Schwuler Ex-Fußballer Rogers "Das wäre verrückt gewesen"

"Ich bin schwul, kann mich aber nicht outen, weil ich den Fußball so liebe. Was soll ich machen?": In einem Zeitungsinterview hat der frühere US-Nationalspieler Robbie Rogers ausführlich über sein jahrelanges Versteckspiel und seinen Rücktritt gesprochen. Ein Comeback schließt er nicht aus.

Ex-Fußballprofi Rogers: "Wir sind großartige Schauspieler"
Getty Images

Ex-Fußballprofi Rogers: "Wir sind großartige Schauspieler"


Hamburg - Fußball-Profi und offen Schwulsein, das war für Robbie Rogers nicht möglich. Der US-Nationalspieler hatte sich im Februar geoutet und seine Karriere beendet. Nun möchte er anderen homosexuellen Fußballern helfen. "Vor einem Monat hätte ich das noch nicht gewollt", sagt der 25-Jährige im Interview mit der englischen Zeitung "Guardian": "Aber nach Tausenden E-Mails, frage ich mich, wie ich zu Veränderungen beitragen kann." Er wolle Hürden abbauen und Stereotype zerstören - damit es anderen besser ergehe als ihm selbst.

Bereits in seiner Schulzeit in Kalifornien habe Rogers sich "als Aussätziger" gefühlt. "Ich konnte es niemandem sagen, während der Pubertät können Jugendliche so grausam sein", erzählt er. "Ich habe noch Glück gehabt, weil meine Schwester cool waren und ich der Fußball-Typ war. Das hat das Verstecken einfacher gemacht."

Als Profi, so lässt Rogers durchblicken, sei er selbst bei großen Triumphen nie wirklich glücklich gewesen. 2008 gewann er mit Columbus Crew die Meisterschaft der Major League Soccer (MLS) in Los Angeles, quasi vor der Haustür von Rogers' Familie. "Danach sind wir in eine Bar gegangen und ich dachte 'Du müsstest so glücklich sein'. Aber schon nach ein paar Drinks bin ich gegangen", so Rogers. "Ich saß in meinem Zimmer und dachte: 'Ich bin schwul, kann mich aber nicht outen, weil ich den Fußball so liebe. Was soll ich machen?'" Zudem sei es mit jedem Erfolg schwerer geworden, aufzuhören. "Wir sind großartige Schauspieler, weil wir Angst haben, die Leute wissen zu lassen, wer wir wirklich sind."

"Im Stadion wollen sie dich manchmal nur zerstören"

Letztlich hat Rogers sich aber zum Rücktritt durchgerungen, die Vorstellung nach einem Outing weiter aktiv zu sein, habe ihn verängstigt: "Stell dir vor, jeden Tag zum Training zu gehen und so im Rampenlicht zu stehen. Schon jetzt ist es manchmal wie im Zirkus - aber das wäre verrückt gewesen." Gefürchtet habe er sich zudem vor der Reaktion seiner Mitspieler. Diese fielen dann jedoch sehr positiv aus. "Ich hoffe, er weiß, dass er nicht zurücktreten muss. Er bekommt mehr Unterstützung als er denkt", schrieb etwa der langjährige US-Torwart Kasey Keller bei Twitter.

Laut Rogers müsse sich der Fußball verändern. "Vielleicht sind viele Fans nicht schwulenfeindlich", sagt er, "aber im Stadionwollen sie dich manchmal nur zerstören." Früher sei es ihm egal gewesen, weil die Zuschauer nicht wussten, dass er schwul war. "Aber jetzt, wo sie es wissen, soll ich auf die Tribüne springen und mich mit ihnen prügeln?" Dennoch sei er zuversichtlich, dass sich die Dinge ändern werden: "Es wird schwule Fußballer geben, ich weiß nur nicht, wie lange es noch dauert."

Rogers selbst hat einige Pläne für die Zukunft. Im September könnte er eine dreijährige Ausbildung an der London School of Fashion beginnen. Auch die volle Konzentration auf die Herrenbekleidungs-Marke Halsey, deren Teilhaber er ist, sei möglich. Auch eine Rückkehr in den Fußball ist für ihn nicht gänzlich ausgeschlossen.

"Fußball wird immer ein Teil von mir sein. Ich weiß nicht, ob meine Karriere wirklich schon vorbei ist", sagt Rogers. "Ich frage vielleicht Bruce Arena (Coach des US-Meisters L.A. Galaxy, Anm. d. Red.), ob ich mittrainieren kann. Ich vermisse den Sport und denke oft an Fußball. Aber ich bin gerade so glücklich, das möchte ich nicht aufs Spiel setzen."

max

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sechsundsiebziger 29.03.2013
1. Chapeau
... Mr Rogers! Ich habe höchsten Respekt vor Ihrem Mut, sich nicht weiter zu verstecken. Ich wünsche mir eine Fußballwelt, die Raum & Respekt bietet für homosexuelle Fußballer. Ein verstärkter Dialog darüber fände ich wesentlich sinnvoller als die ewigen Diskussionen zu Bengalos in Stadien. HIER ist Toleranz einmal wirklich angebracht. Übrigens kurios: Lesbische Fußballerinnen werden wesentlich leichter akzeptiert, so mein Eindruck.
franz1967 29.03.2013
2. @ frank_w._abagnale
Das mit der Akzeptanz der Homosexuellen in der Öffentlichkeit ist einfach sehr "Genre"-gebunden. In der Modebranche kann es sogar von (Karriere)vorteil sein, wenn man homosexuell ist - und auch in (fast) allen anderen Berufen schadet ein Outing heute eigentlich kaum mehr - nur im Sport, das "männlichse", was dem Mann noch geblieben ist ;) - da ist ein Outing leider immer noch ein Problem. Und beim Militär.
franz1967 29.03.2013
3. @ Marenga
Was heißt "Schwulenfreunde"? Ich bin weder "Freund" noch "Feind" der Homosexuellen. Ich toleriere und respektiere einfach, dass Menschen so leben dürfen, wie sie wollen, solange sie damit keinem anderen Lebewesen geistigen oder körperlichen Schaden zufügen - und das hat auch jeder Mensch verdient, dass er sich - im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten - selbstverwirklicht. UND dann darf und kann ich auch laut über einen Schwulenwitz lachen, nicht weil ich ein "Gutmensch" wäre, sondern weil ich mit mir soweit im Reinen bin, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich über sowas lache ;)
Florentinio 29.03.2013
4.
Zitat von sysopGetty Images"Ich bin schwul, kann mich aber nicht outen, weil ich den Fußball so liebe. Was soll ich machen?": In einem Zeitungsinterview hat der frühere US-Nationalspieler Robbie Rogers ausführlich über sein jahrelanges Versteckspiel und seinen Rücktritt gesprochen. Ein Comeback schließt er nicht aus. http://www.spiegel.de/sport/fussball/robbie-rogers-schwuler-ex-fussballer-spricht-ueber-sein-outing-a-891717.html
Wenn er nicht weiß, wo er spielen soll, warum spielt er nicht mal bei Pauli vor. Einen Nationalspieler könnten wir noch gut gebrauchen und ein schwuler Präsident hatte dem Verein auch nicht geschadet.
absolutcologne 29.03.2013
5. kann es nicht mehr hören
was hier einige foristen abgeben ist mittelalterlich. wäre die generation vor uns offen mit homosexualität umgegangen und hätten die medien dies nicht schlecht gemacht, wäre den meisten schwulen das leben in schule usw. coming out bei den eltern wesentlich leichter gefallen und es gäbe eine breitere toleranz. es ist noch viel zu tun
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.