Argentinien Fünf Platzverweise im "Freundschaftsspiel"

Rivalität kennt kein Testspiel: In der argentinischen Saisonvorbereitung gab es zwischen Boca Juniors und River Plate fünf Rote Karten. Carlos Tévez war mittendrin.

Boca-Legende Tévez (bei seiner Vorstellung): Handelfmeter und Kopfstoßopfer
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Boca-Legende Tévez (bei seiner Vorstellung): Handelfmeter und Kopfstoßopfer


Es war als Freundschaftsspiel angesetzt. Aber Freundschaft gibt es nicht im argentinischen Superclásico zwischen River Plate und den Boca Juniors. In einer Saison-Vorbereitungspartie der beiden Rivalen aus Buenos Aires, das in Mar del Plata ausgetragen wurde, gab es fünf Platzverweise und eine Schlägerei auf dem Rasen. Das Spiel endete 1:0 für River Plate.

Bei den Saison-Vorbereitungsturnieren im Januar, also im südamerikanischen Sommer, geht es traditionell heiß her. Die Spiele sind bei den argentinischen Fans sehr beliebt, und so war auch das Stadion im Badeort Mar del Plata mit mehr als 30.000 Zuschauern voll besetzt, als Boca und River zum 360. Derby antraten.

Bereits nach zehn Minuten verhängte Schiedsrichter Patricio Loustau (Sohn von Juan Carlos Loustau, der bei der WM 1990 beim Achtelfinale zwischen Deutschland und den Niederlanden Rudi Völler und Frank Rijkaard vom Platz stellte) den ersten Platzverweis: glatt Rot gegen Bocas Jonathan Silva, der mit gestrecktem Bein in Gegenspieler Gabriel Mercado gesprungen war. Der Gefoulte musste mit einer Schienbeinverletzung ausgewechselt werden.

Bei einem Freistoß für River wehrte Bocas Stürmerstar Carlos Tévez den Ball in der Mauer mit dem Arm ab. Es gab Handelfmeter gegen den ehemaligen Star von Manchester United, City und Juventus. Leonardo Pisculichi verwandelte den Strafstoß vom Punkt (18. Minute). Es sollte das einzige Tor der Partie bleiben, die in der Schlussphase eskalierte.

Mitte der zweiten Hälfte ging Bocas Verteidiger Gino Peruzzi mit offener Sohle ins Tackling gegen Gonzalo Martínez - auch er sah glatt Rot. Ab der 78. Minute war Boca nur noch zu acht, nachdem Daniel Díaz wegen Schiedsrichterbeleidigung vom Platz geflogen war. Vier Minuten später kam es zu einem Wortgefecht zwischen Tévez und Jonathan Maidana. Der River-Spieler ließ sich zu einem Kopfstoß hinreißen, Tévez nahm den Kontakt dankend an und wälzte sich auf dem Rasen.

Loustau zeigte Maidana Rot. Der geriet so sehr in Rage, dass er, schon vom Platz gestellt, mit Andrés Chávez einen weiteren Boca-Spieler würgte und zu Boden stieß. Das war das Signal für eine Massenrangelei, an der auch Ersatzspieler beteiligt waren. So sah Torschütze Pisculichi, eigentlich schon ausgewechselt, für seine Rolle bei den Tumulten ebenfalls Rot.

Sportlich passierte nichts mehr. Aber am kommenden Wochenende treffen die beiden Teams schon wieder aufeinander. In aller Freundschaft.

rae



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insgesamt 2 Beiträge
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Eduschu 24.01.2016
1.
Rote Karten finde ich klasse, sie werden viel zu selten verteilt. Und von wegen, früher sei es robuster zugegangen und die Schiedsrichter hätten die Karten nicht so häufig gezückt: Das, was heute häufig nur zu einer gelben Karte führt, wurde zu meiner Zeit (Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre) gerne mit rot bedacht.
dosmundos 24.01.2016
2.
Es bleibt der Eindruck: Argentinier sind hervorragende Fußballspieler, das Problem ist nur, dass gelegentlich einmal zu viele von ihnen gleichzeitig auf dem Platz stehen ;-)
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