Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Relegation in Fürth: Fußballfans entdecken Neonazi-Sticker in Polizeibus

Das Relegationsspiel zwischen Fürth und dem HSV könnte juristische Folgen haben - für die Polizei. Fans haben in einem Bus der bayerischen Bereitschaftspolizei Neonazi-Aufkleber entdeckt und fotografiert. Bayerns Innenminister kündigte eine Überprüfung des Vorfalls an.

Screenshot aus Internet-Versandhandel: Rechtspolitische Aufkleber Zur Großansicht

Screenshot aus Internet-Versandhandel: Rechtspolitische Aufkleber

SPIEGEL ONLINE Fußball

Hamburg - Eigentlich ist es Aufgabe der Polizei, zu deeskalieren, Unruhestifter auseinanderzutreiben - und dabei politisch neutral zu sein. Die bayerische Bereitschaftspolizei scheint es damit nicht immer ganz so genau zu nehmen. Das zumindest legt eine Entdeckung nahe, die Fußballfans beim Relegationsrückspiel des Hamburger SV in Fürth (1:1) gemacht haben: In einem Bus des Unterstützungskommandos prangte offenbar ein Neonazi-Aufkleber.

"Good Night Left Side" stand dort angeblich geschrieben, sichtbar durch die Rückscheibe des Fahrzeuges. Daneben soll ein weiterer Sticker mit dem Spruch "Kein Sex mit Zecken" geklebt haben. Beide Statements sind als rechtspolitisch motiviert einzuordnen und in der Neonazi-Szene verbreitet.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte eine Überprüfung des Vorfalls an. Er nehme den Fund von Neonazi-Stickern in einem Bus der bayerischen Bereitschaftspolizei "sehr ernst", sagte Herrmann SPIEGEL ONLINE. "Solche Aufkleber haben auf Staatseigentum nichts zu suchen." Er dulde "keine Extremisten bei der bayerischen Polizei", so Herrmann. Gegebenenfalls seien Konsequenzen zu ziehen.

Laut den "Nürnberger Nachrichten" soll der vorbestrafte Fürther Neonazi Matthias F., eine Führungsfigur des "Freien Netzes Süd", diese Aufkleber über seinen Internetversandhandel vertreiben. Das "Freie Netz Süd" ist laut dem bayerischen Verfassungsschutz das größte kameradschaftsübergreifende Netzwerk von Neonazis in Bayern. Die Größe des Netzwerks wird auf bis zu 150 Aktivisten geschätzt. Im vergangenen Juli hatte die Polizei eine Großrazzia mit Hunderten Beamten gegen das Neonazi-Netzwerk durchgeführt - dabei wurden außer Handfeuerwaffen, Messern und Schlagstöcken auch Hakenkreuzfahnen und Hitler-Bilder sichergestellt. Noch immer läuft ein Ermittlungsverfahren.

Die bayerische Bereitschaftspolizei hat sich bereits zu dem Vorfall geäußert. In einer Pressemitteilung heißt es, "ein Passant fotografierte eine in einem geparkten Mannschaftswagen aufbewahrte Holzkiste, auf der zwei Aufkleber mit rechter Gesinnung aufgebracht waren (z.B. 'Good night left side', 'Anti-Antifa organisieren. Den Feind erkennen. Den Feind benennen')". Das Präsidium werde die Angelegenheit "unter Einbindung der zuständigen Staatsanwaltschaft dienstaufsichtlich prüfen", außerdem seien sofort alle Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände untersucht worden.

Ruth Brenner, Sprecherin des Fürther Bündnisses gegen Rechtsextremismus und Rassismus, hält den Vorfall für einen "Skandal höchsten Grades". Und auch die Grünen im bayerischen Landtag fordern eine umfassende Aufklärung "und letztlich auch Konsequenzen". Die Fraktion reichte zu dem Vorfall eine schriftliche Anfrage ein. Katharina Schulze, Fraktionssprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus, erklärte: "Mögliche Neonazis in Reihen der bayerischen Polizei müssen sich schon extrem sicher fühlen, wenn sie ihre rechten Hetzparolen mit Aufklebern in offiziellen Dienstfahrzeugen verbreiten."

hen/psk

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Themenseiten Fußball
Tabellen


SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: