Risikospiel gegen Rostock: Polizei untersagt St. Pauli Ticketverkauf für Gästeblock

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Das gab es noch nie im deutschen Fußball: Die Hamburger Polizei hat dem FC St. Pauli untersagt, Auswärtstickets für das Sicherheitsspiel gegen Hansa Rostock zu verkaufen. In der Vergangenheit war es immer wieder zu Randale gekommen. Der Verein kündigte juristische Schritte an.

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dapd

Rostock-Anhänger: Keine Tickets für Gastspiel in Hamburg

Hamburg - Den FC St. Pauli und den FC Hansa Rostock verbindet nicht viel. Seit fast 20 Jahren sind die Anhänger beider Clubs verfeindet, immer wieder kommt es rund um die Duelle der beiden Nordclubs zu heftigen Krawallen, zuletzt im November des vergangenen Jahres beim 3:1-Sieg der Hamburger in Rostock. Die Hamburger Polizei versucht nun mit einer neuen Taktik, Randale zu verhindern.

"Der FC St. Pauli hat von der Hamburger Polizei eine Untersagungsverfügung für die Zweitligapartie gegen den FC Hansa Rostock am Sonntag, den 22. April 2012, erhalten. Die Verfügung erlegt dem Verein auf, keine Eintrittskarten an den F.C. Hansa Rostock für das Spiel im Millerntor-Stadion weiterzugeben", heißt es in einer Erklärung, die die Hamburger am Donnerstagnachmittag veröffentlichten.

Der Verein werde diese Anweisung nicht akzeptieren. Dieser Vorgang und der damit verbundene Eingriff durch die Polizei sei bislang in der deutschen Fußballgeschichte beispiellos. "Der FC St. Pauli lehnt das Vorgehen der Polizei aus grundsätzlichen Erwägungen ab. Das Präsidium hat sich deshalb entschlossen, die Untersagungsverfügung der Polizei beim Verwaltungsgericht prüfen zu lassen."

Die Polizei spricht dagegen von der "einzigen geeigneten Möglichkeit, Ausschreitungen zu verhindern" und beruft sich auf ihr Recht zur Gefahrenabwehr. "Wir haben die Verhältnismäßigkeit geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Untersagung die einzige Möglichkeit ist, sowohl die Fußball-Fans als auch Unbeteiligte zu schützen", sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE und verwies darauf, dass zeitgleich zu dem Spiel direkt neben dem Millerntor das Volksfest Hamburger Dom stattfindet.

Ähnlicher Versuch der Polizei im Frühjahr 2010

Auch beim FC Hansa stößt die Untersagung der Polizei auf Kritik. Vom Erzrivalen gibt es Solidarität: "Der FC Hansa Rostock unterstützt den FC St. Pauli bei seinen Bemühungen", hieß es in einer Mitteilung. Ähnliche skurrile Bündnisse gab es bereits im Frühjahr 2010. Damals unternahm die Hamburger Polizei einen ersten Versuch, durch Begrenzung des Kartenkontingents Ausschreitungen zu verhindern. So hatten die Polizei für das Zweitliga-Gastspiel der Rostocker am Millerntor verfügt, dass lediglich 500 personalisierte Sitzplatzkarten in Rostock hätten verkauft werden dürfen.

Der FC St. Pauli hätte gegen diese Verfügung klagen können, stimmte dem Kompromiss jedoch zu. Diese Maßnahme entsetzte damals nicht nur die Rostocker, sondern auch die Anhänger der Hamburger, die fürchteten, dass eine solche Regelung auch ihre Kontingente bei Auswärtsspielen beschränken könnte. Hansa Rostock gab daraufhin nach einer Abstimmung von Fanvertretern aus Protest alle 500 Karten zurück.

Die Anhänger des FC St. Pauli bekundeten ihre Solidarität zu den Rostockern und forderten die Verantwortlichen ihres Vereins um den damaligen Präsident Corny Littmann auf, gegen die Maßnahme der Polizei vorzugehen. Da dieser nicht reagierte, organisierten die Ultras des FC St. Pauli eine Protestaktion am Rande der Nötigung, die im Nachhinein zu einer vorübergehenden Spaltung der Fanszene am Millerntor führte.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Was tun die Vereine?
Karotte335 08.03.2012
Spiele ohne Auswärtsfans verlieren den Reiz, auch für die Heimfans. So weit darf es nicht kommen, aber dann müssen die Vereine auch mehr gegen die Radikalisierung bestimmter Anhänger tun. Letztendlich ist die Untersagung nur das letzte verzweifelte Mittel der Polizei, weil man den Chaoten nicht beikommt.
2. Aber wohin mit den Schlägern
wugorek 08.03.2012
welche ihre angestauten Agressionen ablassen müssen. Es tut mir ja leid dass der Fussball dafür herhalten muss. Im Eishockey outet sich so einer sogar bei den eigenen Fans. Und wenn diesen Menschen auch die "Spielwiese" Fussballstadion entzogen würde finden sie ein anderes Ventil um ihren Frust loszuwerden. Also hinterfrage ich, ob das Problem nicht wo ganz anders anzupacken wäre. Und ein Problem ist es doch nur weil friedliebende Leute an einem Ort der Begegnung einen schönen Nachmittag verbringen wollen während so ein paar Frustis alles kaputtmachen. Kann man da nicht einmal im Monat so ein Stadion für Frustgames freigenben? Dort trifft man sich auf eine gepflegte Schlägerei, die Tore werden für fünf Stunden geschlossen und danach die Reste eingesammelt. Aber das wäre bestimt nicht so interessant den dort würde man sich an Gegnern messen müssen nicht an wehrlosen friedliebenden Menschen. Schade, schade schade.
3. Finde ich richtig...
scenes 08.03.2012
...es ist nicht zu einzusehen, dass Polizisten ständig Kopf und Kragen für irgendwelche Randalierer hinhalten müssen. Die Fussballvereine sollten die Sicherheit bei Spielen und den Schutz der Fans bezahlen bzw. über private Ordnungskräfte regeln. Dann würde die Fanarbeit der Vereine deutlich zunehmen solche Zwischenfälle zu verhindern!
4. typische Polizeigewinsel
Hyäne 08.03.2012
Zitat von scenes...es ist nicht zu einzusehen, dass Polizisten ständig Kopf und Kragen für irgendwelche Randalierer hinhalten müssen. Die Fussballvereine sollten die Sicherheit bei Spielen und den Schutz der Fans bezahlen bzw. über private Ordnungskräfte regeln. Dann würde die Fanarbeit der Vereine deutlich zunehmen solche Zwischenfälle zu verhindern!
Die Polizei soll ihren Beruf gefälligst ausüben. Jedes Volksfest ist gefährlicher als die erste und zweite Bundesliga in zehn Jahren
5. Prima Idee!
tingeltangel-bob 08.03.2012
Zitat von wugorekwelche ihre angestauten Agressionen ablassen müssen. Es tut mir ja leid dass der Fussball dafür herhalten muss. Im Eishockey outet sich so einer sogar bei den eigenen Fans. Und wenn diesen Menschen auch die "Spielwiese" Fussballstadion entzogen würde finden sie ein anderes .....
Könnte man auch ganz professionell aufziehen, und der Staat hätte sogar was davon... Für EUR 100.00/Person bin ich gern bereit irgendwo ´ne Wiese zu mieten, auf denen sich die "lieben Kleinen" ein ganzes Wochenende nach Herzenslust wurzeln können. Alle Beteiligten unterschreiben mir einfach ´ne Enthaftungserklärung, in denen sie auf jegliche Ansprüche mir, der jeweiligen Krankenkasse, und dem jeweiligen Opponenten gegenüber verzichten. Als kleines Gimmick hatte ich an an Stände mit Pflastersteinen, Zaunslatten etc. gedacht. Selbstverständlich auch an Getränkestände, um sich erstmal bissel in Stimmung zu bringen. Für den Fall, daß das Konzept angenommen wird, spiele ich mit dem Gedanken eine Art Turnier (Last man standing) draus zu machen, die Live-Senderechte würde ich dann an RTL verkaufen.Win-Win für alle, oder?
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