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Rehhagels erste Pleite: Alter Mann, was nun?

Von , Augsburg

Deutlicher kann die Wirkung eines Trainerwechsels nicht verpuffen: Otto Rehhagels Berliner haben das Spiel gegen Augsburg versemmelt und stürzen auf den Relegationsplatz ab. Von der Verpflichtung des 73-Jährigen hatte sich der Verein einen Ruck erhofft. Aber das Team spielte so trostlos wie zuvor.

Neuer Hertha-Trainer: Rehhagels Fehlstart in Berlin Fotos
DPA

Zweifle noch einer daran, dass ein 73-Jähriger innovativ sein kann. Das Verdienst, den "Halbzeit-Kreis" in dieser Saison eingeführt zu haben, gebührt Otto Rehhagel. Als die Augsburger Spieler längst parat standen, ließ der Trainer-Oldie seine Profis von seinem Assistenten energisch auf den zweiten Durchgang einschwören. Zu diesem Zeitpunkt stand es zwischen dem FC Augsburg und Hertha BSC noch 0:0. 45 Minuten später hatte Hertha 0:3 verloren.

Die mitgereisten Hertha-Fans brüllten sich anschließend vor Frust die Lunge aus dem Leibe ("Wir sind Hertha - und ihr nicht!"). Die Mannschaft findet sich am bisherigen Endpunkt ihrer Talfahrt jetzt auf dem Relegationsrang 16 wieder - einen Platz noch hinter dem FCA. Deutlicher als an diesem Samstag kann die Wirkung eines Trainerwechsels nicht verpuffen. Die sechste Niederlage in Folge war wohl nicht das "Signal", das sich Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz von der Verpflichtung des Trainer-Methusalems erhofft hatten.

Dementsprechend zerknittert sah Rehhagel aus, als er kurz nach 18 Uhr vor die Presse trat. "Wir müssen versuchen, hieraus zu lernen", gab der mit Anzug und weinroter Krawatte gekleidete Routinier zu Protokoll. "Abstiegskampf, das sagt ja schon das Wort, kommt von Kämpfen." Damit nicht genug des Kämpfens: "Augsburg hat 90 Minuten lang leidenschaftlich gekämpft." Falsch ist das nicht - aber eben keine ausreichende Erklärung für den blutarmen Auftritt seiner Herthaner, die spätestens nach dem zweiten Augsburger Treffer übers Feld trabten, als erwarteten sie von diesem Spiel nur noch eines: den Schlusspfiff.

Von Gegenwehr war nichts zu sehen

Augsburgs Sebastian Langkamp hatte jedenfalls Recht, als er von einem "in der Höhe verdienten" Sieg sprach: "Nach dem 2:0 hatten wir die Hertha im Sack." Nur dass Schiedsrichter Florian Meyer danach noch über 30 Minuten spielen ließ. 30 Minuten, in denen man das Spiel noch hätte drehen können. Doch Rehhagels Spieler versuchten das nicht einmal. Die Chronisten verzeichneten nicht eine einzige Berliner Torchance im zweiten Durchgang. Von Gegenwehr keine Spur.

Besonders indiskutabel war dabei die Leistung von Adrian Ramos, der nach Ballverlusten stehenblieb und mit seinen Mitspielern haderte, wenn die seine Fehlpässe nicht erlaufen konnten. Ähnlich schwach war auch die Innenverteidigung um Roman Hubnik und Andre Mijatovic, die sich ein ums andere Mal übertölpeln ließ und von Glück sagen konnte, dass der FCA traditionell extrem viele Chancen braucht, um einen Torerfolg zu feiern.

Fraglos wäre es unfair, wollte man auch nur einen kleinen Teil der Berliner Defizite einem Trainer in die Schuhe schieben, der erst seit wenigen Tagen amtiert und weitgehend Fehler ausbaden muss, die Manager Preetz und Ex-Coach Michael Skibbe begangen haben. Und dennoch: Weder die Art und Weise, wie sich seine Spieler am Samstag präsentierten, noch die Aussagen der vergangenen Tage erwecken den Eindruck, als sei Rehhagel bei der Hertha tatsächlich der richtige Mann am richtigen Ort.

Rehhagels Sprüche als Motivation für die Augsburger

So war es sicherlich nicht sonderlich geschickt, den Gegner mit dem Bekenntnis zu ärgern, zum FCA falle ihm nicht viel ein, außer dass dort in den Siebzigern einmal Helmut Haller gespielt habe. Dem Vernehmen nach war das eine prima Motivation für die aktuellen FCA-Spieler.

Rehhagel, der die Hauptstadtpresse unter Missachtung von einem halben Dutzend Kolleginnen mit einem kernigen "Guten Tag, meine Herren" begrüßt hatte, wirkt bislang, als glaube er, dass sich der Fußball in den vergangenen Jahren nicht verändert habe. Wer beweisen will, dass er noch auf der Höhe der Zeit ist, tritt anders auf. Er wäre dann allerdings nicht Otto Rehhagel. Der Mann ist sicher, dass er niemandem etwas beweisen muss. Das dürfte dann auch für die kommende Woche gelten, wenn Hertha ausgerechnet Rehhagels Leib-und-Magen-Club Werder Bremen empfängt.

Am Schluss wurde Rehhagel noch gefragt, ob er nach der Niederlage ernüchtert sei. Nüchtern sei er immer, ließ er wissen: Ich bin Antialkoholiker."

Dann erklärte er die Pressekonferenz für beendet.

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1. Und Tschüss
iron mace 25.02.2012
Zitat von sysopDPADeutlicher kann die Wirkung eines Trainerwechsels nicht verpuffen: Otto Rehhagels Berliner haben das Spiel gegen Augsburg versemmelt und stürzen auf den Relegationsplatz ab. Von der Verpflichtung des 73-Jährigen hatte sich der Verein einen Ruck erhofft. Aber das Team spielte so trostlos wie zuvor. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,817588,00.html
Willkommen im Liga 2, liebe Herta! Der Verein hat keine Spieler für den Abstiegskampf, keine Kämpfer, nur Möchtegernschönspieler und Rasenschachposer, das wird im Abstiegskampf nicht reichen. Und mit Rehhagel hat man auch noch den falschen Trainer für diesen Job verpflichtet. Aber warum sollte eine Zweitklassige Stadt auch einen Erstklassigen Verein haben, wenn die Herta wieder in der Zweiten ist, passt es doch viel besser zusammen.
2. kein Titel wert
wehwehwehdievernunft 26.02.2012
Zitat von sysopDPADeutlicher kann die Wirkung eines Trainerwechsels nicht verpuffen: Otto Rehhagels Berliner haben das Spiel gegen Augsburg versemmelt und stürzen auf den Relegationsplatz ab. Von der Verpflichtung des 73-Jährigen hatte sich der Verein einen Ruck erhofft. Aber das Team spielte so trostlos wie zuvor. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,817588,00.html
der Titel ist eine Frechheit!
3. Rehagel ließ sich noch nie verbiegen
basiliusvonstreithofen 26.02.2012
Schon alleine deshalb hat er meine Hochachtung. Wer seine Zeit bei Bayern München verfolgt hat Mitte der 90er, der weiß, dass Rehagel nicht einmal vor einem Beckenbauer oder Hoeness und schon gar nicht vor der bekannt seltsamen Münchener Presse mit drei dümmlichen Boulevardblättern in die Knie ging. Rehagel wird auch in Berlin an seinem Stil festhalten. Und mit Verlaub an SPON: In einer Zeit, in der man über die Rente mit 67 und höher nachdenkt, ist alleine die Überschrift schon eine Diskrimierung. So jugendlich auszusehen wie Rehagel in seinem Alter wünschte sich mancher 50-Jähriger im dickbäuchigen und glatzenfreudigen Land Deutschland. Und was das Sportliche anbetrifft: Die deutsche Nationalelf ist seit 1996 (16 Jahren) ohne Titel. Rehagel hat einen mit Griechenland 2004 gewonnen, von dem Deutschland nur träumen kann, und wie ich hoffe und annehme, auch 2012.
4.
Defffondo 26.02.2012
Zitat von sysopDPADeutlicher kann die Wirkung eines Trainerwechsels nicht verpuffen: Otto Rehhagels Berliner haben das Spiel gegen Augsburg versemmelt und stürzen auf den Relegationsplatz ab. Von der Verpflichtung des 73-Jährigen hatte sich der Verein einen Ruck erhofft. Aber das Team spielte so trostlos wie zuvor. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,817588,00.html
Wie lang ist Hehagel im Amt?!? Warum soll sich innerhalb einer Woche etwas ändern? Das ganze ist ein Prozess und wer auch den Effekt "Trainerwechsel" hofft kann ebenso Kaffeesatzlesen
5. Schwachsinn
klaus meucht 26.02.2012
Zitat von sysopDPADeutlicher kann die Wirkung eines Trainerwechsels nicht verpuffen: Otto Rehhagels Berliner haben das Spiel gegen Augsburg versemmelt und stürzen auf den Relegationsplatz ab. Von der Verpflichtung des 73-Jährigen hatte sich der Verein einen Ruck erhofft. Aber das Team spielte so trostlos wie zuvor. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,817588,00.html
Einen Trainer am allerersten Spiel zu messen, empfinde ich als schwachsinnig. Alt sieht hier Spon aus und nicht Otto Rehagel.
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