Ronaldos Abschied aus der Seleção: 15 Minuten für das Phänomen

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Er wurde zweimal Weltmeister und dreimal Weltfußballer des Jahres. Mit Barça, Inter und Real sammelte er Vereinstitel. Jetzt feiert "Il Fenomeno" Ronaldo Luís Nazário de Lima gegen Rumänien seinen Abschied aus der brasilianischen Nationalmannschaft.

Ronaldos letztes Spiel: Abschied des Phänomens Fotos
AFP

Hamburg - Gut 15 Kilogramm mehr als zu seiner aktiven Zeit hat Ronaldo auf den Rippen, seine Haare trägt er inzwischen etwas länger. Mit dem Ronaldo Luís Navário de Lima, der Mitte der Neunziger Jahre den Weltfußball eroberte, dynamisch, schnell, von seinen Gegenspielern kaum zu fassen, hat Ronaldo nicht mehr allzu viel gemeinsam.

Doch Ronaldo hat Spaß. Endlich mal wieder scheint der 34-Jährige Freude am Fußball zu haben: Wie ein kleiner Junge strahlt er nach einem Tor im Trainingsspiel bei der Seleção, der ruhmreichen brasilianischen Nationalmannschaft. Seine Teamkollegen laufen zum Schützen, feixen, umarmen ihn. Das ehemalige "Il Fenomeno", das Phänomen, den dreifachen Weltfußballer, der gegen Rumänien nun seinen endgültigen Abschied aus dem Nationalteam feiert.

Es ist kein Zufall, dass Ronaldo diesen Treffer nicht nach einem Dribbling erzielt, oder nach einem seiner unwiderstehlichen Sprints, mit denen er jahrelang die besten Innenverteidiger der Welt stehen ließ. Nein, Ronaldo trifft aus dem Stand. Per Drop Kick schießt er den Ball in den Winkel - die Technik konnte ihm sein Körper nicht nehmen. Wohl aber viele Jahre auf Top-Niveau.

"Meine Geschichte mit der Seleção war ein wunderbarer Traum"

Bereits im Februar hatte Ronaldo unter Tränen seinen Rücktritt verkündet. Mit Corinthians wollte er noch die südamerikanische Clubmeisterschaft gewinnen, doch die Qualen waren zu groß. Viermal musste er in seiner Profizeit an beiden Knien operiert werden, hinzu kamen ungezählte Muskelzerrungen, -risse und Prellungen. "Ich kämpfe gegen die Waage und die Schmerzen", sagte er schon 2010.

Deshalb will es Brasiliens Nationaltrainer bei einem Kurz-Auftritt für Ronaldo belassen. "Die Idee ist, dass er um die 30. Minute der ersten Halbzeit auf den Platz geht und dann bis zum Ende der Hälfte spielt", sagt Mano Menezes. Nach ein paar Tagen Fitnesstraining kam die Einsicht, dass es zu mehr nicht reicht. "Bei jeder Einheit litt ich unter den alten Verletzungen. Ein Tag trainieren, ein Tag ausruhen", sagt Ronaldo. In der Halbzeitpause soll dann die Ehrung folgen.

Trotz der kurzen Einsatzzeit hofft Ronaldo auf einen finalen Torerfolg: "Das wäre fantastisch, dann wäre das Fest komplett". Allerdings müsse dazu Jungstar Neymar möglichst einen Elfmeter schinden, scherzt der 34-Jährige.

Ronaldo will für Corinthians auf Werbetour gehen

Auch wenn der letzte Auftritt der lebenden Legende nicht gegen eine Weltauswahl, sondern gegen den 42. der Fifa-Rangliste ausgetragen wird - ganz ohne Abschiedsspiel wollte Brasiliens Fußballverband CBF Ronaldo nicht ziehen lassen. Die "Seleção" weiß, was sie ihm zu verdanken hat. Zweimal wurde er mit Brasilien Weltmeister (1994 und 2002), mit 15 Toren ist Ronaldo WM-Rekordtorschütze. Zwei Treffer dürften in Deutschland besonders in Erinnerung geblieben sein: Im Finale der WM 2002 in Japan und Südkorea erzielte der Stürmer beide Tore zum 2:0-Sieg der Brasilianer gegen das Team des damaligen Bundestrainers Rudi Völler. "Meine Geschichte mit der Seleção war ein wunderbarer Traum, den ich gelebt habe", sagte Ronaldo. "Die 'Seleção' gab mir Popularität, gab mir Status und gab mir Stolz."

In Europa spielte Ronaldo für den PSV Eindhoven, FC Barcelona, Inter Mailand, Real Madrid und AC Mailand. Er wurde Liga-Torschützenkönig in Spanien und den Niederlanden, holte mit Real Madrid zwei Meistertitel. Mit Inter Mailand gewann er den Uefa-Cup und wurde zweimal zu "Europas Fußballer des Jahres" gekürt (1997, 2002).

Doch selbst wenn die brasilianische Nationalmannschaft Ronaldo am Dienstag im Pacaembu-Stadion in São Paulo ehrenvoll entlässt, ist Ronaldo immer für Überraschungen gut. Erst kürzlich hatte die Vereinsführung von Corinthians verkündet, dass Ronaldo aus Promotionsgründen mehrere Freundschaftsspiele für den Club aus São Paulo bestreiten wolle. Es könnte also sein, dass die Fans das Phänomen doch noch das ein oder andere Mal in Aktion sehen können.

Mit Material von sid und dpa

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Fotostrecke: Ronaldo, das Tor-Phänomen
Alle Weltfußballer seit 1982
Jahr Spieler Land/Verein
2012 Lionel Messi ARG/FC Barcelona
2011 Lionel Messi ARG/FC Barcelona
2010 Lionel Messi ARG/FC Barcelona
2009 Lionel Messi ARG/FC Barcelona
2008 C. Ronaldo POR/Manchester United
2007 Kaká BRA/AC Mailand
2006 F. Cannavaro ITA/Juve und Real
2005 Ronaldinho BRA/FC Barcelona
2004 Ronaldinho BRA/FC Barcelona
2003 Z. Zidane FRA/Real Madrid
2002 Ronaldo BRA/Inter und Real
2001 L. Figo POR/Real Madrid
2000 Z. Zidane FRA/Juventus Turin
1999 Rivaldo BRA/FC Barcelona
1998 Z. Zidane FRA/Juventus Turin
1997 Ronaldo BRA/Inter Mailand
1996 Ronaldo BRA/FC Barcelona
1995 G. Weah LIB/AC Mailand
1994 Romario BRA/FC Barcelona
1993 R. Baggio ITA/Juventus Turin
1992 M. van Basten NL/AC Mailand
1991 L. Matthäus D/Inter Mailand
1990 L. Matthäus D/Inter Mailand
1989 R. Gullit NL/AC Mailand
1988 M. van Basten NL/AC Mailand
1987 R. Gullit NL/AC Mailand
1986 D. Maradona ARG/SSC Neapel
1985 M. Platini FRA/Juventus Turin
1984 M. Platini FRA/Juventus Turin
1983 Zico BRA/Udinese Calcio
1982 P. Rossi ITA/Juventus Turin