Unbezahlte Rechnungen Strom im Maracanã-Stadion abgestellt

Das legendäre Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro befindet sich in einem desolaten Zustand. Nun bleibt auch das Licht aus, weil seit Monaten die Stromrechnungen nicht bezahlt worden sind.

AFP

Es gibt kaum ein Stadion mit solch einer Bedeutung wie das Estádio do Maracanã. Höchstens das Wembley-Stadion in London kann mit dem Mythos der Arena in Rio de Janeiro mithalten. Das Maracanã ist das Herz der Fußballnation Brasilien, einst sollen 200.000 Zuschauer in dem Stadion Platz gefunden haben. Für die WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 wurde das Maracanã für über 350 Millionen Euro umgebaut. Es ist eine moderne Arena geworden. Doch seit einigen Monaten verkommt das Stadion - und nun ist auch noch der Strom abgestellt worden, wegen unbezahlter Rechnungen.

Der lokale Stromanbieter Light pocht auf seit Oktober aufgelaufene Außenstände in Höhe von knapp drei Millionen Reais (rund 880.000 Euro). Davon gehen rund 1,3 Millionen Reais auf das Konto der Betreibergesellschaft, zu der auch der Baukonzern Odebrecht gehört, der in einem Schmiergeldprozess zu seiner Strafe von mindestens 3,5 Milliarden Dollar verurteilt worden war. Den Rest schuldet das Organisationskomitee von Rio 2016.

Ein Sprecher von Rio 2016 sagte: "Wir haben mit Light einen separaten Vertrag. Sie schulden uns noch Sponsorengelder, wir schulden ihnen Geld für Strom." Man habe mit dem Unternehmen eine Einigung erzielt und sei im Begriff, die entsprechenden Dokumente zu präsentieren, so der Sprecher.

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Maracanã-Stadion: Vertrockneter Rasen, herausgerissene Sitze

Im August hatten hier die prachtvollen Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele stattgefunden. Aber das Organisationskomitee ist in akuter Finanznot und konnte das Maracanã nicht ordnungsgemäß Ende des Jahres wieder an die Betreibergesellschaft übergeben. Das Konsortium will das Stadion aber offenbar auch abstoßen, ein Interesse, die vorhandenen Schäden zu beheben, scheint nicht vorhanden zu sein.

Das sonst hell erleuchtete Stadion mit über 75.000 Sitzplätzen bleibt damit bis auf Weiteres dunkel. 2014 war Deutschland hier durch einen 1:0 Sieg gegen Argentinien zum vierten Mal Weltmeister geworden.

Da viele Schäden nicht behoben worden seien und viele Plastiksitze im Stadion fehlen, weigert sich die Betreibergesellschaft, das Stadion wieder zu übernehmen. Der Rasen ist inzwischen vertrocknet. Einbrecher stahlen im Januar mehrere Fernseher - und zwei Büsten, darunter eine Büste des Journalisten Mário Filho, Namensgeber des Stadions, das im Volksmund aber nur als Maracanã firmiert. Da auch der Bundesstaat Rio de Janeiro fast pleite ist, ist auch von dieser Seite bisher keine Hilfe zu erwarten.

Das Maracanã ist nur eine von mehreren Sportstätten, die nach den Olympischen Spielen in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Der Golfplatz hat Probleme, das Geld für die Unterhaltungskosten zusammenzubekommen. Außerdem haben vier Sportstätten im olympischen Park keine Betreiber gefunden.

max/dpa/AP

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horenbeeck 27.01.2017
1. Bezeichnend
für den Zustand des Landes. Profiteure der Fußball WM und der Olympischen Spiele waren die FIFA, Baukonzerne wie Odebrecht und korrupte Politiker. Der gemeine Brasilianer konnte sich nicht die Eintrittstickets leisten. Es fehlt an allen Enden: Verkommener Gesundheitsdienst, marode Straßen, gute Bildungseinrichtungen nur für Wohlhabende. Die Gesellschaft ist polarisiert. Wenig Reiche, kaum Mittelstand. Die politische Klasse bekämpft sich intern mit täglich neuen Korruptionsskandalen. Die erst 1985 eingeführte parlamentarische Demokratie ist gescheitert. Es riecht nach Übernahme durch das Militär. Die Brasilianer können einem leid tun.....
Freidenker10 27.01.2017
2.
Ist doch immer das selbe, erst versprechen die Veranrwortlichen von olympischen Spielen oder Fußball WM die horrenden Kosten werden wieder eingespielt und die Protzbauten werden weitergeführt und gebraucht und nach dem Sportevent verkommen die Spielstätten. Diese Protzspiele zudem noch in armen Ländern braucht kein Mensch mehr!
zappa99 27.01.2017
3. Sport als Ausbeutung
Die angebliche wirtschaftliche Nachhaltigkeit von Sport-Großereignissen ist sehr zweifelhaft, auch bei uns. Nachhaltig werden nur die Konten einiger Verbände, Funktionäre und Sportler gefüllt. Sport als Ausbeutung von "Ressourcen". Da ist schon was Wahres dran.
hefe21 27.01.2017
4. Verstromt
Dass es regelmässig zur lokalen Depression kommt, wenn die finanziellen Marodeurskolonnen FIFA und IOC weitergezogen sind, das gehört zur Folklore solcher Großveranstaltungen. Aber den Willen zum Verfall, den die Brasilianer da an den Tag legen, der ist doch bemerkenswert. Da scheint auch das 1:7 gegen Deutschland etwas im Volk gebrochen zu haben. Wie die anderen Stadien inzwischen ausschauen, das will man gar nicht so genau wissen - aber die Presse zieht eh wie gewohnt in die nächsten Scheinwerferkegel, die die internationale Ablenkungsindustrie permanent aufstellt und ausrichtet.
fri3ndlyghost 27.01.2017
5. Geldball und Kohlympia
Wenn die Heuschrecken fertig sind, bleibt halt nur verbrannte Erde übrig. Schade, dass man die Milliarden in so kurzfristige Projekte wie Fifa- und Olympiafunktionäre, Spieltempel angelegt hat. Wenn es nicht so furchtbar für die lokale Bevölkerung wäre, sondern für die Heuschrecken, könnte man ja lachen.
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