Von Birger Hamann
Wieder gepunktet, wieder nicht verloren: Das ist aus Sicht des Hamburger SV das positive Fazit des Nordderbys bei Hannover 96. Das 1:1 (0:0) bedeutete das sechste Spiel in Folge ohne Niederlage für den HSV. Zufrieden war bei den Gästen nach dem Remis trotzdem niemand. Weil Hamburg in Hannover die bessere Mannschaft war und die Partie hätte frühzeitig entscheiden können. Doch der Treffer von Jeffrey Bruma (64. Minute) war zu wenig für einen Sieg. Jan Schlaudraff traf per Volleyschuss zum Ausgleich (79.) und sicherte 96 einen Punkt.
"Wir waren 70 Minuten lang klar die bessere Mannschaft - und dann macht der das Tor des Jahres", sagte HSV-Kapitän Heiko Westermann verärgert. "Das ist bitter. Wir hätten gewinnen müssen, denn wir hatten mehr vom Spiel", so Paolo Guerrero. 96-Trainer Mirko Slomka sagte: "Wir müssen zufrieden sein, denn wir haben kein besonders gutes Spiel gemacht." Hannover bleibt mit 20 Punkten Tabellenachter, zwei Zähler hinter den internationalen Plätzen. Der HSV hat als 14. mit nun 14 Punkten zwei Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.
Die 49.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena sahen von Beginn an ein kurzweiliges Nord-Derby, weil beide Teams auf Offensive setzten. Die Gäste hatten durch Guerrero (2.), Gökhan Töre (3.) und Marcell Jansen (10.) die ersten Möglichkeiten. Auf der anderen Seite bewahrte HSV-Torwart Jaroslav Drobny sein Team mit drei starken Aktionen vor einem Rückstand. Zunächst parierte der Tscheche gegen Schlaudraff (14.), der allein auf den Keeper der Hamburger zulief. Auch Mohammed Abdellaoue (17.) mit dem Fuß und Karim Haggui (21.) mit dem Kopf konnten Drobny nicht überwinden.
HSV zu kompliziert im Abschluss
In der Folge war der HSV dann wieder die aktivere Mannschaft. Erst scheiterte Guerrero an 96-Torwart Ron-Robert Zieler (26.), dann zog der Peruaner knapp links am Tor vorbei (32.). Auch Gojko Kacar zielte zu ungenau, sein Versuch ging über das Gehäuse der Gastgeber (35.). Hannover gelangen in dieser Phase des Spiels nur wenige Entlastungsangriffe - doch einer davon sorgte für große Gefahr auf Seiten des HSV. In der 36. Minute zog Schlaudraff erneut freistehend vor Drobny ab, der Keeper parierte aber wieder.
Nach dem Seitenwechsel ein ähnliches Bild: Hamburg war überlegen und hatte mehr Ballbesitz, konnte sich aber keine Chancen herausspielen. Bis zum Strafraum der 96er kombinierten die Gäste sehenswert, stellten sich im Abschluss aber viel zu umständlich an. Es war meist ein Haken oder ein Pass zu viel, weshalb Zieler kaum eingreifen musste.
So ging das knapp 20 Minuten, dann wurden die HSV-Fans erlöst. Nach einer Ecke von Töre setzte sich Bruma gegen Abdellaoue durch und traf mit der Sohle zur Hamburger Führung. Der Jubel auf der HSV-Bank war groß. Und Trainer Thorsten Fink und Co. hatten sich gerade erst wieder gesetzt, da sprangen sie schon wieder auf - doch der vermeintliche Torjubel legte sich schnell wieder. Den Kopfball von Westermann klärte Steven Cherundolo auf der Linie (66.). Wieder hatte Töre per Ecke die Vorlage gegeben.
Hannover wirkte von dem Gegentreffer schockiert, kam in der Folge kaum einmal mehr aus der eigenen Hälfte. Umso überraschender der Ausgleich in der 79. Minute. Zunächst lenkte Drobny einen Freistoß von Christian Pander um den Pfosten. Doch in der nächsten Szene war der Torhüter machtlos. Sergio Pinto brachte die Ecke auf den 20 Meter vor dem Tor lauernden Schlaudraff, dessen Direktabnahme links im HSV-Tor einschlug - 1:1, der Endstand.
Hannover 96 - Hamburger SV 1:1 (0:0)
0:1 Bruma (64.)
1:1 Schlaudraff (79.)
Hannover 96: Zieler - Cherundolo, Haggui, Pogatetz, C. Schulz - Stoppelkamp (67. A. Sobiech), S. Pinto, Schmiedebach, Pander - Schlaudraff - Abdellaoue (84. Rausch)
Hamburger SV: Drobny - Diekmeier, Bruma, Westermann, Aogo - Töre, Kacar (81. Tesche), Rincón, M. Jansen (84. Ilicevic) - Son, Guerrero
Schiedsrichter: Zwayer
Zuschauer: 49.000
Gelbe Karten: Haggui, S. Pinto - Aogo, Ilicevic
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