Schiedsrichter Stark, Stürmer Rösler: Die Helden von Düsseldorf

Von Nils Lehnebach

Hunderte Menschen stürmten aufs Feld, bengalische Feuer flogen - doch mitten im Fußballchaos von Düsseldorf bewahrten zwei Männer die Ruhe. Fortuna-Stürmer Sascha Rösler pfiff die eigenen Fans zurück, Schiedsrichter Wolfgang Stark ordnete die Lage, obwohl er selbst angefeindet wurde.

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Hamburg - Sascha Rösler wies die eigenen Fans zurecht, lief über den Platz, verwarnte jeden, der in seine Nähe kam. Der Düsseldorfer Stürmer, im Relegationsrückspiel gegen Berlin eigentlich gar nicht eingesetzt, wurde im Chaos zum Ordner. Als das Spiel noch lief, Fans aber schon aufs Feld gestürmt waren, versuchte der 34-Jährige zu retten, was nicht mehr zu retten war.

Rösler war in dieser Spielzeit bisher nicht als Werbefigur für Fair Play aufgefallen. Der Stürmer ist selbst ein Hitzkopf, er provoziert viel, fordert von Schiedsrichtern Strafen für Unsportlichkeiten gegnerischer Spieler. Nach einem Spiel im Februar nannte ihn Armin Veh, Trainer von Eintracht Frankfurt, deshalb "eine Schande für den deutschen Fußball".

"Strafen bezahlen für Gelbe Karten wegen Meckerns: Da war ich der größte Sponsor", sagte Rösler mal in einem Interview mit dem "Kicker". Umso erstaunlicher ist die Rolle, die er nun im Chaos-Spiel von Düsseldorf übernahm - zumal er zuvor nur auf der Bank saß. Und ihn der mögliche Aufstieg gar nicht betrifft.

Lell und Lukimya attackieren sich auf dem Platz

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Skandalspiel von Düsseldorf: Kühler Kopf im Chaos
Rösler hatte längst angekündigt, dass er seine Karriere nach der Saison beenden werde, egal ob die Fortuna aufsteigt oder nicht. Er wird künftig in der Jugendabteilung des Clubs arbeiten. In Sachen Vorbildfunktion scheint er zumindest die Kurve bekommen zu haben.

Doch Rösler war mit seinem Engagement fast alleine. Die meisten Spieler und Offizielle waren wohl zu schockiert, um zu handeln. Viele flüchteten nachvollziehbarerweise in die Kabinen, andere machten die Situation noch schlimmer. Berlins Christian Lell und Fortuna-Innenverteidiger Assani Lukimya gerieten aneinander, beschimpften sich und konnten nur durch mehrere Mitspieler und Trainer voneinander getrennt werden. Lukimya beschuldigt Lell, ihn angespuckt zu haben.

Neben Rösler war auch Schiedsrichter Wolfang Stark ein Grund dafür, dass die Partie überhaupt noch zu Ende gebracht wurde. Der 42-jährige Fifa-Schiedsrichter flüchtete, direkt nachdem die ersten Zuschauer aufs Feld gelaufen waren, zwar zunächst in die Katakomben - analysierte dort die Situation aber mit Bedacht und Vernunft.

Schlag ins Gesicht von Stark?

"Der Schiedsrichter Wolfgang Stark hat die Mannschaft nicht wegen des Fußballs auf den Platz zurückgeführt, sondern wohl nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern", sagte Herthas Anwalt Christoph Schickhardt im "Morgenmagazin".

Trotzdem hätte Stark die Partie auch abbrechen können, genug nachvollziehbare Argumente hätte er gehabt. Zumal er als Spielleiter auch für die Sicherheit der Spieler zuständig ist. "Stark hätte abbrechen können, hatte aber Angst vor der Gewalt-Eskalation", sagte Sportanwalt Michael Lehner SPIEGEL ONLINE.

Die Entscheidung zur Fortführung der Partie war die richtige, auch wenn die Berliner sich über die angeblich zu kurze Spielzeit nach der Pause beschwerten. So brüllte Berlins Torhüter Thomas Kraft dem Unparteiischen im Tumult der Katakomben "Ihr feigen Schweine!" hinterher. Hertha-Profi Lewan Kobiaschwili soll Stark nach Informationen der "Sport Bild" nach der Partie sogar ins Gesicht geschlagen haben. Hertha bestätigte, dass der DFB gegen Kobiaschwili ermittelt.

"Wir können alle froh darüber sein, dass er mit seiner starken Persönlichkeit alle schwierigen Situationen sauber gelöst hat", sagte der deutsche Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel. Es würde wohl auch den Clubs gut zu Gesicht stehen, derartiges mal auszusprechen.

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