Remis gegen Augsburg: Werder verschenkt Sieg beim Aufsteiger
Wieder kein Erfolg für Werder Bremen: Beim Aufsteiger FC Augsburg reichte es nur zu einem Unentschieden. Werder vergab zahlreiche Chancen. Augsburgs Torwart Simon Jentzsch zeichnete sich mehrfach gegen die Bremer Stürmer aus.
Hamburg - Werder-Manager Klaus Allofs hatte vor dem Anpfiff die Richtung vorgegeben: "Wenn wir unseren Ansprüchen gerecht werden wollen, brauchen wir hier drei Punkte." Demnach ist Werder Bremen im Freitagsspiel der Fußball-Bundesliga seinen Ansprüchen weit hinterher gelaufen. Durch das 1:1 (0:0)-Remis beim FC Augsburg blieben die Norddeutschen im dritten Ligaspiel nacheinander sieglos. Werder verliert die Tabellenspitze von Spieltag zu Spieltag weiter aus den Augen.
Axel Bellinghausen hatte Augsburg in der 49. Minute in Führung gebracht. Wieder einmal war es Bremens Torjäger vom Dienst, Claudio Pizarro, der Werder in der 68. Minute per Kopfballtor das Unentschieden rettete.
Die Bremer waren gegen den wackeren Aufsteiger zwar durchaus feldüberlegen und hatten die weit besseren Torgelegenheiten. Trotzdem war das, was das Team von Trainer Thomas Schaaf in Augsburg zeigte, zu wenig, um als eine Mannschaft mit höheren Ambitionen zu gelten. Vor allem die schon zuletzt kritisierte Abwehr um die erfahrenen Innenverteidiger Andreas Wolf und Naldo wirkte mehrfach unsicher.
Beispielhaft die Szene in der 49. Minute, die zum Augsburger 1:0 führte: Naldo, nach seiner langen Verletzung logischerweise noch nicht wieder in alter Verfassung, passte einen ungenau gespielten Ball zu Wolf. Der bekam das Spielgerät nicht unter Kontrolle, trat über den Ball. Augsburgs Stürmer Sascha Mölders ging dazwischen, drang in den Strafraum ein, legte zurück zu Axel Bellinghausen - Tor. Bremens Torwart Tim Wiese, der erstmals nach seiner Rotsperre wieder zwischen den Pfosten stand, war ohne Abwehrchance. "Das war ein katastrophaler Fehler, der nicht passieren darf", schimpfte Allofs nach dem Abpfiff.
Bremer Formkurve stagniert nach zuletzt schwachen Auftritten
2:3 in Hannover, 0:2 gegen Dortmund, jetzt 1:1 in Augsburg - die Form- und Ergebniskurve der Bremer stagniert bestenfalls. Die vor Wochen bereits angestimmten ersten Lobeshymnen auf das wiedererstarkte Werder Bremen, auf den potentiellen Bayern-Jäger kann man für absehbare Zeit erst einmal wieder vergessen.
Werder ist nach wie vor zu abhängig von der Treffsicherheit von Stürmer Claudio Pizarro. Wenn der Peruaner sich in der gegnerischen Deckung aufreibt, dann schlägt das auf die gesamte Mannschaft nieder. Möglicherweise gibt es außer Werder nur noch einen Club in der Liga, dessen Resultate so eng mit der Tagesform eines Angreifers zusammenhängen: Das ist der SC Freiburg, dessen Wohl und Wehe an den Toren von Papiss Demba Cissé hängt.
Bremer Torgefahr nur durch Claudio Pizarro
Der Treffer zum 1:1 war bereits das siebte Saisontor Pizarros, 78 Treffer für Werder sind es insgesamt über die Jahre geworden. Vier der vergangenen fünf Tore in der Liga gehen auf sein Konto. Der zweitbeste Bremer Schütze, Marko Arnautovic, in Augsburg nach seinem Platzverweis in Hannover noch gesperrt, hat drei Tore erzielt. Wenn Augsburgs Torwart Simon Jentzsch, der trotz eines angebrochenen Ringfingers spielen konnte, nicht mehrfach prächtig gerettet hätte, hätte Pizarro seine Torbilanz sogar noch weiter aufhübschen können. Mit dem Schlusspfiff hätte er zudem einen Strafstoß zugesprochen bekommen müssen. Doch das Foul von Sebastian Langkamp an Pizarro wurde nicht geahndet.
Die Nebenleute des Peruaners in der Offensive sind bemüht, aber harmlos. Marko Marin findet seine alte Form nicht wieder, die Tore von Pizarros Sturmkollege Markus Rosenberg zum Saisonstart waren wohl doch nur eine Momentaufnahme. Bei dem eingewechselten Sandro Wagner schwindet so langsam die Hoffnung, dass er in Bremen noch einmal ein wertvoller Stammstürmer werden kann. Auch in Augsburg strahlte er Harmlosigkeit aus. Und Aron Hunt, der einst zu größten Hoffnungen Anlass gab, ist mittlerweile weit entfernt davon, noch ein Nationalspieler zu sein.
Man sollte allerdings auch die Leistung des Aufsteigers an diesem Abend nicht zu gering schätzen. Augsburg zeigte die Qualitäten, die man an sich bei Bremen hätte erwarten können: Laufbereitschaft, Einsatzwillen, Kampfkraft - dazu schnelles gefälliges Passspiel. Ein für die eigenen Verhältnisse gutes Heimspiel des FCA. Zum ersten Heimsieg der Augsburger Bundesliga-Geschichte reichte es dennoch nicht.
Weil Pizarro wieder einmal im richtigen Moment am richtigen Ort war.
FC Augsburg - Werder Bremen 1:1 (0:0)
1:0 Bellinghausen (49.)
1:1 Pizarro (68.)
FC Augsburg: Jentzsch - D. Reinhardt, Möhrle, Langkamp, Hosogai - Callsen-Bracker, Davids - Gogia (46. Brinkmann), D. Baier, Bellinghausen - Mölders (88. Kapllani)
Werder Bremen: Wiese - Sokratis (62. Ekici), A. Wolf, Naldo, L. Schmitz - Ignjovski - Fritz, Hunt - Marin (58. Wagner) - Rosenberg, Pizarro
Schiedsrichter: Kircher
Zuschauer: 30.660
Gelbe Karten: Jentzsch, Callsen-Bracker / Pizarro (3.)
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- Freitag, 21.10.2011 – 22:32 Uhr
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