Rekordsieg Deutschland gewinnt 13:0 in San Marino

Es war der höchste Auswärtserfolg, den eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft jemals geschafft hat. Beim zweistelligen Sieg in San Marino traf ein deutscher Stürmer gleich viermal, ein weiteres Tor schrieb sogar Fußball-Geschichte.


Serravalle - 9:1 in Luxemburg - so lautete bislang das Rekordergebnis einer DFB-Elf auf fremdem Platz, erzielt im Jahre 1934. Doch mit dem 13:0 in San Marino ist diese Marke pulverisiert worden. Lukas Podolski erzielte vier Treffer (12., 43., 64. und 71. Minute).

Mit dem höchsten Auswärtssieg in der 106-jährigen Verbandsgeschichte hat die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw mit sechs Punkten aus zwei Spielen die Tabellenspitze in der EM-Qualifikations-Gruppe D übernommen. Neben Podolski trafen je zweimal Miroslav Klose (30. und 45.+1), Bastian Schweinsteiger (29. und 47. ) und Thomas Hitzlsperger (66. und 73.). Kapitän Michael Ballack (35.), Manuel Friedrich (87.) und Bernd Schneider (90., Handelfmeter) machten mit ihren Toren den Rekord perfekt. Friedrichs Treffer war zugleich das erste Länderspieltor eines Mainzer Spielers. Damit erreichte die DFB-Elf auch den höchsten Sieg seit dem 1. September 1940 (13:0 gegen Finnland).

Angesichts des anstehenden Programms durfte sich Deutschland aber auch keinen Patzer erlauben. Drei Auswärtsspiele (Slowakei, Zypern, Tschechien) stehen für den WM-Gastgeber von 2006 nun auf dem Programm. "Wir haben jetzt sechs Punkte gemacht, das ist eine gute Basis. Man hat gesehen, dass die Mannschaft viel Freude an einem schönen Spiel haben wollte", lobte Löw den Torhunger seiner Spieler. Auch Kapitän Ballack war bester Laune: "Ich glaube, man kann sehr zufrieden sein, wenn man 13 Tore macht. So haben wir uns das vorgestellt." Der vierfache Schütze Podolski sagte: "Wir wollten Tore machen, wie es der Trainer angesprochen hat. Das ist uns gelungen."

Im dritten Länderspiel unter dem neuen Bundestrainer war es der erwartete Spaziergang der deutschen Elf. Der WM-Dritte war der Mannschaft San Marinos, die ausschließlich aus Amateuren besteht, in allen Belangen überlegen. Ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Tor von Student Aldo Simoncinis zu. Er hatte sich in der Vorbereitung Tennisbälle auf das Tor schießen lassen, um die harten Schüsse der deutschen Angreifer zu simulieren.

Ohne Erfolg: Bereits in der zwölften Minute brach Podolski im Stadio Olimpico vor 5019 Zuschauern, darunter 4500 deutschen Fans, per Kopf nach Flanke von Bernd Schneider den Bann. Danach hatte San Marino, das in 79 Länderspielen zuvor nur einmal gewann (1:0 gegen Liechtenstein), noch seine beste Phase und hielt bis zur 29. Minute ein erträgliches 0:1. Dann ging es Schlag auf Schlag: Schweinsteiger auf Zuspiel des Gladbachers Marcell Jansen und Klose trafen innerhalb von zwei Minuten. Bis zur Pause machten Ballack mit einem 16-m-Schuss, Podolski nach feiner Flanke von Schneider und erneut Klose das halbe Dutzend voll.

Klose verbesserte sich durch seine Länderspiel-Tore Nummer 32 und 33 auf den neunten Platz in der ewigen DFB-Torjägerliste und zog mit Fritz Walter gleich, Ballack ist mit 32 Treffern nun Elfter. Für das Duo war die Torejagd aber bereits zur Pause beendet. Löw schonte seine beiden Stars und brachte stattdessen David Odonkor und Gerald Asamoah ins Spiel. Nach dem Seitenwechsel knüpfte die DFB-Auswahl dort an, wo sie eine Viertelstunde zuvor aufgehört hatte.

Mit einem Freistoßtreffer in den rechten oberen Torwinkel traf Schweinsteiger zum 7:0. Danach gönnte sich die deutsche Mannschaft eine kurze Verschnaufpause, ehe Podolski und Thomas Hitzlsperger, der für Thorsten Frings eingewechselt wurde, die Tormaschinerie wieder anwarfen. Vor dem Tor zum 13:0 machte sich Torwart Jens Lehmann auf den Weg zum Elfmeterpunkt - drehte dann aber um. Später erklärte der Torwart: "Es sieht sonst so nach Demütigung des Gegners aus. Es war besser so."

Podolski ist nun einer von acht deutschen Nationalspielern, die vier Treffer in einer Partie erzielen konnten. Nur Gottfried Fuchs (10 Tore in einem Spiel), Wilhelm Hahnemann (6) und Otto Siffling (5) waren noch treffsicherer. Der deutsche Schlussmann Jens Lehmann sowie die beiden Innenverteidiger Manuel und Arne Friedrich waren hingegen nahezu beschäftigungslos. Ein Schüsschen in der 37. Minute durch Manuel Marani stellte noch die größte Gefahr dar.

all/sid



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