Robert Schwan gestorben Beckenbauer verliert seinen "besten Freund"

Er galt als Fußball-Manager mit ungewöhnlichen Ideen und verhalf Franz Beckenbauer und dem FC Bayern München zu Weltruhm. Robert Schwan, langjähriger Berater von "Kaiser Franz" und erster hauptamtlicher Manager des Rekordmeisters, ist am Samstagabend im Alter von 80 Jahren gestorben.


Verstorbener Robert Schwan: "Den FC Bayern groß gemacht"
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Verstorbener Robert Schwan: "Den FC Bayern groß gemacht"

München - "Robert Schwan war mein bester Freund", erzählt Franz Beckenbauer. "Er hatte mich seit fast 40 Jahren in meiner Karriere als Spieler, Trainer und Funktionär begleitet und geleitet. Für den FC Bayern war er einer der Architekten, die das Fundament legten, auf dem dieser Club heute steht."

Robert Schwan hatte in der Vorwoche einen leichten Herzinfarkt erlitten. Nach mehreren Untersuchungen wurde der 80-Jährige wieder nach Hause entlassen. Der Tod am Samstagabend kam für seine Angehörigen daher überraschend. Schwan starb in seinem Zweitwohnsitz in Reith bei Kitzbühel. Der Trauergottesdienst findet am Mittwoch in Kitzbühel statt, die Beisetzung später im engsten Familienkreis.

1964 war Schwan, der früher auch mit Gemüse gehandelt und eine Führungsposition bei einer Versicherung eingenommen hatte, als ehrenamtlicher Spielausschuss-Vorsitzender zum FC Bayern gekommen. Gleichzeitig unterschrieb ein 19-Jähriger namens Franz Beckenbauer bei dem Münchner Club. Zwei Jahre später machte Schwan aus dem ehrenamtlichen Posten ein Geschäft. Er wurde der erste hauptamtliche Manager im deutschen Fußball und zugleich Beckenbauers Manager.

Der deutsche Rekordmeister würdigte Schwan in einem Nachruf als "starke Persönlichkeit, Visionär und harten Arbeiter". In seiner Amtszeit holten die Münchner von 1974 bis 1976 drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister. 1977 trat Schwan von seinem Amt zurück, blieb jedoch bis zuletzt Vereinsmitglied. Uli Hoeneß wurde 1979 sein Nachfolger als Manager.

"Robert Schwan ist der Mann, der eines der größten Kapitel der Erfolgsgeschichte unseres Clubs geschrieben hat", erklärten Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG, und sein Stellvertreter Hoeneß gemeinsam. "Wir haben ihn als junge Spieler kennen, schätzen und manchmal auch fürchten gelernt. Robert Schwan war in seiner Zeit ein großer Visionär, der in seiner Art den FC Bayern groß gemacht hat und dazu beitrug, dass unser Verein heute zu den Großen des internationalen Fußballs gehört."

Auch Beckenbauer hat Schwan viel zu verdanken. Seit 1964 stand der väterliche Freund und Manager dem berühmtesten deutschen Fußballer zur Seite und schloss hoch dotierte Werbeverträge für ihn ab. Beckenbauers Aufstieg zum Weltstar und Fußball-Millionär lohnte sich allerdings auch für den Manager. "Mister 20 Prozent" wurde Schwan genannt.

Als Freund klarer Worte war Robert Schwan nicht unumstritten. Im Dezember 1997 wurde er Aufsichtsratsvorsitzender bei Hertha BSC Berlin, wo er ein Jahr später für großen Wirbel sorgte: Vor laufenden TV-Kameras entließ Schwan Hertha-Trainer Jürgen Röber nach einem 1:3 beim TSV 1860 München. Später nahm er die Entscheidung zurück und entschuldigte sich bei Röber. Im März 2000 trat Schwan als Aufsichtsrats-Vorsitzender der Hertha zurück und zog sich ins Privatleben zurück.



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