeld gerollt, auf dass der Schiri endlich unterbrechen, der Arzt sich in aller Ruhe mit der Angelegenheit befassen möge.

Die Emotionen kochen hoch, die Spieler greifen sich gegenseitig an, die Fans fordern entweder den sofortigen Abpfiff oder die ausgiebige Verlängerung, die dann immer drei Minuten beträgt. Das sind nicht die letzten finalen Szenen, die wir sehen wollen.

Wir wollen erleben, wie sich das Spiel dreht, wie eine Mannschaft ausgleicht oder doch noch in Führung geht, wie die andere ihre Führung zurückholt. Die letzten Minuten jedes Kinofilms sind voller Action. Was wäre, wenn dort ständig die Hauptdarsteller zusammensacken und den Regisseur um eine Pause bitte würden? Schuld an allem ist Regel 7. Diese lautet:

"In jeder Spielhälfte wird die Zeit nachgespielt, die verlorengeht für Auswechslungen, Verletzungen von Spielern, transportverletzter Spieler vom Spielfeld, Zeitschinden oder jeden anderen Grund. Die nachzuspielende Zeit liegt im Ermessen des Schiedsrichters."

Die genannten Gründe überzeugen, das Ermessen des Schiedsrichters nicht. Das Spiel braucht kein Ermessen, sondern eine Uhr.

Im Handball kann der Schiedsrichter jederzeit mit einem T-Zeichen für "Time" die Zeit anhalten. Im Eishockey wird ohnehin 60 Minuten "netto" gespielt und jede Unterbrechung führt zum Stopp der Zeit. Für den Fußball sei ein Mittelweg vorgeschlagen, der dem Spiel besser entspricht:

"Die letzte Viertelstunde des Spiels ist eine Netto-Spielzeit. Jede Unterbrechung führt zum Anhalten der Zeitmessung. Das Spiel endet mit Ablauf der 90 Minuten."

Nur wenn der Ball im Spiel ist, sollte die Zeit laufen. Das würde alle Probleme lösen und kein Trainer müsste anschließend wie bekloppt hinter dem Schiedsrichter herlaufen und ihn der Dummheit beschuldigen, weil dieser zu wenig respektive zu viel hat nachspielen lassen. Der Torhüter könnte sich beim Abstoß Zeit lassen, aber dies würde ihm nichts nützen, weil die Zeit noch gar nicht liefe.

Wo kein Foul ist, müsste man auch nicht mehr umfallen, und die Fans könnten sich auf das Anfeuern Ihrer Mannschaft und das laute Herunterzählen des Countdowns beschränken. In den ersten 75 Minuten hingegen gibt es normalerweise für keine Mannschaft einen Grund zum Zeitspiel - und wenn doch, dann gehört der Schuldige verwarnt.

Zugleich verhindert eine Beschränkung auf die letzten 15 Minuten, dass die Spiele unplanbar lang werden. Rechtzeitig zur Sportschau sind alle Spieler aus der Dusche raus.

Lesen Sie im vierten Teil wie man mit Hilfe einer neuen Abseitsregelung die Zahl der Fehlentscheidungen reduziert und gleichzeitig das Spiel schneller macht.



Forum - Braucht der Fußball Regeländerungen?
insgesamt 540 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 07.04.2009
1.
Man könnte ja das Spielfeld 30 Meter kürzer und 10 Meter schmaler machen. Oder was meint der Herr Sysop?
tschoemitoe, 07.04.2009
2. ..
1. Abseits abschaffen! 2. TV-Beweis am Spielfeldrand einführen! 3. Unberechtigte Karten dürfen zu keiner Sperre führen! 4. Schauspieleinlagen sofort mit Platzverweis ahnden! 5. 50+1 Regelung zementieren! 6. Gehaltsobergrenze für Spieler einführen. 7. Zwangsweiterbildungen für Spieler (v.a. in Sachen Vertragsrecht), so dass Spielerberater verboten werden können! 8. Einheitliches europäisches Lizensierungsverfahren 9. 5 oder mehr Auswechslungen zulassen 10. Zeitstrafen einführen Das wären mal spontan 10 Vorschläge...;-)
SG Dynamo, 07.04.2009
3.
Die Frage ist, was man unter attraktiver versteht. Wenn es nur um mehr Tore geht, dann ganz klar nein! Den das ist genau die Tatsache die mich beim Handball und Basketball annervt. Es fallen viel zu viele Tore und man könnte das ganze Spiel auch auf die letzten 10 Minuten begrenzen.
Fischkopp-Cop 07.04.2009
4.
Zitat von sysopSollte es im Fußball neue Regeln geben, um das Spiel schneller, attraktiver und fairer zu machen? Oder sollte alles beim Alten bleiben?
2 Bälle gleichzeitig im Spiel? Wär doch was...
Christian W., 07.04.2009
5.
Man sollte keine Dopingkontrollen durchführen bzw. es mit der Kontrolle künftig nicht mehr ganz so ernst nehmen, denn so können Fußballer auch in der 90 Minute noch mal zu einem entscheidenden Spurt ansetzen, wo der Reporter dann sagt "Wo hat er nur die Kraft dafür jetzt noch her?" Ach, halt... Neue Regeln? Nein. Besser ausgebildete Schiedsrichter, dass ist es, was man braucht. In den letzten Monaten gab es so viele haarsträubende Fehlentscheidungen, dass einem schon fast übel wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.