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DFB-Länderspiel verlegt

Die E-Mails von Grindel und Koch im Wortlaut

Der DFB verstrickt sich in Widersprüche. Für eine erfolgreiche Bewerbung zur EM 2024 kuschte Präsident Grindel vor Frankfurter Ultras. Der Verband bestreitet das - trotz dieser internen Dokumente.

Von , , , Nicola Naber, und

REUTERS

DFB-Präsident Reinhard Grindel

Sonntag, 09.09.2018   10:14 Uhr

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An diesem Sonntag (20.45 Uhr, TV: RTL, Liveticker: SPIEGEL ONLINE) spielt die deutsche Nationalelf gegen Peru. In Sinsheim, im Stadion der TSG Hoffenheim. Vor gerade einmal 25.494 Zuschauern. Die Wahl des Provinzorts hat eine bisher unbekannte Vorgeschichte, die mit der anstehenden Vergabe der EM 2024 zu tun hat - und einer gelegentlichen Paranoia des DFB-Präsidenten.

Intern war beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) längst ausgemacht, dass eigentlich Frankfurt am Main das Länderspiel bekommen sollte. Doch Verbandschef Reinhard Grindel stellte sich quer, gegen das Votum seiner Fachleute, aus Angst vor den Frankfurter Fans, die als heikel gelten. Und tatsächlich knickte der Verband ein - vor den Rabauken auf der Tribüne und dem eigenen Präsidenten, der diese Rabauken fürchtete.

Vorgeschobene Argumente

Den Vorgang rund um die Ausrichtung des Peru-Spiels beschreibt der SPIEGEL nun erstmals in seiner aktuellen Ausgabe. Der DFB reagierte auf die Enthüllungen mit einer Stellungnahme, die die präsidialen Sorgen außen vorlässt. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur teilte der Verband mit, die Verlegung des Länderspiels habe nichts mit den Frankfurter Fans zu tun. Der DFB habe lediglich sicherstellen wollen, dass das Spiel gegen Peru ausverkauft sein werde, und habe sich deshalb entschlossen, ins deutlich kleinere Stadion in Sinsheim auszuweichen.

Hat der Verband wirklich Angst davor, dass die Nationalmannschaft, der Weltmeister von 2014, nicht mehr in der Lage ist, rund 50.000 Zuschauer zu mobilisieren? Oder soll diese DFB-Erklärung nicht eher von einem Eingreifen des DFB-Präsidenten in die Verbandsplanung ablenken?

"Über die Vergabe von Länderspielen entscheidet das DFB-Präsidium", erklärte ein Verbandssprecher auf Anfrage des SPIEGEL. Zudem teilte er mit, dass das Länderspiel gegen Frankreich am vergangenen Donnerstag in München vor 68.000 Zuschauern stattfand. Die Nationalmannschaft ziehe also noch, so die Message.

Warum denn dann Sinsheim?

Der SPIEGEL hat sich dazu entschlossen, den E-Mail-Verkehr zwischen Reinhard Grindel, dem Vizepräsidenten Rainer Koch sowie dem Generalsekretär Friedrich Curtius zu veröffentlichen, um aufzuzeigen, wie sehr Grindel auf den Spielortwechsel von Frankfurt nach Sinsheim drängte. Und zwar allein aus Angst vor den Ultras.

DER SPIEGEL

E-Mail von Reinhard Grindel an Rainer Koch

Reinhard Grindel schrieb am 28. Februar in einer Mail an die beiden ranghohen DFB-Funktionäre: "Ich halte das Risiko, dass wir bei dem Länderspiel ein Desaster erleben und dies kurz vor der EURO-Vergabe negative Auswirkungen hat, einfach für zu hoch, weil für mich die Frankfurter Ultra-Szene viel zu unberechenbar ist. Ich möchte mich deshalb auf klassische Argumente 'die Ultras besuchen keine Länderspiele' nicht so gerne verlassen. Man kann (...) die Befürchtung haben, dass die ja keineswegs dummen Ultras uns das Projekt EURO 2024 gerade kaputtmachen wollen, indem sie dort ein Inferno veranstalten."

DER SPIEGEL

E-Mail von Rainer Koch and Reinhard Grindel

Generalsekretär Curtius war weniger panisch. Auch Vize Koch wollte Grindel umstimmen: "Eine negative Stimmungslage kann gerade dann aufkommen, wenn herauskommt, dass wir Frankfurt abgelehnt haben, obwohl Frankfurt jetzt in der Abfolge der Länderspielstandorte klar an der Reihe ist und alle generellen Vorgaben erfüllt sind. Wenn nach einer Ablehnung Frankfurts Stimmung insbesondere gegen dich persönlich wegen deiner Haltung gemacht würde (es bleibt ja nichts geheim), wäre das geradezu kontraproduktiv."

Zudem sei alles intern schon besprochen, für die DFB-Verwaltung komme "nur Frankfurt in Betracht". Koch weiter: "Du sagst selbst immer 'keine Angriffsflächen bis zur Eurovergabe'." Deshalb dürfe man aber auch keine "Angriffsflächen für die Ultras bieten", indem der Verband Frankfurt für seine Hardcore-Fans abstrafe.

Trotz aller Argumente setzte sich am Ende Grindel durch, das Länderspiel findet in Sinsheim und nicht in Frankfurt statt.

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